Neil Halstead - Palindrome Hunches - Cover
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Neil Halstead Palindrome Hunches


  • Label: Sonic Cathedral Recordings
  • Laufzeit: 45 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach Slowdive und Mojave 3 brilliert das Solowerk von Neil Halstead dank purer Schönheit. Weit vom Zeitgeist entfernt, nah am Herzen.

Neil Halstead blickt mittlerweile auf 23 Jahre im Musikbusiness zurück und hatte seine erfolgreichsten Zeiten Anfang der Neunziger Jahre, als er mit seiner Band Slowdive unter anderem in Form des von Brian Eno co-produzierten „Souvlaki“ für erhabene Shoegaze-Erlebnisse sorgte. Nach ihrem Ende in 1995 entstanden daraus Mojave 3, die seit 2006 eine nicht genauer definierte Pause einlegen und damit Neil die Gelegenheit geben, als Solokünstler traditionsreichem Folk zu frönen. Sein aktuelles Album „Palindrome Hunches“ folgt dem gelobten „Oh! Mighty Engine“ (2008) und setzt unterstützt von Mitgliedern der Band Of Hope, die schon für Mew und Amy Winehouse arbeitete, so manchen Akzent durch eine feingliedrige Akustik-Instrumentierung.

Diese riecht gleich im sehnsüchtigen Opener „Digging Shelters“ nach Kerzenduft und zaubert den Kamin vor das innere Auge. Reduziert betört das gezupfte Gitarrenspiel, ergänzt um zeitweilig aufblitzende Streicher und tröpfelnde Klavierklänge. Dabei geht Neils Stimme schon früh sehr nahe, sei es in ihrer natürlichen Ausprägung oder leicht in Hall gebettet. „Bad Drugs And Minor Chords“ triumphiert dagegen regelrecht und greift nach Jahrzehnte lang erprobten Country-Höhen. So simpel wie effektiv. Doch wer genau hinhört, und das lohnt sich auf „Palindrome Hunches“ definitiv, erkennt die fein ausgearbeiteten Melodiebögen, die von Gitarre, Klavier und Streichern leben und kaum schöngeistiger die textlich mitunter tragische Seite dieser Platte erhellen könnten.

Vor allem die beiden längsten Stücke „Wittgenstein´s Arm“ und „Full Moon Rising“ liefern viel Raum zum Träumen in bedenkenloser Wohligkeit. Tragen sie einen noch so hoch hinaus, tränken sie den Hörer noch so tief in Traurigkeit, kernig instrumentierter Folk wie dieser breitet seine Arme aus und kann in seiner Unaufgeregtheit voll aus musikalischem Können sowie großer, lyrischer Empfindsamkeit schöpfen.

Anspieltipps:

  • Bad Drugs And Minor Chords
  • Wittgensteins´s Arm
  • Tied To You
  • Full Moon Rising

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