Doro - Raise Your Fist - Cover
Große Ansicht

Doro Raise Your Fist


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 52 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Nun alle Fäuste hoch! Alle Fäuste hoch! Alle Fäuste hoch! Doro boma ye!

Wenn sich ein Metal-Act im Laufe der Jahre (bzw. Jahrzehnte) so viel Narrenfreiheit verdient hat, dass eigentlich peinliche Airbrush-Coverartworks mit Drachen, Elfen und Dämonen um den Vokalisten herum stillschweigend hingenommen werden und man diese sogar als gern gesehenes Stilmittel versteht, dann kann es sich um niemand geringeres als Doro halten. Selbst wenn sich Doro für ein Cover ganz im Stile diverser Schlagersängerinnen (siehe z.B. das Cover von der Single „We're Like Thunder“ zusammen mit Regina Halmich) ablichten lässt, kann man ihr nie wirklich böse sein. Und das hat nicht nur einen Grund! Über Frau Pesch wurde in der Vergangenheit so ziemlich alles gesagt. Die einstige Sängerin des Urgesteins Warlock hat sich nicht nur in die Herzen von Millionen von Fans weltweit gespielt, sondern ist so etwas wie die Alice Schwarzer des Metals (ohne dabei unsympathisch oder militant zu wirken) und eine Ikone bzw. sogar die Mutter des Female Fronted Metals. Wenn sie auf der Bühne steht, kommt selbst der böseste Pandabär aus dem BM-Untergrund gekrochen und macht brav mit. Aus der Szene ist Madame Pesch jedenfalls nicht mehr wegzudenken. So ist es kein großes Wunder, dass Doro bereits mit ihrem zwölften Album beim Major Nuclear Blast am Start ist und gar nicht daran denkt, aufzuhören.

Gut so! Denn auf „Raise Your Fist“ hält die Queen Of Metal nicht nur die Faust gen Himmel gestreckt, sondern auch die Flagge des klassischen Metals weiter oben. „Raise Your Fist In The Air” ist als Opener dabei schon von der gleichnamigen EP und auch vom einen oder anderen Liveauftritt bekannt. Als klassischer Sing-along-Titel reiht sich der Song in der Riege von Hits wie „I Rule The Ruins“ oder „All We Are“ mit Leichtigkeit ein. Es sind die schnelleren und hymnenhaften Nummern, bei denen Doro ihr ganzes Potential zeigen kann. Songs wie „Rock Till Death“ (mit leichtem Scorpions-Einschlag), „Take No Prisoners“, „Little Headbanger (Nackenbrecher)“ oder der überraschend rohe und zünftige Power-/Speed Metal-Knaller „Revenge“ machen viel Spaß und werden von Doro mit der üblichen Spielfreude und ordentlich Energie klasse präsentiert. Keine Frage: Diese Frau rockt wie eh und je.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Leider mindert so mancher Song das durchaus tolle Gesamtbild. Es ist seit jeher so, dass Songs wie „Für immer“ oder „Herzblut“ zwar bei Gigs fleißig und enthusiastisch mitgesungen werden, doch so mancher Fan mit leichtem Zähneknirschen zugeben wird, dass Lieder in deutscher Sprache nicht unbedingt zu Doros Stärken gehören. Auf „Raise Your Fist“ sind es „Engel“ und „Freiheit (Human Rights)“, die Carmen Nebel-Kompatibilität erreichen. Besonders „Engel“ sorgt mit Kitsch und tausend Mal durchgenudelten Durchhalteparolen der Marke Silbermond dafür, dass sich Doro selbst für ein zukünftiges Cover von Adoro (dis-)qualifiziert. Das bisschen Orchesterbombast ist ja schon vorhanden. „Freiheit (Human Rights)“ folgt direkt. Zumindest kann man gleich zwei Mal hintereinander die Skip-Taste drücken. Praktisch! Die Nummer mit der Humanität in den Lyrics haben andere Bands oder Musiker übrigens schon sehr viel besser hingekriegt – Übrigens ohne ein „ich bin für Freiheit and human rights“ zu schmettern. Sorry, Doro!

Besser sind da schon die Halbballaden. Das treibende „Hero“, hier als Doros Beitrag zur allgegenwärtigen Verneigung vor dem großartigen Ronny James Dio, sorgt für Gänsehaut und ist sich nicht einmal zu schade, den besungenen Dio direkt beim Namen zu nennen. Das ist vielleicht plakativ, funktioniert aber exzellent und schmälert den Gesamteindruck nicht im Geringsten! Ein weiterer Glanzpunkt ist „It Still Hurts“ im Duett mit Lemmy. Der Song bezieht seine Magie daraus, dass er gegen Ende von einem grandiosen Gitarrensolo getragen wird und Mr. Motörhead vielleicht eine seiner besten Gesangleistungen überhaupt (!) abliefert. Ganz großes Kino! Bleibt festzuhalten, dass „Raise Your Fist“ ein gutes Album geworden ist, welches neben einigen echten Krachern leider auch die fast schon obligatorischen Totalausfälle bietet. Fans der Metal Queen wird das aber kaum stören. Und das ist so auch ganz in Ordnung. Auch auf ihrem zwölften Studioausflug beweist Doro Pesch, dass sie nach fast 30 Jahren auf der Bühne immer noch Bock hat und scheinbar keinen Tag gealtert ist.

Anspieltipps:

  • Raise Your Fist In The Air
  • It Still Hurts
  • Take No Prisoner
  • Revenge
  • Hero

Neue Kritiken im Genre „Heavy Metal“
7.5/10

Too Mean To Die
  • 2021    
Diskutiere über „Doro“
comments powered by Disqus