Nena - Du Bist Gut - Cover
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Nena Du Bist Gut


  • Label: Laugh & Peas Entertainment
  • Laufzeit: 71 Minuten
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2/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Nena hat sich selbst gefunden. Nur die schönen Melodien aus alten Zeiten, die sucht sie weiterhin vergebens.

Ihre Karriere hat Nena bereits gerettet. War nicht mal schwierig: Alte Schinken in neue Marinade eingelegt, „Nena feat. Nena“ auf’s Etikett geschrieben, fertig. Dass das kommerziell sehr erfolgreiche „Willst Du Mit Mir Gehn“ im Anschluss in etwa zeitgleich mit dem Gammelfleisch-Skandal auftrat, ist vermutlich trotzdem Zufall. Seit Jahren lächelt sie nun in „The Voice“ auf Pro7 freundlich auf jene Menschen herab, die weder 99 Luftballons noch Leuchttürme haben und deshalb in Castingshows gehen müssen. Nena ist dick im Geschäft und kann sich daher entspannt ihrer ureigenen Aufgabe widmen: Der Weltrettung.

„Ohne Angst und ohne Waffen / werden wir Bewusstsein schaffen“, singt sie in Schmetterling. Das mit der Angst würde wohl niemand unterschreiben, dem Schlager ein Gräuel sind. Denn nicht nur hier schwingt sich Nena zur musikalischen Schwester von Nicole auf, die eine ähnliche Botschaft ja einst etwas subtiler unters Volk gebracht hat (Und jetzt alle über Vierzig: “Papillon, Papillon, Papilloooon…“). Natürlich kann Nena auch anders: Bei „Im Reich der Mitte“ etwa, da passiert 4 Minuten und 8 Sekunden lang wirklich nichts, das an irgendwelchen Synapsen rühren würde. Keine Emotion, nicht mal Ekel - gar nichts! Verschwendete Lebenszeit also. Die gibt einem auch keiner zurück. Darüber sollte Nena (sich) mal ein Lied schreiben (lassen).

Stattdessen gesteht sie immerhin: „Besser gehts nicht“. Und liefert die Entschuldigung im Refrain gleich mit: „Sorry, sorry, sorry, i’m so sorry“ heißt es da. Wirkt wie ein Platzhalter für einen klugen Text. Der dann aber wohl niemandem mehr eingefallen ist. Und am Ende dieses lyrischen Neutrums dann: Nur Schlagzeug plus jauchzen und kreischen im Hintergrund. Mutig, denn wer für dieses Album bezahlt hat, der könnte sich an dieser Stelle möglicherweise ausgelacht vorkommen. Wenn Nena dann im Anschluss bei „Ich hör mir zu“ mit sich selbst spricht, spricht das für sich: „Ich rede hin und wieder mit mir selbst / und was sich dann so tut ist interessant / Ich bin nicht beunruhigt / vielleicht brauch ich nur ‘ne kleine Therapie oder ein Seminar / Aber sonst ist mit mir eigentlich alles klar.“ Noch Fragen? Nein? Nena hat im weiteren Verlauf dieser Selbstdemontage noch eine: „Ob ich was zu sagen habe?“ Wer die richtige Antwort kennt (vier Buchstaben), darf an dieser Stelle abschalten.

Der Rest muss noch zuhören, wie Gott in „Deine Flügel brechen nicht“ tatsächlich „von Angesicht zu Angesicht“ zu Frau Kerner spricht. Mit der Stimme ihres Sohnes. Gott fällt leider aber auch nichts Besseres ein, als die abgedroschene Flügel-Metapher bis zum Erbrechen zu wiederholen. Welche Peinlichkeiten fehlten bis hierhin noch? Genau: Ein Kinderchor und Dudelsäcke! Kann man nach „Frieden“ dann auch ´nen Haken hinter machen. Die Melodie ist allerdings so umarmend und kitschtriefend, dass dieses (Kinder-)Lied ganz bestimmt den nächsten Kirchentag begleiten wird. Und damit hätten wir dann ja auch den ersten wirklich konstruktiven Ansatz für die Sache mit der Weltrettung.

Anspieltipps:

  • Das ist nicht alles
  • Frieden

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