Harllequin - Hellakin Riders - Cover
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Harllequin Hellakin Riders


  • Label: Flying Dolphin/Rough Trade
  • Laufzeit: 63 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

US-Power Metal aus Brasilien? Die fünf Jungs aus São Paulo widersetzen sich konsequent der Mode, lassen aber Ecken und Kanten vermissen.

Wenn es neben Japan ein Land gibt, in dem europäischer Power Metal boomt, dann ist es zweifelsohne Brasilien. So mancher Prophet, der im eigenen Land nicht erhört wird, fokussiert seine Live-Bemühungen und die Promotion auf die Märkte im Land der aufgehenden Sonne bzw. Südamerika. Während metallische Klänge dank ausländischer Gruppierungen in Brasilien erblühen – wo in Europa findet sich schon eine eigene Shopping Mall für Metal-Artikel? - hat sich selbstverständlich auch eine eigene Szene entwickelt. Ob nun Sepultura oder aber die eigenen Power-Metal-Sprösslinge wie Angra, Edu Falaschi, Andre Matos oder Shaman: Im Underground des Euro Powers hat Brasilien mitzureden! Richtig interessant wird es dann, wenn ein junger Genrevertreter nicht mehr Helloween sondern vielmehr Iced Earth oder Jag Panzer als große Vorbilder angibt. Willkommen in der wunderbaren Welt von Harllequin!

Zugegeben: Zu keiner Zeit fiel von Mario Linhares (Gesang), Fabricio Moraes (Gitarre), Pedro Val (Keyboard), Caio Cortonesi (Bass) und Kayo John (Schlagzeug) auch nur ein Sterbenswörtchen über Einflüsse, Referenzen oder Hommagen. Aber es ist kaum zu überhören, dass „Hellakin Riders“, das Debüt von Harllequin, sich eher an den Klängen des US-Power Metals orientiert. Die Gruppe aus São Paulo pfeift somit auf Trends und füllt genüsslich eine Marktlücke in ihrer Heimat. Statt Bombast, Plastik-Orchester und melodischen Hymnen, kracht es auf „Hellakin Riders“, übrigens ein Konzeptalbum über die Sage Bando do Arlequin, gewaltig. Mit einer Mischung aus traditionellem Heavy Metal, Speed, Thrash und einem Hauch Prog, klingen die fünf Musiker eine ganze Ecke anders als die typische Power Metal-Band aus Brasilien. Die Kompositionen kommen angenehm knackig daher und haben dank eines leicht trockenen Sounds den gewissen Rums! Während der Titel- und Longtrack oder „Going To War“ noch als waschechte Hymnen mit exzellenten Livequalitäten daherkommen, sind es besonders Songs wie das opulente „King Of The Dead“ oder „The Riddle“, die das songwriterische Vermögen der Band bezeugen.

Leider kriegen aber nicht alle Songs solch einen eigenen Stempel aufgedrückt und so wärmen Harllequin hauptsächlich das auf, was Genregrößen schon vor Jahren (Jahrzehnten?) weitaus schmackhafter gekocht haben. Nur selten beweist die Band Mut und besinnt sich auf ihre Qualitäten. Zackig und straight, wenn auch stets mit einem (eventuell ungewollten) Anspruch darauf, etwas vertrackt zu sein, gefallen Hellaquin am besten und erfreuen Fans des US-Powers mit alten Trademarks, die aber immer wieder neu funktionieren.
Im Gegensatz zu dem Schaffen der Major Acts des Landes, wird „Hellakin Riders“ aber lediglich Special Interest bleiben, der hungrigen Fans als Snack dient. Auch wenn die Musiker an ihren Instrumenten stark sind (wobei der Gesang des Frontmannes Linhares durch und durch Geschmackssache ist), vermögen Harllequin keine großen Akzente zu setzen und spielen zwar souverän, aber auf kurz oder lang eher blass. Als angenehmer Kontrast zum Power Metal der europäischen Schule taugt ihr Erstling aber trotzdem. Ein wenig Eigenständigkeit für einen eventuellen Nachfolger wäre dennoch höchst wünschenswert.

Anspieltipps:

  • Going To War
  • King Of The Dead
  • Hellakin Riders

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