Christina Aguilera - Lotus - Cover
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Christina Aguilera Lotus


  • Label: RCA/Sony Music
  • Laufzeit: 48 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Wiedergeburt der Christina Aguilera.

Christina Aguilera gehört zu den erfolgreichsten Musikerinnen des heutigen Musikmarktes. Über 30 Millionen verkaufte Alben sind durchaus eine gewisse Hausnummer, vier Nummer-1-Singles in den USA sprechen ebenfalls für sich. Als einzige Künstlerin unter Dreißig wurde sie vom Rolling Stone-Magazin auf die Liste der 100 größten Sänger aller Zeiten aufgenommen und auch ein Stern auf dem Hollywood Walk Of Fame ist ihr gewidmet. Nicht zuletzt seit „Stripped“ ist sie dafür bekannt, ihre eigene Meinung stark zu vertreten, setzt sich für die Rechte von Frauen und gegen häusliche Gewalt ein, tritt als Botschafterin gegen Hunger für das UN-Welternährungsprogramm auf und wurde von der Organisation La Raza für ihre Nächstenliebe ausgezeichnet. In der Castingshow The Voice arbeitet sie mit Cee-Lo Green, Blake Shelton und Adam Levine (Maroon 5) an der Entdeckung neuer Talente, denen sie als Coach zur Seite steht.

All das klingt nach einer sehr erfolgreichen Karriere und doch kann man bei einem musikalischen Blick nach hinten nicht vermeiden festzustellen, dass ihr letztes Album „Bionic“ floppte. Entsprechend soll „Lotus“ nun neue Wege gehen. „Das Album handelt von Freiheit und den Möglichkeiten, sich selbst auszudrücken“, erklärt Christina Aguilera. „Ich habe in den letzten Jahren persönlich einiges durchgemacht und dieses Album zeigt nun meine Wiedergeburt. Sie handelt von der Rückkehr zu meinen Wurzeln - wer ich bin und was ich gerne mache.“ Ein Blick auf das Songwriter- und Produzententeam bestätigt: Keiner der Produzenten des letzten Albums wurde erneut engagiert. Auf altbekannte und Erfolg bringende Gesichter wie Linda Perry setzt man allerdings auch nicht. Stattdessen engagierte Christina ein neues und abwechslungsreiches Team, das nun zur Wiedergeburt und neuem Erfolg verhelfen soll.

Schon für die erste Singleauskopplung „Your Body“ wurde dabei groß aufgefahren und niemand anderes als Max Martin (Britney Spears, Katy Perry, Pink, Kelly Clarkson, Taylor Swift), Shellback (Britney Spears, Pink, Usher, Maroon 5) und Savan Kotecha (Britney Spears, Usher, One Direction, Maroon 5) engagiert. Erweitert wird dieser Spitzenkader unter anderem durch Phil Bentley (The Black Eyed Peas, Backstreet Boys, Pussycat Dolls), Bonnie Leigh McKee (Katy Perry, Taio Cruz, Britney Spears), Aeon Manahan (Adam Lambert, Busta Rhymes) und Chris Braide (David Guetta, Lana Del Rey). Produziert wurden die Songs schließlich von niemand geringerem als Alex da Kid (B.O.B, Eminem, Nicki Minaj, Rihanna) sowie den bereits genannten Max Martin und Shellback. Doch macht ein solches Erfolgsteam im Rücken auch gleichzeitig ein starkes neues Album?

