Angra - Best Reached Horizons - Cover
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Angra Best Reached Horizons


  • Label: Steamhammer/SPV
  • Laufzeit: 121 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Zwiespältige, aber mutige Werkschau zum 20jährigen Jubiläum der brasilianischen Power-Metal-Truppe.

Mit der Live-EP „Reaching Horizons“ im Jahre 1992 begann die Geschichte der erfolgreichsten Metalband Brasiliens: Angra. Die „Göttin des Feuers“ servierte ihren Fans mit dem vor zwei Jahren erschienenen „Aqua“ (09/2010) zwar einen alles andere als würdigen Abschied für den im Mai gegangenen Sänger Eduardo Falaschi, doch so hat die Plattenfirma immerhin einen Grund mehr, um mit „Best Reached Horizons“ die letzten 20 Jahre Angra noch einmal Revue passieren zu lassen. Äußerst untypisch für eine Best Of-Zusammenstellung gliedert sich die Compilation jedoch nicht in ein (aus der Sicht der Band oder der Plattenfirma) subjektives Gleichgewicht der besten Kompositionen der bisherigen Studioalben (im vorliegenden Fall sind es sieben Stück), dem als Appetitanreger B-Seiten oder Raritäten als Bonus beigemengt werden, sondern in eine Leistungsschau, bei der ein besonderer Wert auf die Variabilität des Acts gelegt wurde.

So eröffnet CD 1 von „Best Reached Horizons“ mit dem damaligen Goldkehlchen Andre Matos folgerichtig mit dem Debütalbum „Angel´s Cry“ (1993) und seinen damals noch stark durch Klassik („Nothing to say“, „Angel´s cry“), Queen („Evil warning“) und Iron Maiden (Matos Phrasierungen erinnern frappant an Bruce Dickinson) geprägten Nummern. Das dazugehörige Kate Bush-Cover „Wuthering heights“ ist durch seinen Eunuchengesang jedoch bereits ein ziemlich spezieller Stolperstein, der bei vielen für Fragezeichen auf der Stirn sorgen dürfte. Weiter geht es mit James Bond-Melodien, Hammond-Orgeln („Nothing to say“) und interessanten Klangfarben („Holy land“) im Nachfolger „Holy Land“ (1996), der die Parameter der Band stärker in Richtung Heavy Metal verrückt. Völlig aus dem Rahmen fällt der Beitrag zum 1997er Live-Album „Holy Live“, der sich mit dem 13 ½ Minuten langen „Carolina IV“ bestenfalls als Aufwärmübung für ein kommendes Konzert der Brasilianer eignet.

Ganz im Gegenteil dazu die Exzerpte aus der „Freedom Call“-EP (1996) und der „Fireworks“-Platte von 1998, die Angra als progressiv-symphonische Einheit ankündigen („Freedom call“, „Lisbon“, „Metal Icarus“), während die „Rebirth“-Stücke (2001, „Nova era“, „Rebirth“) wieder mit mehr Feuer unterm Hintern den neuen Sänger Eduardo Falaschi auf CD 2 begrüßen, bis sich die Truppe mit „Hunters and prey“ aus der gleichnamigen EP von 2002 mit Afrobeat auf die Spuren von Phil Collins zu „Tarzan“-Zeiten begibt. Wesentlich kompakter holzt die brasilianische Kapelle in „Spread your fire“ mit Edenbridge-Engelsstimme Sabine Edelbacher durch die Botanik. Wieso es allerdings eine durchwachsene Nummer wie „Waiting silence“ vom „Temple Of Shadows“-Output (2004) auch auf die Best Of-Zusammenstellung geschafft hat, bleibt ein Rätsel. Dafür gibt es bei der Eröffnungsnummer „The course of nature“ des 2006er Werkes „Aurora Consurgens“ absolut keine Einwände. Die Scheibe ist gemeinsam mit seinem Bruder „Salvation: Suicide“ ein einziges Biest.

Beim letzten Output „Aqua“ angekommen offenbaren sich mit „Arising thunder“ und „Lease of life“ zwar keine groben Schnitzer im Angra-Kosmos, dass das neueste Studioalbum an Ideenmangel gelitten hat, hört man den netten, aber nicht überragenden Kompositionen dennoch an. Zum Abschluss bietet „Best Reached Horizons“ noch ein ordentliches Led Zeppelin-Cover. Mit dem Original wollen wir die Neufassung aber lieber nicht vergleichen. Somit ist man nach 2 Stunden „Best Of“ einer Band wieder an einem Punkt angelangt, wo das Erbsenzählen beginnt. Wieso ist dieser Track von jenem Album nicht enthalten und warum gibt es keine richtige Bonussektion für alteingesessene Fans? Die Antwort lautet: Angra wollten mit dieser Zusammenstellung kein simples Greatest Hits-Werk auf die Menschheit loslassen, sondern, auf 120 Minuten gebündelt, sich an die letzten 20 Jahre mit all seinen Hoch und Tiefs erinnern und dies anscheinend mit dieser hin und her gerissenen Compilation unter Beweis stellen. „Best Reached Horizons“ wird mit Tracks wie „Hunters and prey“ oder der relativ überflüssigen Live-Nummer mit Sicherheit die Gemüter der Angra-Anhänger spalten und für Diskussionen sorgen, den Mut zu einer solch gewagten Auswahl muss man aber erst einmal aufbringen.

Anspieltipps:

  • Rebirth
  • Holy Land
  • Angels Cry
  • Spread Your Fire
  • The Course Of Nature

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