Pit Przygodda - Lied - Cover
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Pit Przygodda Lied


  • Label: Solaris Empire/Broken Silence
  • Laufzeit: 36 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Pit Przygodda versucht dem Liedermacher-Genre wieder einen neuen Anstrich zu geben.

Wie oft wurden die Liedermacher um die Jahrtausendwende durch den metaphorischen Kakao gezogen. Da muss man vor Musikern wie Anna Depenbusch und Pohlmann schon den Hut ziehen, dass sie unentwegt auf die minimalistische Musik mit viel Text. Im Fall von Pohlmann kommt natürlich auch eine gehörige Portion Witz dazu, auf welche Pit Przygodda verzichtet und mit Depenbusch in die nachdenkliche Kerbe schlägt. Das simpel betitelte Album „Lied“ kommt Ende Oktober gerade recht für den anbrechenden Winter, wenn sich Titel wie „Herbstlied“ und „Dunkle Straße“ auf der Tracklist ausmachen lassen.

Die „Kornkreise“ zu Beginn des Albums führen gleich in die Irre. Die Geschichte um die Herkunft der geometrischen Figuren schließt natürlich Jugendstreiche und außerirdisches Leben ein. Der Track klingt optimistisch, auch wenn es um Fragen nach der Seele und dem Leben geht. Hier zeigt Pit seine Klasse auf der Texter-Ebene. Der unsaubere Gesang, der gerade bei höherer Schlagzahl auch gerne holprig erscheint, bleibt aber auch auf „Lied“ durchgängig ein Streitthema. Hier helfen nur Hörproben, die auf Pits Stimmorgan vorbereiten.

Nach dem zumindest musikalisch verspielten „Kornkreise“ bricht allerdings die Dunkelheit über Pits neues Werk herein. „Allein In Dieser Stadt“ und „Dunkle Straße“ erinnern an nasse, dunkle Herbsttage, die man einsam in einer unbekannten Stadt verbringt. Während „Allein In Dieser Stadt“ abermals mit vielen Bildern auf der Text-Ebene arbeitet, lässt sich „Dunkle Straße“ als Beschwörungsformel der Einsamkeit ausmachen. Entweder erschaudert man aufgrund des schrägen Gesangs oder eben der Eindringlichkeit der Zeile „Ich gehe langsam und ich gehe weit“.

Die Melancholie lässt danach auf musikalischer Ebene klar nach, aber außer dem „Herbstlied“ wird es nur selten warmherzig angenehm. Experimente wie „Ich komm Wieder“ mit Opern-Gastsängerin und repetitiven Spoken-Words sind die Ausnahme. Zumeist wird in allen Varianten mit Gitarren und Klavier als Tongeber melancholisch auf den Alltag gestarrt. Da geht es um „Flieger“ und ein „Schweres Schiff“, bevor Liebeslieder Einzug halten. Mit dem im Duett schräg gesungene „Liebe Zwischen Uns“ und „Für Dich“ sind wir ganz hart an der Grenze des guten Geschmacks. Hier lässt sich Przygodda gesanglich so ungeordnet aus, dass nur Verehrer nickend zustimmen.

Es sind die wenigen optimistischen Momente des Albums. die gut klingen. „Herbstlied“ und „Kornkriese“ sind textlich schön und einfach gestrickt. Die musikalischen Experimente und mysteriösen Töne hingegen kommen in den düsteren und ausladenden Momenten des Albums daher (z.B. „Schweres Schiff“, „Ich Komm Wieder“). „Lied“ ist auf jeden Fall ein Abenteuer, aber eben eines, das fordert und vom Hörer Voraus-Sympathie braucht, um zünden zu können.

Anspieltipps:

  • Kornkreise
  • Herbstlied
  • Lied

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