Ornette - Crazy - Cover
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Ornette Crazy


  • Label: Discograph/ALIVE
  • Laufzeit: 36 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Singer/Songwriter-Festwochen gehen weiter!

Anna Aaron, Caroline Keating und Mick Flannery sind nur einige der Namen, die in den letzten Wochen die Singer/Songwriter stolz hochhalten. Und auch im anbrechenden Oktober gesellt sich ein neuer Name in die Riege der Liga außergewöhnlich guter Musiker. Der Künstlername ist einfach nur Ornette. Viel mehr erfährt man im Internet nicht über die Musikerin und das braucht man auch nicht. In erster Linie will die gelernte Pianistin den Hörer mit ihrer Musik und nicht ihrer Person übermannen und das klappt. Und wie das klappt.

„Crazy“ ist ein flüssiges Gesamtkunstwerk, welches seine knapp 36 Minuten perfekt ausnutzt und tolle Melodien oft auf ihr Minimum reduziert. Fünf der zwölf Tracks auf „Crazy“ erreichen nicht die magische Dreiminutenmarke, sind aber durch die Bank weit mehr als bloße Lückenfüller. Das fängt mit dem Piano-Opener „The Dawn“ an, in welchem Ornette gleich ihren Gesang in den Mittelpunkt stellen kann, und endet mit dem synthetisch romantischen Closer „Rescue Song“, der mögliche Schienen für die Zukunft offenbart. Bläserensemble und Streicher plus Beats aus dem PC? Warum nicht? Das ist schon anderen geglückt und klingt bei Ornette so bezaubernd, wie man es sich nur vorstellen kann.

Was Ornette allerdings zwischen diese beiden Stücke klatscht, ist ein Potpourri an angenehmer Popmusik. Rock'n'Roll wird zitiert („Phone Call“), 80er-Pop-Strukturen einer Frischzellenkur unterzogen („Today Is The Day“) und sogar aus Tango wird Hit-Potenzial herausgekitzelt. Wie der Tango in „Crazy“ im Chorus plötzlich an Großtaten George Michaels („Freedom“) erinnert, macht Spaß und geht verboten leicht ins Ohr. „Yes I Do“ und „Bye Bye Baby Bye Bye“ könnten in den Tracklisten Sufjan Stevens' und Mikas vorgefunden werden. So versteht es Ornette auch neben ihren romantisch gefühlvollen Einschüben am Klavier, mit breiter gefächertem Piano-Pop zu überzeugen.

Sucht man nach Schwachstellen auf „Crazy“ kann man im besten Fall die (immer noch starken) Stücke „There's A Man“ und „Totta's Unicorn“ dafür schelten, dass mit „The Dawn“ bzw. „Crazy“ schon stärkere, ähnliche Vertreter vorhanden sind. In dieses Argument zu viel hineinzuinterpretieren, würde einem unsagbar gut gelungenen Debüt allerdings Unrecht tun. Länge, Abwechslung und Melodien passen einfach immer genau. Viel mehr Freude kann man an Singer/Songwriter-Popmusik kaum haben und so hofft man, dass die Festspiele weiter anhalten.

Anspieltipps:

  • The Dawn
  • Crazy
  • Yes I Do

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