Die Antwort ist tatsächlich JA! Das Intro verdeutlicht dem Hörer bereits die Motivation des Silberlings. In geschickte Dance Beats verpackt erklärt Christina deutlich: „To the sky, I rise/ Spread my wings, and fly/ I leave the past behind/ And say goodbye to the scared child inside/ I sing for freedom, and for love/ I look at my reflection/ Embrace the woman I’ve become/ The unbreakable lotus in me/I now set free“. Man möchte dabei fast an die Kampfansage des „Stripped“-Intros denken und die Spannung steigt entsprechend. „Army of Me“ bestätigt, dass die Musikerin den Mitläuferzug von schlechtem Dance Pop verlassen hat und sich einmal mehr auf den Weg zu sich selbst begeben hat. Mit frischen Beats unterlegt, trifft der Song zwar durchaus den Zeitgeist, hat es aber nicht nötig, dass Christina ihre Stimme künstlich herunter schrauben muss und kann so modern die Stärken der Sängern ausspielen. „Red Hot Kinda Love“ rutscht leider wieder in einfaches Popgeplänkel ab, gehört glücklicherweise aber zu den wenigen Ausrutschern des Albums. Denn schon „Make The World Move (feat. Cee-Lo Green)“ hebt das Niveau der LP wieder und überzeugt mit ausgeglichenen Beats und erfrischender Melodie. Die Singleauskopplung „Your Body“ klingt sehr typisch nach ihrem Produzententeam, was Christina Aguilera leider einen Funken Austauschbarkeit anhaftet, wie ihn aber alle ihrer Kolleginnen haben, die mit Max Martin & Co. zusammen arbeiten.

Nach „Let There Be Love“, dem zweiten Song aus der Feder von Martin und Shellback mit ähnlichem Effekt wie „Your Body“, folgt mit „Sing For Me“ die erste große Ballade des Albums. Gefüllt mit großen Emotionen, schlichter Instrumentierung und Fokus auf die Vocals selbst, ist dieser Song alles, was man von ihm erwarten könnte. Noch ruhiger wird es bei der Klavierballade „Blank Page“, die ebenfalls ganz die gefühlvollen Stärken der Künstlerin ausspielt. „Cease Fire“ nimmt langsam wieder Geschwindigkeit auf, beinhaltet aber beinahe schon R&B-anmutende Rhythmen und Beats, die dem Album eine zusätzliche Facette verleihen. In einer Mischung aus R&B-Gefühl und Dancebeats verwurzelt sich auch „Around The World“ und hat dabei die Qualität, einen Platz in der aktuellen Clubszene finden zu können. Der inhaltlich frechste Song ist wohl „Circles“, der sich abwechslungsreich entwickelt und vor allem im Refrain an die Rocksongs von The Pretty Reckless erinnert. Eine letzte sehr persönliche Botschaft enthält „Best Of Me“, eine Ballade, die ins Ohr geht und damit durchaus ganz in der Tradition von Titeln wie „Beautiful“, „The Voice Within“ oder „Hurt“ steht. Das finale Stück „Just A Fool (with Blake Shelton)“ kann sich schon allein aufgrund von Blakes Stimme gewisser Country Vibes nicht ganz verwehren und lässt den Silberling damit auf sanfte, gefühlvolle und gleichzeitig kräftige Art und Weise ausklingen.

Mit „Lotus“ ist Christina Aguilera tatsächlich die Wiedergeburt geglückt. In einer Mischung aus Rückbesinnung auf alte Stärken und der Neufindung des modernen Zeitgeistes entwickelt die Sängerin Abwechslungsreichtum und schwingt sich damit zurück auf ein Niveau, das man auf „Bionic“ stark vermisste. Eine gewisse Auswechselbarkeit bei manchen Songs kann man zwar leider nicht abstreiten, was allerdings mehr an der Wahl der Songwriter und deren breit gefächertem Repertoire liegt, als an den musikalischen Qualitäten der Sängerin selbst. Diese findet nämlich – wahrscheinlich zur Freude vieler – den Mittelweg, ihre Stimmgewalt effektiv präsentieren zu können, ohne dabei völlig über die Stränge zu schlagen oder sich selbst zu verlieren. Ladies and Gentlemen: Christina Aguilera is back!

Anspieltipps:

  • Army Of Me
  • Sing For Me
  • Cease Fire
  • Best Of Me
  • Just A Fool (with Blake Shelton)

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