Orden Ogan - To The End - Cover
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Orden Ogan To The End


  • Label: AFM Records
  • Laufzeit: 55 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
7.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine Ode an den Power Metal: Die vier Arnsberger sind endgültig im Olymp angekommen.

Es ist die alte Geschichte: Auch wenn Power Metal seinen zweiten großen Zenit längst überschritten hat, sprießen im europäischen Underground immer wieder neue junge Bands wie Pilze aus dem Boden. Dass viele von ihnen kaum eigenständig sind und sich beinahe dreist am Schaffen der alteingesessenen Helden bedienen, muss nicht extra erwähnt werden. Dann aber gibt es immer mal wieder eine Band, die es vermag, eigenständig zu sein und eigene Akzente zu setzen. In den vergangenen Jahren waren das Gruppierungen wie Sabaton, Powerwolf, nach und nach aber auch Dragonforce. Und dann sind da noch Orden Ogan aus Arnsberg, die seit ihrer Gründung darauf verzichteten, wie der x-te Abklatsch eines der Genre-Titanen zu klingen. Klar, hier ein wenig Rage, dort ein wenig Grave Digger oder Runnig Wild, aber ein Großteil der Bemühungen wurde in die eigene Identität gesteckt.

So wundert es kaum, dass Seeb Levermann (Gitarre und Gesang), Tobi Kersting (Gitarre), Niels Löffler (Bass) und Dirk Mever-Berhorn (Schlagzeug) zwar nicht zu den jungen Wilden des Power Metals (die Band gibt es seit 1996) gehören, aber dank ihrer stetigen Steigerungen und dem erfolgreichen Kampf aus dem Underground heraus, von Kritikern und Fans zu den größten Hoffnungen der Szene gezählt werden. Nach mittlerweile drei Studioalben melden sich die vier Jungs zurück und wollen dem Power Metal die Begeisterung, den Drive und den Biss zurück geben, den man mittlerweile nur mit der Lupe finden kann.

Was direkt auffällt ist, dass die Arnsberger im Vergleich zu ihrer Performance auf den Vorgängeralben „Vale“ (2008) und „Easton Hope“ (2010) schwere Geschütze auffahren und sehr viel dicker auftragen. „To The End“ ist für das Genre weiterhin knackig und hart, streift aber sowohl den US-Power- als auch Prog Metal wie einst auf „Easton Hope“ fast gar nicht mehr. Dafür haben Orden Ogan eine Wagenladung voll einprägsamer Melodien und euphorisch stimmender Hymnen in petto, die am ehesten an die Schweden von Sabaton erinnern, aber immer noch eigenständig genug sind, dass die einstigen Orden Ogan vom Hörer erkannt werden. Rechtzeitig besinnt sich das Quartett auf seine Stärken und vermeidet es, trotz der neu entdeckten Liebe für Melodien und Bombast in fremden Revieren zu wildern. Sie werden nie so opulent wie Kamelot mit ihrem „Silverthorn“ oder einem beliebigen Album der Gruppe, vermeiden es aber auch, die Unantastbarkeit des zotigen Stils Manowars zu kopieren. „To The End“ geht seinen eigenen Weg. Das fängt bei dem roten Faden in den Lyrics (Eis, Kälte, Winter) an, wobei zu sagen ist, dass es sich bei „To The End“ um kein Konzeptalbum im eigentlichen Sinne handelt, und wird mit vielen kleinen Ideen fortgeführt.

Der Quasi-Opener und Titeltrack geht direkt in die Vollen und lässt Erinnerungen an die Gamma Rays oder Helloweens zu ihren glorreichsten Zeiten wach werden, während die Doublebass und das technische Riffing die pfeilschnelle Power Metal Interpretation einer Band wie Dragonforce in den eigenen Klangkosmos integriert. Mit „Land Of The Dead“, „Till The Star Cry Out“ und „The Things We Believe In“, der ersten Single, die im Musikvideo tatsächlich die eine oder andere Hommage an die Videospielserie Fallout tätigt (Nuka-Cola), folgen drei wahnwitzige Mitsing-Hymnen, die in künftigen Festivalsommern garantiert neue Fans abholen werden. „The Ice Kings“ und „Take This Light“ sind die Balladen und als solche gelungen.

Der Höhepunkt ist sicherlich „Dying Paradise“: So hätten Freedom Call geklungen, wenn sie die Qualitäten ihrer Anfangszeiten hätten fortführen können. Die vier Herren von Orden Ogan kopieren den Stil der deutschen Power Metal-Schule der mittleren und späten 90er-Jahre fast perfekt und bringen ihn einer neuen Hörerschaft geschickt näher, während der alte Hase sich besonders gegen Ende über den Vibe Marke „Land Of The Free“ oder „Somewhere Out In Space“ (beide Alben von Gamma Ray) freuen sollte. Als Schmankerl bekommt der Fan mit „Mystic Prophecy“ und „Angels War“ zwei alte, aber bisher nicht veröffentlichte Live-Lieblinge als Studioversion.

Endlich! Der deutsche Power Metal ist wieder erstärkt. Mit „Cannibal Nation“ haben Mob Rules bereits einen grandiosen Überraschungshit gelandet. Orden Ogan sind da als Hoffnungsträger und erfolgversprechendster Power Metal-Nachwuchs der letzten Jahre sehr viel berechenbarer, doch lagen auf ihren Schultern tonnenschwere Erwartungshaltungen. Glücklicherweise befreien sich die Musiker von all jenem Ballast und schütteln ihr „To The End“ locker aus dem Handgelenk. Gleichermaßen klassisch wie auch modern und mit einem bisher unbekannten Gespür für unverbrauchte und fesselnde Melodien, machen Orden Ogans ihren vierten Longplayausflug zum bisher reifsten und qualitativ hochwertigsten der Karriere und bestätigen ihre Rolle als wichtigster Newcomer des deutschen Power Metals souverän.

Anspieltipps:

  • The Things We Believe In
  • Land Of The Dead
  • Till The Stars Cry Out
  • Dying Paradise

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