The Black Explosion - Servitors Of The Outer Gods - Cover
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The Black Explosion Servitors Of The Outer Gods


  • Label: Metalville/Rough Trade
  • Laufzeit: 37 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
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Drei Schweden reiten die Retrowelle und entführen den Hörer in die Welt des 60s-Rock.

Man stelle sich folgende Situation vor: Der kleine Chris ist gerade auf Abenteuerreise und erkundet den Dachboden des elterlichen Hauses. Zwischen alten Möbeln, ausrangierten Elektrogegenständen, Büchern und dem einen oder anderen Fotoalbum macht Chris einen phänomenalen Fund. In einem Karton stecken unzählige Schallplatten. Als er das passende Abspielgerät ein paar Meter weiter findet, und die Vinylausgaben diverser Jimi Hendrix-Alben schließlich abspielt, ist es um den Bengel geschehen! Zugegeben: So schön (und klassisch) diese Anekdote auch sein mag – sie ist frei erfunden.

Dennoch soll jener Chris Winter, seines Zeichens ehemaliger Frontmann der Band Dollhouse, tatsächlich die Plattensammlung seines Vaters gefunden haben. Wo, wann oder wie kann dagegen nur spekuliert werden. Tatsache ist jedoch, dass sie einen bleibenden Eindruck auf Winter hinterlassen hat. Sein Projekt The Black Explosion atmet den Geist vergangener Tage und zollt den Größen der 60er-Jahre nicht nur ein Mal Tribut. Zusammen mit seinen Kollegen Andreas Lindqist (Schlagzeug und Percussion) und Ginger Love (Bass) hat Winter (Gesang, Gitarre, Bass, Orgel) eine erstaunlich authentische Interpretation des damaligen Sounds auf dem Album „Servitors Of The Outer Gods“ eingefangen.

Bereits das Cover Artwork des französischen Comiczeichners Riff Reb's erinnert an Sci-Fi-Trash der 50er-Jahre und gibt in etwa an, wo die Reise hingehen wird. „Servitor Of The Outer Gods“ folgt der Retro-Ausrichtung, die bereits die Musik von Dollhouse mitbestimmte. Die drei Schweden sollten nicht nur Material von Hendrix, sondern quer durch die Band alles von The Who, Iron Butterfly, The Yardbirds, Blue Cheer oder Cream fleißig studiert haben. So entsteht eine bunte Mischung aus Psychedelic Rock, frühem Prog (ohne aber jemals in die Sphären von King Crimson, Gentle Giant oder Van der Graaf Generator aufsteigen zu wollen) und 60s-Hardrock der sehr frühen Led Zeppelin oder Deep Purple.

Die Einflüsse sind zahlreich und es grenzt an ein Wunder, dass The Black Explosion all jene unter einen Hut bringen können und zudem noch eigenständig (sofern Eigenständigkeit wirklich der richtige Begriff ist) genug sind, um ihre eigenen Trademarks in den Sound einzubetten. Die zehn Kompositionen rocken, scheppern und wummsen wild drauflos. Auf den Punkt gebracht, ohne allzu tiefen Verneigungen vor den Idolen oder gar Selbstbeweihräucherung hinsichtlich der eigenen Courage, die Retrowelle weiter zurück zu surfen, erfüllt man Songs wie „Sun Eater“ (staubig-verschwitzt und schwer) oder „It's Alright Now“ mit Leben. Es ist der Spagat zwischen Passagen, die an rohe Garagenaufnahmen erinnern und Virtuosität an den Instrumenten, welche „Servitors Of The Outer Gods“ eine gehörige Portion Charme verpasst. Frontmann Chris Winter zeigt am Mikro Präsenz und erinnert nicht nur ein Mal an Roger Daltrey, ist aber das eine oder andere Mal eventuell ein wenig zu ehrfürchtig, wirkliche Zitate zu wagen.

Als kleine Zeitreise ist „Servitors Of The Outer Gods“ durchaus empfehlenswert und wird definitiv seine Anhänger, und seien es nur die von Dollhouse, finden. Klar als Herzensangelegenheit und ohne eine Soundanpassung aus Notwendigkeit, möchte The Black Explosion nicht eine Alternative zu alteingesessenen Helden der Vergangenheit bieten, sondern soweit es ihnen ermöglicht wird, kompilieren, ihren eigenen Stempel aufdrücken und mitreißen. Im Gegensatz zu vielen anderen Acts, die versuchen, vergangene Zeiten wieder aufleben zu lassen, haben The Black Explosion übrigens darauf verzichtet, mit einer bewusst altbackenen Produktion für Authentizität zu sorgen. Gut so! Als Appetitanreger für die Legenden des Rocks taugt „Servitors Of The Outer Gods“ übrigens auch und es wäre gelacht, wenn man nach dem Hören der Scheibe nicht ebenfalls dem Dachboden einen Besuch abstatten will.

Anspieltipps:

  • Sun Eater
  • It's Alright Now
  • Black Fever

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