Mob Rules - Cannibal Nation - Cover
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Mob Rules Cannibal Nation


  • Label: AFM Records
  • Laufzeit: 49 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
7.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein spätes Referenzwerk. Aber was für eins!!!

Kinder, wie schnell die Zeit doch vergeht! Es kommt einem vor, als hätten Mob Rules ihr Debüt „Savage Land“ (1999) erst gestern veröffentlicht. 13 Jahre und fünf Studioalben später, haben die Power Metaler aus Wilhelmshaven mit „Cannibal Nation“ bereits ihren siebten Longplayer am Start. Und ein weiteres Mal festigen Mob Rules ihren Status als die etwas andere Power Metal-Band. „Mob Rules sind dafür da, um Träume zu erfüllen: nämlich unsere Träume“, sagt Frontmann und Gründungsmitglied Klaus Dirks und zeigt allen Trendsettern, die meinen, Power Metal müsse doch das eine oder andere Klischee erfüllen, um überhaupt als solcher zu gelten, selbstbewusst den verbalen Mittelfinger. Die erwähnte etwas andere Power Metal-Kombo sind Mob Rules nämlich deshalb, weil sie konsequent ihren eigenen Weg gegangen sind. „Cannibal Nation“ macht da wie schon seine Vorgänger „Radical Peace“ oder „Ethnolution A.D.“ keine Ausnahme. Der Sound von Klaus Dirks (Gesang), Markus Brinkmann (Bass), Jan Christian Halfbrod (Keyboard), Nikolas Fritz (Schlagzeug), Matthias Mineur und Sven Lüdke (beide Gitarre) ist extrem eigenständig, ohne aber seine Genrezugehörigkeit zu verleugnen. Zudem haben Mob Rules mit ihrem außer- und ungewöhnlichen lyrischen Konzept ein echtes Ass im Ärmel.

Es mag banal klingen, aber für Power Metal sind die textlichen Verarbeitungen von Themen wie die Verrohung durch Trash-TV („Tele Box Fool“), der Leidensweg der kolumbianischen Politikerin Íngrid Betancourt („Ice & Fire“), die Erstbesteigung des Mount Everest („Scream For The Sun (May 29th, 1953)“) oder die Taten des Diktators Jean-Bédel Bokassa (Titeltrack), immer noch ein echtes Novum und eine angenehme Ausnahme zu der x-ten Verarbeitung alter Sagen, Fantasiegeschichten oder Eskapismus im Allgemeinen. Zwar sind Mob Rules nicht die einzigen, die diesen Weg gehen und haben schon in der Vergangenheit mit ähnlichen lyrischen Konzepten gearbeitet, doch lassen sie sich zusammen mit Bands, die eine ähnliche Vorgehensweise verfolgen, immer noch an einer Hand abzählen. Musikalisch zeigen sich Mob Rules übrigens in absoluter Hochform. „Cannibal Nation“ darf ohne schlechtes Gewissen zu der Speerspitze in der Diskographie oder vielleicht sogar als stärkster Output der Gruppe überhaupt (!) gezählt werden. Es gibt höchst melodische und catchige Rocker („Tele Box Fool“, „The Sirens“ sowie der Titeltrack), progressiv angehauchte Nummern wie „Close My Eyes“ oder „Lost“, die es dennoch nie nötig haben, eine allzu tiefe Verbeugung vor dem Progressive Metal zu machen oder die atmosphärischen Monstren „Scream For The Sun (May 29th, 1953)“ oder „Sunrise“, welche den Sound der Band ebenfalls in die Grauzone zwischen Power und Prog bugsieren und für den Wiedererkennungswert der Band nicht unerheblich sind.

„Ice & Fire“ ist schließlich die vielleicht stärkste Komposition auf „Cannibal Nation“ und hat diesen Gänsehaut-Bombast, der schon Alben wie „At The Edge Of Time“ von Blind Guardian, Nightwishs „Imaginaerum“ oder „Silverthorn“ von Kamelot zu Ausnahmewerken machte. Für die Orchesterparts in dem Symphonic Metal-Kracher ist niemand Geringeres als Miro (u.a. Avantasia) zuständig gewesen, der sich ein weiteres Mal als absolute Koryphäe behaupten kann. Insgesamt ist es wohl das intelligente und ausgefeilte Zusammenspiel von Musik und Text, welches Mob Rules weiterhin zu einem extrem heißen Eisen macht, das sich auf internationaler Ebene vor keinem Power Metal-Act zu verstecken braucht. „Cannibal Nation“ ist ein Gesamtüberblick über alles, was diese Band in den vergangenen 18 Jahren erreicht hat. Extrem eigenständig, selbstsicher und zielstrebig darf „Cannibal Nation“ zu den stärksten Genrehäppchen des Jahres 2012 gezählt werden. Wer Power Metal mag, kommt an diesem Album nie und nimmer vorbei!

Anspieltipps:

  • Tele Box Fool
  • Ice & Fire
  • The Sirens
  • Scream For The Sun
  • Sunrise

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