Rihanna - Unapologetic - Cover
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Rihanna Unapologetic


  • Label: Def Jam/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 68 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein weiteres Werk aus der Rihanna-Fließbandproduktion.

Die Sängerin Rihanna ist ein Phänomen. Und Phänomene sind meist schwer zu erklären. Ein Versuch kann dennoch nicht schaden. Hier geht’s los: Zuerst einmal versorgt Rihanna ihre Fans in einer atemberaubenden Taktung mit neuer Musik, die grundsätzlich von den angesagtesten und coolsten Produzenten und Songwritern entwickelt wird. Damit ist sie quasi ständig im Gespräch. Darüber hinaus ist sie sich nicht zu fein, auf ausgedehnte Tourneen zu gehen und hart für ihren Erfolg zu arbeiten. Die wahre Kunst besteht aber darin, zu jedem Album eine Vorabsingle auf den Markt zu bringen, die sich sofort an die Spitze der internationalen Charts setzt und in Funk und Fernsehen rauf und runter gespielt wird. Und wenn vielleicht noch eine zweite oder dritte brauchbare Single auf Lager ist, kann dies niemals verkehrt sein.

Genau das gelingt Rihanna und ihren Produzententeams wie keinem anderen Künstler (auch nicht Lady Gaga) seit Jahren so perfekt und erklärt damit weitgehend den ungebrochenen Erfolg der 24-Jährigen, obwohl ihre Alben in schöner Regelmäßigkeit nicht über die Durchschnittsmarke hinauskommen. Doch bei der unverfrorenen Art und Weise, wie Rihanna den Markt bedient, scheint dieser unschöne Umstand total egal zu sein. Als würde sie sich an Pop-Veteranin Madonna (54) orientieren, sorgen ihre Videoclips gerne für (gezielte) Skandälchen und Rihannas Neigung, sich so unbekleidet wie nur möglich zu zeigen, kennt man ebenfalls aus den 90er Jahren, als Madonna die Grenzen des Machbaren ganz allein auslotete.

Auf ihrem aktuellen Werk, „Unapologetic“, provoziert Rihanna z.B. durch ein Duett mit ihrem Ex-Freund Chris Brown (23). Eben jener Chris Brown, der die Sängerin im Februar 2009 krankenhausreif schlug, singt nun einen Part im Song „Nobody´s business“, in dem es inhaltlich nur so vor heiler Welt trieft: „You'll always be the one that I wanna come home to. Boy let me love you and show you how special you are. I wanna be your baby, you'll always be my baby. Tell me what you want now.” Verstehe da einer noch die Welt. Aber wenn das Label schlau ist – und das ist es! – wird der Song als Single ausgekoppelt. Mehr Aufmerksamkeit dürfte jedenfalls kaum möglich sein!

Als Lead-Single wurde der Track „Diamonds“ ausgewählt, der sich nicht zufällig als das eingängigste Stück des Albums herausstellt und die Charts bereits aufgerollt hat. So weit, so gut. Doch der große Rest besteht bis auf wenige Ausnahmen traditionell nur aus Füllmaterial, in dem der Hörer mit der Lupe nach Songs suchen muss, die es mit der Lead-Single aufnehmen können. Das Hauptproblem besteht dabei darin, dass Rihanna wie angekündigt mehr Wert auf Sounds und nicht auf ausgereifte Songs gelegt hat. Dies zieht sich nun wie ein lähmender Schleier durch das komplette Album, auf dem Titel wie „Fresh off the runway“, „Numb“, „Pour it up“ oder auch „Jump“ lediglich wie Ansammlungen von bemüht freshen Soundscapes wirken, die mühevoll auf Songlänge aufgeblasen wurden.

Da scheint jemand wohl Atmosphäre (wie bei den Tracks „Loveeeeeee song“ und „Stay“ ausnahmsweise mal vorhanden) mit billigen Wirkungstreffern verwechselt zu haben, so dass kompromisslose Dance Tracks wie „Right now“, Reggae-Nummern wie „No love allowed“ mit bewusst-brisantem Text, indem es offenbar wieder einmal um die bizarre Beziehung zu Chris Brown geht, und eine Breitwandballade zum Schluss („Half of me“) die Kohlen aus dem Feuer holen müssen. Doch zu diesem Zeitpunkt ist es schon viel zu spät, um „Unapologetic“ vor dem zu retten, was es am Ende ist: Ein Ansammlung von Soundgerüsten, die als echte Songs kaum etwas taugen. Aber interessiert das jemanden? Auf der Endabrechnung werden bestimmt wieder drei Hitsingles stehen, die all das legitimieren. Finden zumindest die Macher des Produkts „Rihanna“.

Anspieltipps:

  • Stay
  • Diamonds
  • Right now
  • What now
  • Loveeeeeee song

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