Erik Truffaz Quartet - El Tiempo De La Revolucion - Cover
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Erik Truffaz Quartet El Tiempo De La Revolucion


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 56 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Beim Versuch, alle zufrieden zu stellen, wird keiner wirklich glücklich...

Schweiz und Schweiz gesellen sich gern. Der langjährige Jazz-Musiker Erik Truffaz macht mit seinem Quartett seit geraumer Zeit die Jazz-Szene unsicher und hat sich auf „El Tiempo De La Revolución“ ordentlich Verstärkung geholt. Der Name Anna Aaron wurde schließlich erst unlängst für ihr letztes Werk gefeiert. Auf Truffaz' neuer Scheibe soll sie dem Album die nötige Erdung geben, um auch bei den nicht ganz so Jazz affinen Hörern einschlagen zu können. Ansonsten nimmt das Quartett aber auch diesmal keine Gefangenen und spielt gediegenen Jazz wie eh und je.

In der jüngeren Zeit experimentierte die Band auch mit psychedelischem Rock und Funk und ließ dabei den gemütlichen Jazz für warme Kellerkneipen außen vor. Der leichte Geschmack von Fusion liegt in der Luft und schmeckt auch diesmal garantiert nicht jedem. So kann es passieren, dass man sich in der wohligen Atmosphäre des Titeltracks und der ersten Hälfte von „Istanbul Tango“ unglaublich wohlfühlen kann, um dann von Dissonanzen und genannten Stilen aus dem Konzept gerissen zu werden. Plötzlich herrscht ein aufbegehrendes Element inmitten der Ruhe, die sich in den ersten 10 Minuten aufgebaut hatte.

Viel angenehmer sind die beiden Jazz-Popstücke mit Anna Aaron. Bei aller Kreativität, die man dem Jazz zusprechen möchte, können beide Tracks („Blue Movie“ und „Blow Away“) nicht mit den besseren Momenten von „Dogs In Spirit“ mithalten. Aber für Aaron gilt trotzdem, was man in der Popkultur gerne über Zombies sagt: Sie macht einfach alles besser. Für den Pop gehen zwar die ausufernden Klangweiten verloren, doch auf diese darf der Hörer sich in freieren Kompositionen wie „African Mist“ freuen.

Mit immer wieder aufkeimenden Psychedelic-Funk-Jazz-Ausflügen, ruhigen Nummern für die Seele und eben Aarons zweitem Gastauftritt entsteht ein Mix, der es wohl kaum einem Hörer recht machen wird. Es wird Einsteigern leicht fallen, nur auf Aaron Rücksicht zu nehmen, wohingegen experimentierfreudige Hörer oftmals das Gähnen beginnen werden. Am besten kommen jene Hörer weg, welche die Augen schließen und genießen wollen. In diesem Fall möchte man den Kauf fast schon allein mit dem Opener rechtfertigen. Es wäre schön gewesen, wenn sich das Erik Truffaz Quartet auf eine Richtung ausgelegt und dort konsequent seine Stärken ausgespielt hätte. So scheint das Album selbst mit sich unzufrieden, wenn gerade die Pop-Stücke im Albumkontext völlig in der Luft liegen.

Anspieltipps:

  • El Tiempe De La Revolución
  • Blue Movie
  • African Mist

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