Vanessa Neigert - Volare - Cover
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Vanessa Neigert Volare


  • Label: Seven Days Music/Sony Music
  • Laufzeit: 38 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Mehr als nur La La: Vanessa Neigert singt sich quer durch den Schlagerkosmos - und hat erstmals auch einen eigenen Song gebacken bekommen.

Es gibt wohl kein Genre, das der „Deutschland sucht den Superstar“-Zielgruppe so fremd wäre, wie der deutsche Schlager. Deshalb ist es vermutlich die Bedeutsamkeit des „Freak-Faktors“ gewesen, die Vanessa Neigert dort einst weit nach oben gespült hat. Ein leicht hyperaktiv wirkendes, lispelndes Pummelchen, das sich in einem Schwall unsortierter Worte zur Musik der Großmütter im Lande bekannte: Das war ausbaufähig. Und eine willkommene Ergänzung zu den üblichen Stereotypen, die Staffel für Staffel zur Belustigung des (Jung-)Volkes inszeniert werden. Da gibt’s stets den niedlichen Mädchenschwarm für die Zahnspangen-Fraktion; den tuntigen Quotenschwulen; mindestens zwei hübsche Mädchen, die sich schlagzeilenträchtig streiten müssen; den unbeholfenen Dicken, mit dem die Schönen im Lande Mitleid haben können und der für die nicht gar so attraktiven Zuschauer zur Identifikationsfigur taugt; und selbstverständlich den sozial benachteiligten Draufgänger, möglichst mit Migrationshintergrund und Knastkarriere.

In dieser sich verlässlich mit austauschbaren Gesichtern wiederholenden Besetzung war Vanessa Neigert ein wahres Geschenk für die Dramaturgen: Musikauswahl und Optik der Fränkin schlugen derart aus der Reihe, wie es sich selbst die kreativsten Schreiber der Sendung nicht hätten ausdenken können. Anders als bei den anderen Kandidaten, war bei ihr keinerlei Retusche nötig: Neigert so darzustellen, wie sie eben war, reichte völlig aus, um gut zu unterhalten.

Vier Jahre nach ihren Auftritten bei DSDS hat sich bei der Schlagerfreundin einiges verändert: Aus dem Entlein ist ein 15 Kilogramm leichterer Schwan geworden, die schiefen Töne sind begradigt und sie ist mittlerweile verlobt. Immerhin drei Alben hat sie zwischenzeitlich veröffentlicht. Auf dem aktuellen Werk „Volare“ ist erstmals auch ein Song vertreten, an dessen Entstehung die 20-Jährige beteiligt gewesen ist. Komponist Ivo Moring (der neben DJ Ötzi auch schon Savage Garden oder Heather Nova produziert hat) hat ihr einen Song geschrieben, der ausgezeichnet zum aus der Zeit gefallenen Stil Neigerts passt: „Ich backe mir nen Mann“ fällt in der Zusammenstellung klassischer Schlager der 1950er- und 1960er-Jahre weder positiv noch negativ auf. Wobei angesichts der klanglichen Nähe zu Conny Froboess die Vermutung naheliegt, dass jener Mann, der da gebacken wurde, ein schöner fremder solcher ist...

Stimmlich wirkt es bemerkenswert souverän, wie die in Italien geborene Künstlerin sich durch Lieder singt, die vor ihr schon echte Helden wie Tony Holiday und Wencke Myhre interpretiert haben. Inhaltlich bleibt „Volare“ - welch Überraschung - überraschungsarm. Die heile Schlagerwelt öffnet ihre Tore mit dem lebensbejahenden Ausruf „Guten Morgen schöne Welt“ - und auch 12 Songs später ist die Welt immer noch dufte und voller rosa Luftballons. Da die Begriffe „Schlager“ und „Echtheit“ einander eigentlich ausschließen, sei noch angemerkt, dass die Fröhlichkeit, die hier aus jedem einzelnen Ton purzelt, im Rahmen der Möglichkeiten angenehm unaufgesetzt wirkt. Und weil die Songauswahl (die gruselig eingedeutschte „Something Stupid“-Version mal außen vor gelassen) durchaus von Kenntnis der Materie zeugt und nicht über die Maßen kommerziell angelegt scheint, gerät die musikalische Zeitreise insgesamt bemerkenswert authentisch.

Anspieltipps:

  • Guten Morgen schöne Welt
  • Ich backe mir nen Mann
  • Lollipop

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