Dr. Living Dead! - Radioactive Intervention - Cover
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Dr. Living Dead! Radioactive Intervention


  • Label: High Roller Records
  • Laufzeit: 36 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Dieser in der Gegenwart gestrandete 80er-Jahre Crossover Thrash funktioniert leider nur live vorzüglich.

Verrückt sind sie ja schon, die Schweden von Dr. Living Dead!. Vier Musiker setzen sich Totenkopfmasken auf, erheben sich in den Rang von Metal-Ärzten und schnippeln so lange am eigenen Sound herum, bis dieser als verunstalteter, unglaublich hässlicher Mix aus Hardcore Metal, Grindcore, Crossover und Thrash Metal den OP-Tisch verlassen darf. Beste Voraussetzungen also für einen gelungenen Knüppel-Spaß, der zum Pogen und Moshen einlädt.

Generell scheint es so, als nehmen sich Dr. Living Dead! nicht allzu ernst. Mit ihrem Mummenschanz – alle vier Musiker tragen Totenkopfmasken – erfinden sie nach Bands wie Slipknot oder gar den Ganzkörperperückenmonstern von Lordi oder Gwar das Rad nicht wirklich neu und machen es nicht einmal rund genug, dass die äußere Erscheinung als Highlight gesehen werden kann. Dennoch sind die Maskenmänner mit den passenden Namen Dr. Ape (Gesang und mit seinem grandiosen Soloprojekt Ouijabeard zeitgleich zu der hier besprochenen Scheibe am Start), Dr. Toxic (Gitarre), Dr. Rad (Bass) und Dr. Dawn (Schlagzeug) intelligent genug, ihr zweites Album „Radioactive Intervention“ zumindest mit einem Augenzwinkern zu präsentieren. Also: Warum denn so ernst?

Um ehrlich zu sein, würde die Idee hinter Dr. Living Dead! anders auch gar nicht funktionieren. Heutzutage versucht ja jede zweite Thrash Metal-Band, ein Stück vom Retro-Kuchen ab zu bekommen und bedient sich munter am Material der großen 80s-Heroen. Dr. Living Dead! haben offenbar eine Marktlücke entdeckt, gehen noch einen Schritt weiter und peilen gezielt den Sound des Ur-Crossover Thrashs an. Hie und da mopsen sie den sehr frühen Suicidal Tendencies ein wenig „Cyco“, das bisschen Pre-Alternative Life Of Agony darf anschließend genauso wenig fehlen wie Biohazard oder D.R.I. Mit ein paar eigenen Ideen und einer Extraportion Härte und Krassheit kochen die vier Doktoren ihr ganz eigenes Süppchen. Ihr „Radioactive Intervention“ hat somit genug Potential, live mal so richtig auf die Kacke zu hauen. Wer bisher die Chance hatte, Dr. Living Dead! auf der Bühne erleben zu dürfen, weiß, dass die vier Jungs hervorragende Entertainer sind und die Menge zum Kochen bringen können. Vermögen sie ihre Energie in konservierter Form ebenfalls so rüber zu bringen?

Die Antwort fällt zwiespältig aus. Auch wenn „Radioactive Intervention“ mit einer Spielzeit von 36 Minuten eine für das Genre absolut ausreichende, fast schon traditionelle Länge hat, bekommt das musikalische Gerüst zu wenig Tragkraft, um auf dem Silberling genauso zu überzeugen wie im Moshpit vor der Bühne. Um fair zu sein: Damit stehen Dr. Living Dead! weiß Gott nicht alleine da. Aber das kleine bisschen Abwechslung, besonders dann, wenn es um ein wenig Spannung beim Songwriting geht, hätte dem Album nicht geschadet.

Fast pausenlos wollen uns die Schweden die Fresse polieren, machen das aber oftmals monoton und recht uninspiriert. Kleine Ausnahmen gibt es schließlich nur in Form der Songs „Life Sucks“, welcher einige schöne Motörhead- und Bay Area-Momente einbettet, und dem folgenden „Hiding Inside Of Me“, in dem Dr. Living Dead! mit dem einen oder anderen Desert- und Alternative Rock-Element experimentieren, was ihnen außerordentlich gut steht. Bei diesen zwei Kompositionen sieht man auch großzügig über die Defizite in der Produktion hinweg, die sehr unter dem blechernen Sound und dem in den Hintergrund gemischten Gesang von Frontmann Dr. Ape zu leiden hat. Deswegen werden nur wirklich eingefleischte Anhänger des schwedischen Quartetts wirklich gut bedient. Wer die Band in ihrem wahren Element erleben möchte, dem sei jedoch der nächste Gig der Maskierten wärmstens ans Herz gelegt.

Anspieltipps:

  • Life Sucks
  • Hiding Inside Of Me

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