Brokof - Side By Side - Cover
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Brokof Side By Side


  • Label: Goldrausch Records/Rough Trade
  • Laufzeit: 55 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
7.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein gutes Album ist ein gutes Album ist ein gutes Album.

Wenn man Wilco und Black Rebel Motorcycle Club in einen Topf wirft, dann kommt eine Band aus Berlin heraus, die auf den nach Abschied klingenden Namen „Brokof“ hört. Es einfach nur Indie-Rock zu nennen, wäre eine Untertreibung der Country- und Americana-Elemente aus „Side By Side“. Die nach Sänger Fabian Brokof benannte Band hat einen Hang zu schnörkelloser, aber schlichtweg verzaubernder Musik. Vorweg sei aber für alle, die Black Rebel Motorcycle Club gelesen haben, gesagt, dass der Americana-Einschlag der Berliner zurückgehalten ist und sich der Vergleich auf die ruhigen Stücke beider benannter Vorbilder bezieht.

Die Kunst des nahezu (es gibt immer Unzufriedene) perfekten Openers tut „Brokof“ in Hinsicht auf das gesamte Album unglaublich gut. Die ruhige, akustisch organische Atmosphäre der Musik und des Gesangs weckt genau die richtigen Erwartungen und gipfelt gefühlvoll in einem Chorus zum Niederknien. Nur unschwer kann man die besten Balladen Wilcos mit „Out Of Luck“ vergleichen und auf eine Stufe stellen. Auch dass der Track sich die nötige Zeit für ausgedehnte Gitarrensoli nimmt und so den Grundtenor des Albums wirken lässt, macht Hörern gleich deutlich, ob sie hier an der richtigen Adresse sind.

Mit Tamburin und Synthie-Streichern an ihrer Seite machen Brokof diesen entspannten und gefühlvollen Rock Single-tauglich. „Lost In The City“ bringt den nötigen Folk/Americana-Charme mit, um eine simple Nummer für ihr Genre mitreißend und unterhaltsam zu gestalten. So problemlos wie der Berliner Vierer zwischen verträumt ehrlichen Wohlfühlnummern (z.B. „Two Steps Back“ und „Until Now“) und melodischen Rocksongs (z.B. „The Walls Of Indifference“ und „Luck Of Indifference“) hin- und herspringt, kann man einfach nicht anders, als bereitwillig zu applaudieren.

Natürlich fallen auch ein paar Späne, wenn in so großer Manier gehobelt wird. Die Vorab-Single „Cooperate“ zum Beispiel übertreibt es mit der Simplizität ein wenig, was aber dank Ohrwurmpotenzial zumindest der Dynamik des Albums gut tut. Und auch der Abschluss des Albums birgt mit „A Thousand Times“ und dem etwas verwaschenen Closer „When All Was Gone“ Ohrkost nach einem 08/15-Schema. Von Totalausfällen darf man nicht sprechen, doch ein kleines Loch zwischen solchen Tracks und geglückten Herzblutballaden wie „The One“ ist schon auszumachen. Diese Makel sollen jedoch nicht davon ablenken, dass Brokof ein größtenteils fantastisches Album geglückt ist, welches vor Charme und Esprit nur so strotzt. Genau zu solcher Musik will man kalte, aber sonnige Herbsttage genießen.

Anspieltipps:

  • Out Of Luck
  • Lost In The City
  • Two Steps Back

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