The Sorrow - Misery Escape - Cover
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The Sorrow Misery Escape


  • Label: Napalm Records
  • Laufzeit: 46 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Schwache Vorstellung der österreichischen Metalcore-Truppe. „Misery Escape“ ist nicht mehr als ein Abziehbild gängiger Genrekonventionen.

Um in den dahinsiechenden letzten Tagen eines Genres noch einmal für Aufsehen zu sorgen und womöglich Zweifel am Aussterben dieser speziellen Schublade aufkommen zu lassen, benötigt es mehr als nur ein nettes Update der bisherigen Standards. „The Sorrow“ (10/2010), der dritte Output von Mathias Schlegel (Gesang, Gitarre), Andreas Mäser (Gitarre), Tobias Schedler (Bass) und Dominik Immler (Schlagzeug) ordnete sich in den Kanon der gefälligen, aber schon lange nicht mehr herausragenden, letzten Atemzüge des Metalcore ein und stellte die Frage, wann den Genrefans diese sanft über dem Mittelmaß ruhenden Veröffentlichungen endgültig zum Hals heraushängen. Der Nachfolger „Misery Escape“ könnte die Antwort sein, schließlich bestätigt der durchwachsene Nachschlag der Vorarlberger vor allem eins: The Sorrow haben den Kampf um die Erhaltung des Metalcore aufgegeben.

Schon das Eröffnungsduo „Retracing memories“ und „The escape“ ist nicht mehr als der typische Schlagabtausch aus rasanten Gitarren, Geschrei und Klargesang im Refrain und somit 08/15-Ware von der Stange. Gut, die vier Österreicher hatten immer ein Händchen für große Melodien und diese Gabe ist ihnen auch auf „Misery Escape“ beschieden, doch wenn einem innerhalb einer Dreiviertelstunde nur eine Handvoll frischer Ideen, zackiger Riffs oder harmonischer Raffinesse um die Ohren geschlagen wird, dann weht die weiße Fahne bereits seit Beginn des Songwritingprozesses in den Köpfen der Beteiligten. Tracks wie „Burial bridge“ mit durchdachten Strukturen und kleinen Twists oder ein charmanter, weil live einfach perfekt mitzugrölender Bierzeltstampfer („Follow the lights“), sind zwar vorhanden, allerdings hilft das alles nichts, wenn der Rest zwischen „altbekannt“ und „altbacken“ pendelt.

Darüber hinaus stellt sich unweigerlich die Frage, wo denn das Tempo abgeblieben ist und wieso ein vielversprechender, flotter Einstieg mit dem Beginn des schmachtenden Refrains seine Eier verliert und anschließend nur mehr gemächlich seine Runden dreht („My oblivion“) oder die x-te Killswitch Engage/Caliban-Kopie ihr Dasein fristet („A reason“, „Dead home“)? Kurze, kompromisslose Prügeleinheiten werden demzufolge wie ein Bissen Brot verschlungen („Perspectives“) und kleine Abstecher in Post Metal-Gefilde wohlwollend als Stoßgebet gen Himmel geschickt („A thin red line“). Solche positiven Ausreißer ändern jedoch nichts an der Tatsache, dass „Misery Escape“ ein weiterer, schmerzender Sargnagel für das Genre darstellt, obwohl Bands wie Architects oder As I Lay Dying zeigen, dass es noch nicht zu spät ist, dem Metalcore einen würdevollen Lebensabend zu bescheren.

Anspieltipps:

  • Perspectives
  • Burial Bridge
  • A Thin Red Line
  • Follow The Lights

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