Deftones - Koi No Yokan - Cover
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Deftones Koi No Yokan


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 52 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
9.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Definitiv: Eine Klasse für sich!

Seit Jahren wirft Chino Moreno mit Dreck um sich, der scheinbar noch im Flug zu Gold wird. Rational ist nicht zu erklären, weshalb die Deftones ohne jegliche Rücksicht auf etwaige Präzisionsverluste ihre Instrumente malträtieren und trotzdem Hymnen gebieren, die vergeblich ihresgleichen suchen. Musikalische Urgewalt trifft (auf) Herz und Verstand - die Deftones bleiben eine Ausnahmeerscheinung im an Kopien von Kopien von Kopien von Originalen nur so wimmelnden Musikkosmos.

Der Titel „Koy No Yokan“ meint im japanischen so etwas wie die Verheißung einer Liebe. Und taugt hier durchaus als Selbstbeschreibung. Denn wer sich an dieses Werk wagt, die Gitarrenwände - Augen zu und durch - überwindet, sich von den immerzu donnernden Trommeln nicht erschlagen lässt, der wird sich hoffnungslos verlieben. In das, was sich hinter dem harten Kern versteckt, der die Songs der Jungs aus Sacramento seit jeher umschließt. Mit den Melodien ist es hier ein bisschen so, wie mit dem Flirten, nur umgekehrt: Während sich einander zugeneigte Menschen üblicherweise beim anfänglichen gegenseitigen Umkreisen von ihrer zuckrigsten Seite zeigen, rücken Moreno und Konsorten zuerst einmal das haarige Hinterteil ins Blickfeld.

Erst nach und nach geben die Kompositionen ihre Schönheiten preis, etwa in „Poltergeist“, wo sich das anfängliche Rumpeln und Klagen plötzlich verflüchtigt und es (fast schon zärtlich) heißt: „I let you pretend / but you know / Truth is that / I love you to death. Auf etwaige Ausbrüche verzichtet „Entombed“ im Anschluss völlig, hier geht’s ohne Umwege über eine Bridge vom Vers direkt in den Hymnenmodus. Und braucht es doch mal ein wenig mehr Zeit, um einen Titel zu voller Pracht zu entwickeln, dann nehmen sich die möglicherweise letzten echten Helden der härteren Klänge diese einfach: „Tempest“ marschiert gemächlichen Schrittes in einen mitreißend düsteren Refrain von bedrohlicher Sogwirkung. Und in 6:06 Minuten ist erschöpfend erklärt, was ein Song eigentlich alles so braucht, um am Ende nicht weniger als ein Meisterwerk zu sein.

Dass die Deftones sich bei ihren Ausflügen nie in der ewigen Lust an der Ausschweifung verlieren, sichert Nick Rasculinecz an den Reglern. Oder besser: Am Lappen. Mit dem wischt er fröhlich den Dreck von einem Klumpen Musik, bis dieser glänzt - und alles auf „Koy No Yokan“ an eben der Stelle sitzt, an die es gehört. Und am Ende, wie gehabt, bleibt: Pures Gold.

Anspieltipps:

  • Leathers
  • Poltergeist
  • Tempest
  • Rosemary

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