Bunker 66 - Infernö Interceptörs - Cover
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Bunker 66 Infernö Interceptörs


  • Label: High Roller Records
  • Laufzeit: 28 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Angeschwärzter Thrash Metal der alten Schule, der sich munter an den Größen des Genres bedient.

Fragen lassen die drei Italiener von Bunker 66 nicht aufkommen. Damien Thorne (Gesang und Bass), Bone Incenerator (Gitarre) und Desekrator Of The Altar (Schlagzeug) spielen einen Mix aus Thrash- und Black Metal. Bereits auf dem Promobild posiert das Trio mit der jeweiligen Vinylausgabe von Bathorys selbstbetitelten Debüt und Venoms „Welcome To Hell“. Sehr viel deutlicher geht es nicht mehr. Ihre Pseudonyme vervollständigen dann den ersten Eindruck. Wer also auf modernen, melancholischen und teilweise avantgardistischen Black Metal steht, kann Bunker 66 getrost vergessen. Wer modernen und auf Hochglanz polierten Thrash Metal hört, der ganze Stadien füllt, macht ebenfalls einen Bogen um die Gruppe. Also: Noch Fragen? Nein? Dann nichts wie rein mit „Infernö Interceptörs“! Nach Demos, Splits und einer EP zeigen Bunker 66 auf ihrem Erstlingswerk ihre Dreschkunst, die mit 28 Minuten genretypisch kurz präsentiert wird, aber auch keine Kompromisse eingeht. Die acht Kompositionen rumpeln, lärmen und schmerzen, dass es eine wahre Freude ist.

Wie erwartet wird Heldenverehrung großgeschrieben. „Infernö Interceptörs“ ist in seiner ganzen Rohheit eine kleine Zeitreise und entführt den Hörer in eine Ära, als sich Thrash Metal gerade Killernieten anlegte und anfing, sich mit Corpsepaint zu schminken. Ihren Sound haben sich Bunker 66 von Pionieren wie eben Bathory, Venom, aber auch der Underground-Perle Black Burn geliehen. Vereinzelt blitzt dann natürlich auch der eine oder andere Einfluss des Bay-Area-Sounds auf. „Storm Of The Usurper“, „Still They Lurk (In The Shadows Of War)“ oder „The Escape“ erinnern nicht nur einmal an Anthrax oder Slayer. „Witch Flights & Sexy Nights“ dagegen holt sich seine Inspiration vom Gelsenkirchener Urgestein Sodom. Und da wären wir auch schon beim größten Problem: Bunker 66 veröffentlichen ihr Debüt als buntes Potpourri verschiedener Stile, Spielarten und altbekannter Sounds, das sie als Hommage zwar überzeugend und souverän eingespielt haben, welches aber zu keiner Zeit mit einer eigenen Duftnote versehen worden ist. Das ist schade, da die drei Musiker den Thrash wirklich im Blut haben und vor allem live das Potential besitzen sollten, so manchen Nackenwirbel auszurenken. Die 2009er EP „Out Of The Bunker“ gilt zudem als Geheimtipp im Underground. Warum die drei Herren aus Sizilien nicht dort anknüpfen können, bleibt ein Rätsel.

Ihr Motto ist also das gute, alte „besser gut geklaut, als schlecht selbst erfunden“. So ist und bleibt „Infernö Interceptörs“ (wie eigentlich erwartet) ein Nischenprodukt, welches die Kids ansprechen sollte, die nicht genug von rohem, brutalen Sound des frühen Black Metals kriegen können. Stark an den Instrumenten und fies hinter dem Mikro machen Bunker 66 auch alles genau richtig. Metaler, deren Interesse an einstigen Thrash-/Black-Klängen sich allerdings auf die frühen Alben der einstigen Protagonisten des Genres beschränkt, brauchen dieses Output aber nicht unbedingt. Alle anderen kriegen ein klassisches, ungeschliffenes und „trues“ Werk, wie man es heutzutage nur noch selten finden kann.

Anspieltipps:

  • Night Of The Scream Queen
  • Storm Of The Usurper
  • Necrophile

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