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Cryptopsy Cryptopsy


  • Label: Plastic Head/SOULFOOD
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8/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Klargesang war 2008. Heuer dürfen sich Fans auf ein Duett mit Celine Dion und Bryan Adams freuen!

The Unspoken King“ (05/2008) stieß nicht auf die Gegenliebe, die sich Matt McGachy (Gesang), Jon Levasseur (Gitarre), Christian Donaldson (Gitarre), Olivier Pinard (Bass) und Flo Mounier (Schlagzeug) gewünscht hätten. Stattdessen hagelte es kollektive Buhrufe und der Schrei des Ausverkaufs war ebenfalls deutlich zu vernehmen. Dabei hatten sich die Fünf aus Montreal nur ein bisschen am Markt orientiert und das technische wie brutale Todesballett gegen ein massenkompatibleres Gegrunze mit klar gesungenen Vocals eingetauscht. Nun, aus Fehlern lernt man und deswegen gehen Cryptopsy mit dem 7. Studioalbum komplett andere Wege, stellen auf besinnlichen Softrock um und schmiegen sich mit ihren kanadischen Landsleuten Celine Dion und Bryan Adams unter eine Decke.

Könnt Ihr nicht glauben? Okay, das eine oder andere mag an dieser Aussage womöglich falsch sein. Fakt ist, der donnernde Todesbleipanzer rollt wieder und, nein, es gibt keinen Klargesang und Kollaborationen mit Schmusebärchen aus dem Land des Ahorns sind auch nicht enthalten. Der unmissverständlich selbstbetitelte, neue Longplayer ist hingegen ein räudiger Bastard von einem technisch beeindruckenden Brutal Death-Album - Cryptopsy klauen dir nicht nur einfach das Pausenbrot, sie nehmen auch noch dein Kleingeld. Kompromisse sind auf dem diesjährigen Schlachtfest jedenfalls zu 100% fehl am Platz. Und nicht, dass es dann Gewimmere gibt, die Herrschaften wären zu forsch oder scheren sich nicht um die zarten Ohren der Hörerschaft!

Ohne Umschweife hackt sich „Two-pound porch“ nach wabernder Klangflächeneinleitung vehement in den Schädel und zieht, noch bevor der absolut grandiose Schlussakt seine diabolische Aufwartung macht, sämtliches Hautgewebe straff. Botox dürfte mit Sicherheit weniger effektiv sein. Dass die Jungs 2012 allerdings nicht nur Blastbeats, tiefes Gegrunze und rauchende Fingerkuppen im Gepäck haben, zeigen „Red-skinned scapegoat“ mit kurzer Jazz-Verschnaufpause oder „Damned draft dodgers“ mit Fahrstuhlmusikintermezzo. Diese (teilweise) willkürlich gesetzten Twists lockern die donnernde Prügelapokalypse angenehm auf und zeigen, dass Cryptopsy ihre Kompositionen nie aus der Hand geben, sondern stets wissen, was wann und wie gegen die nächste Wand gedroschen werden soll, bevor es zärtlich in den Arm genommen werden darf.

Liebkosungen gibt es im rauschhaften „Amputated enigma“ zwar nicht, dafür ein freundliches „Hallo“ zu den Nachbarn unter, über oder neben der heimischen Stereoanlage, während „Ominous“ als einzige Naturgewalt aus derselbigen bricht und einen Schlagzeugpart offenbart, der in seiner Funktion als Kinnladenspreizer eigentlich nicht überboten werden kann und förmlich nach der „110“ schreit. Nach einer derartigen Breitseite von Mr. Mounier fallen die fiesen Grooves, die Cryptopsy ansonsten dem Hörer um die Ohren schlagen, maximal unter „ferner liefen“.

Fazit: Wer sich von „The Unspoken King“ seinen Appetit nach blutrünstigem, brutalem, technisch hervorragendem und überhaupt nahe an der Grenze der Perfektion befindlichem Death Metal aus dem Hause Cryptopsy verderben hat lassen, der sollte zumindest die Eier in der Hose besitzen und dem Nachfolgewerk eine Chance geben. Alles andere kommt dann sowieso von alleine!

Anspieltipps:

  • Ominous
  • Two-Pound Porch
  • Amputated Enigma
  • Red-Skinned Scapegoat

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