Crystal Castles - (III) - Cover
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Crystal Castles (III)


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 40 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Schade, diese Band hat elektronischer Musik mal viel Neues gegeben, mit „(III)“ aber nur noch stoisch-nervigen sakralen Einheits-Rave.

Puh. „Child I Will Hurt You” heißt ein Song auf dem dritten Longplayer des kanadischen Duos Crystal Castles. Den sollte man programmatisch sehen. Vom britischen NME auserkoren und fast schon penetrant gehypt, war das Debüt anno 2008 eines der schönsten des Jahres. Es wird nun vollends gewahr, dass es nur die Sammlung der zuvor in Eigenregie produzierten Singles und EP's war und einen gemeinsamen Soundentwurf von Ethan Kath und Alice Glass darstellte, der schon damals einige Jahre auf den Buckel hatte und mit dem Sound der Band der letzten Jahre nichts, aber auch gar nichts mehr zu tun hat.

Schon „(II)“ schockierte durch düster-sakralen Rave statt verträumt melancholischer 8-Bit-Romantik. Doch „(II)“ ließ noch Spielräume, dramaturgische Reisen und abwechslungsreiche Experimente zu, und war dadurch - bei aller Härte und Düsternis - schön.

Vielleicht hat die Rezeption von Medien wie dem NME dazu beigetragen, dass Crystal Castles wurden, was sie nun sind. Jedenfalls sind sie trotz gewonnener Musikpreise und anfänglich überschwänglichen Kritikerlobes oder eben gerade deswegen, derart radikal und kompromisslos geworden, dass es sehr schwer fällt, an „(III)“ noch irgendwas schön und erhaben zu finden. Elektronische Musik klang selten so mystisch-sakral. Eine satanische Messe des Bösen wird hier gefeiert – dazu tanzen? Geht nicht. Dazu Spaß haben? Nee, vergiss es. Crystal Castles verrennen sich in einen Weg hin zum rein kunstpolitischen Ästhetikstatement. Glass' wie immer zersplittert gesampelter, gehallter Geschrei-Gesang kämpft diesmal vollends wie Windmühlen gegen den Orkan aus stoischen Synthie-Wänden und sich nach Sunno))) sehnendem Bass-Gebrumme an. Den Begriff Versöhnung kennt dieses Album nicht.

Schon klar, Musik muss nicht nur erhaben machen, schön sein und Freude verspüren, aber Kath und seine brutalen Soundtsunamis mit Glass und ihrem eingesperrten Alptraumgesang, sind ein pain in the ass, der in all seiner Bosheit anders als beim meisterhaften Swans-Opus Magnum vor ein paar Monaten nicht sprachlos staunend macht, sondern mit zunehmender Länge nervt.

In Warschau niedergelassen, wollte man neue Wege gehen und die Echtheit der Elektronik dominieren lassen und angeblich alles im ersten Take aufnehmen. Um sich die künstlerische Ursprünglichkeit und Intensität des kreativen Geburtsmoments nicht kaputtmachen zu lassen und so. Ganz ehrlich Kath und Glass: beim nächsten Mal lieber noch ein paar Mal drüber gehen. Schade, diese Band hat elektronischer Musik mal viel Neues gegeben, mit „(III)“ aber nur noch stoisch-nervigen sakralen Einheits-Rave.

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