Steven Wilson - Get All You Deserve - Cover
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Steven Wilson Get All You Deserve


  • Label: KScope/EDEL
  • Laufzeit: 131 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
8.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Die musikalischen Details von "Grace For Drowning" werden bei diesem Konzert noch stärker heraus gearbeitet als auf dem Album.

Die erste audiovisuelle Konzertaufnahme von Herrn Steven Wilson als Solokünstler hat nicht lange auf sich warten lassen. Bei all dem Aufwand, der in die Vorbereitung und Aufführung der Konzerte geflossen ist, stellt das wahrlich keine große Überraschung dar. Die Gestaltung des Bühnenbildes mit Leinwand im Hintergrund, der Stoffleinwand vor der Bühne, den passenden Videos, Lichteffekten, dem Surroundklang für die Konzertbesucher und natürlich all den Musikern, die zur Aufführung der vielschichtigen Jazzrockmusik von „Grace For Drowning“ nötig sind. Solch ein Event möchte der Musiker gerne auf ewig festhalten, besonders wenn es geradezu den Beweis erbringt, dass sehr aufwendige Konzerte auch im kleineren Rahmen gegeben werden können. Steven hat laut seiner eigenen Aussage (siehe Interview) beim ersten Teil seiner Solotour kein Geld verdient, sondern einiges dazu bezahlt. Beim Anblick des deutlich größeren Konzertsaals in Mexico City, wo die zweite Aufnahme entstand, war das in Nord- und Südamerika vielleicht anders.

Die Konzertaufnahme selbst zeigt schon nach wenigen Minuten, welch ein Perfektionist der Engländer ist und mit welcher Sorgfalt er die Musiker für die Tour ausgesucht hat. Wahre Meister ihres Fachs. Der grandiose deutsche Schlagzeuger Marco Minneman sollte kein Unbekannter sein, ebenso der Bassakrobat Nick Beggs mit seinen blonden Zöpfen, oder Theo Travis, der die Blasinstrumente bearbeitet. Eine Entdeckung ist Niko Tsonev an der Gitarre, denn der gebürtige Bulgare ist ein technisch sehr versierter Saitenschwinger. Last but not least drückt Adam Holzman die Tasteninstrumente. Der Chef dagegen pendelt zwischen Gitarre und Keyboard, ständig auf der Bühne unterwegs, singt, schwingt den Finger, dirigiert das Geschehen und geht darin völlig auf.

Wer eines der Konzerte besucht hat, kann die DVD oder Blu-Ray als eine Auffrischung und Erinnerung an den eigenen Konzertbesuch nehmen. Die Setlist und der Ablauf des Konzerts gleichen sich absolut mit denen in Europa. Dies erlaubt auch, einen Vergleich zu ziehen. War zum Beispiel das Konzert in Berlin schon ein faszinierendes Erlebnis, ist bei dieser zweiten Konzertaufnahme die mittlerweile zusätzlich gewonnene Erfahrung und Harmonie der Musiker deutlich heraus zu hören. Die musikalischen Details werden durch die individuelle Handschrift der Musiker und dank ihres Zusammenspiels sowie der Leichtigkeit mit der sie jeden noch so komplexen Takt aus ihren Instrumenten zaubern, noch stärker herausgearbeitet als auf dem Album. Die Musik wirkt etwas wärmer und lebendiger, so dass auch die starken musikalischen Kontraste weicher wirken. Wirklich beeindruckend. Ein gutes Beispiel ist hier der Longtrack „Raider II“, der auf so ergreifende Weise seine Stimmung immer wieder ändert - was für ein geiler Psycho-Song.

Von Porcupine Tree gibt es nach wie vor keine Lebenszeichen und so langsam macht sich das ungute Gefühl breit, Herr Wilson möchte gar nicht mehr mit seinen alten Mitstreitern zusammen wirken. Wahrscheinlich wird nächstes Jahr zunächst das dritte Soloalbum von Steven erscheinen. Ein neuer Song wurde bei diesem Konzert bereits zum Besten gegeben. Ein sehr beeindruckender dazu. „Luminol“ heißt das Stück und beinhaltet mehrstimmige Gesangspassagen sowie eine fulminante musikalische Entwicklung.

„Get All You Deserve“ bietet eine perfekte Umsetzung, was den Klang als auch das Bühnenbild betrifft. Der Surroundklang ist eine wahre Referenz, organisch, präzise und mit einer Tiefe, die den Zuhörer wahrlich ins Zentrum des Geschehens versetzt. Das Bild der DVD hingegen ist manchmal etwas körnig oder verrauscht. Zum einen liegt das sicherlich an der Dunkelheit im Saal, zum anderen ist das aber nur bei bestimmten Kameraperspektiven besonders auffällig, was also zu der Annahme führt, dass mit unterschiedlichen Kameras gefilmt wurde. Nicht zu vergessen der Schleier vor der Bühne, durch den einige Kameras in den ersten 30 Minuten hindurch blicken müssen. Allgemein wirkt das Bild etwas mehr komprimiert als bei vergleichbaren Aufnahmen, die von HD herunter skaliert werden, was wahrscheinlich an den hochwertigen Klangspuren liegt (Dolby 5.1, DTS Master Audio 5.1 und Dolby Stereo), die viel Platz auf der DVD verbrauchen.

Nach einigem Abstand zum Album und auch zum Konzertbesuch wird einem erst richtig bewusst, welches Langzeitpotenzial diese Musik bietet. Diese Konzertaufnahme bestätigt den Spruch auf Wilsons T-Shirt: „art is truth“.

Anspieltipps:

  • Raider II
  • Luminol
  • Remainder The Black Dog
  • No Part Of Me

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