Ouijabeard - Die And Let Live - Cover
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Ouijabeard Die And Let Live


  • Label: High Roller Records
  • Laufzeit: 34 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Schöner als bei diesem Geheimtipp ist die NWoBHM selten wiederbelebt worden.

Dass Dr. Ape, Frontmann der schwedischen Extreme Metaler Dr. Living Dead! (welche mit ihrem „Radioactive Intervention“ zeitgleich ihr zweites Studioalbum veröffentlichen) auch anders kann, hätte man in Anbetracht der krachigen Thrash-Gewitter seiner Hauptband gar nicht für möglich gehalten. Der Herr Doktor Ape, bürgerlich Andreas Sandberg, ist aber eine wahre Wundertüte und zieht bei seinem Soloprojekt Ouijabeard komplett andere Saiten auf. Während er mit seinen maskentragenden Kollegen dafür sorgt, dass der Mosh Pit ordentlich dampft, geht es auf „Die And Let Live“ in die Gegenrichtung. Sandberg nutzt die Gelegenheit, seinen Helden ein persönliches Denkmal zu setzen und kombiniert klassische Metal-Klänge mit dezent eingebetteten Experimenten. Er selbst sagt von sich, dass er Ouijabeard ist. Abgesehen von seinem Kollegen Dr. Toxic (bürgerlich Johannes Wanngren) hat Sandberg alle Instrumente selbst eingespielt und untermauert so seine Aussage. Mit einem Blaze Bayley als Stargast, welcher Sprachparts übernimmt, hat er sich zudem einen namhaften Gast geladen, welcher gerade als ehemaliger Sänger der Irons perfekt in das musikalische Konzept von Ouijabeard passt.

Denn besonders die NWoBHM (New Wave of British Heavy Metal) scheint es Sandberg angetan zu haben. Zum einen erinnert nicht nur ein Song auf „Die And Let Live“ an Iron Maiden der Debütalbum- und „Killers“-Ära; auch Sandberg klingt im viel zu selten gehörten Clean-Modus erschreckend nach Paul Di'Anno. Aber auch Black Sabbath zu seligen Dio-Zeiten haben auf dem Erstling von Ouijabeard, welches übrigens als Konzeptalbum das Leben des Grigorij Rasputin behandelt, deutlich ihre Spuren hinterlassen. Das Ergebnis ist ein grandios eingespieltes Stück Heavy Metal, bei dem sein Mastermind in jeder Sekunde der leider viel zu kurzen 34 Minuten klar macht, dass es sich um eine grundehrliche Herzensangelegenheit handelt. Es ist stellenweise erschreckend, wie sehr es Sandberg gelingt, den Spirit der NWoBHM einzufangen und in Form der neun Songs auf „Die And Let Live“ lebendig und glaubhaft ins 21. Jahrhundert zu transportieren.

Der mitunter sehr traditionelle Heavy Metal bekommt durch atmosphärische Akustik-Einlagen und die melancholische, an einen Steve Harris erinnernde, Arbeit am Bass, sehr viel Charme und Drive spendiert. Am ehesten wird das im Opener „Eyes In The Night“, „Curse Of The Stones“, im abschließenden Titeltrack und dem unglaublich gut in das musikalische Gerüst eingebetteten Cover von Fever Rays (Frontfrau von The Knife) „Keep The Streets Empty For Me“ deutlich. „Across The Room“, „The End“ und „Signs Of The Moreia“ verbeugen sich dann tief vor der jungen und wilden Eisernen Jungfrau, die ihre Punk-Wurzeln mit Müh und Not gerade so vertuschen kann.

„Alexandra“ und „Moon Empire“ stechen als die ungewöhnlichsten Kompositionen hervor. Ersteres ist eine rein akustische Nummer mit einer fast an Ennio Morricone erinnernden Ästhetik, während das direkt folgende „Moon Empire“ die Alternative-Phase der Mittneunziger Metallica aufgreift und schließlich in einer Eruption feinster „The Number Of The Beast“-Reminiszenzen gipfelt. In einem Rutsch gehört ist es schon verwunderlich, dass die zum Teil recht unterschiedlichen Sounds sich gegenseitig die Klinke in die Hand drücken und alles wie aus einem Guss wirkt. Andreas Sandberg hat somit alles richtig gemacht und lässt ein Werk auf die Welt los, an dem er, aber auch seine Hauptband, sich künftig messen lassen müssen.

Lediglich die schwachbrüstige Produktion sowie die Spielzeit, welche gerade mal jene einer EP erreicht, schmälern das an und für sich starke musikalische Erlebnis. Dennoch: Dies ist eines der Alben, von denen man nichts erwartet, welches dann aber wie aus dem Nichts auftaucht und absolut begeistert. Einer der Metal-Geheimtipps des Jahres 2012!

Anspieltipps:

  • Across The Room
  • The End
  • Moon Empire
  • Keep The Streets Empty For Me
  • Die And Let Live

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