Melody´s Echo Chamber - Melody´s Echo Chamber - Cover
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Melody´s Echo Chamber Melody´s Echo Chamber


  • Label: Domino Records
  • Laufzeit: 44 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Einer Skischanze gleich, nimmt ein vielversprechendes Projekt nach anfänglichen Höhenflügen ein mittelmäßiges Ende.

Seit „Raven In The Grave“ sind The Raveonettes im qualitativen Fall. Auch ihr letztes Album „Obeservator“ verschwamm zwischen einer Überdosis Rauschen, Retro und 08/15-Kitschpop. Diese Referenz kann kein gutes Vorzeichen sein, wenn man sie vor Melody's Echo Chambers gleichnamigem Debüt nennt. Die französische Songwriterin Melody Prochet fängt dabei so vielversprechend an, dass es schmerzt, von einem allemal durchschnittlichen Album zu berichten.

Der Retro-Pop wird gleich mit dem Opener „I Follow You“ fantastisch dargeboten. Der kernige Sound mitsamt des gewohnten Rauschens bringt einen Kontrast zu Melodys sanfter Stimme ins Spiel und heraus kommt eine wunderbar tragende Melodie, die auf sämtlichen Indie-Rotations einen Stammplatz verdient. Spätestens mit dem zweiten Song „Crystallized“ wähnt man sich im Indie-Retro-Pop-Himmel, wenn sphärische Klanglandschaften den Vortritt vor berechnender Ohrwurmmusik erhalten. Im weiten Meer dieser Musik möchte man sich verlieren.

Dann setzt aber haargenau derselbe Effekt ein, der schon angesprochenem Raveonettes-Album das Genick gebrochen hat. Die Melodien verwischen und verwaschen zwischen all den überlagerten, psychedelischen Gitarrenspuren und dem omnipräsenten Rauschen. Plötzlich läuft schon der Track „Endless Shore“ und man fragt sich, wann die letzten drei Nummern an einem vorbeigerauscht sind. Nur selten bekommen die Lieder noch eigene Gesichter. „Quand Vas Tu Rentrer?“ kann dank 3/4-Takt aus der Masse stechen, aber auch nichts gegen den immer eintöniger werdenden Sound des Albums ausrichten. Bis zum Tiefpunkt „IsThatWhatYouSaid“ tut sich einfach nichts und Melody's Echo Chamber verliert sich mit jedem neuen Track tatsächlich irgendwie im Hallen der vorigen Stücke.

Auch Melody Prochet scheitert am psychedelischen Retro-Ansatz und sollte sich Nachhilfestunden von einer Gemma Ray geben lassen. Nach spätestens 20 Minuten verliert das Debüt der Französin jede Sogkraft und plätschert nur noch an einem vorbei, da die wenigen neuen Ideen zu selten mit guten Melodien unterfüttert werden. Das wirkt im besten Fall noch gefällig, aber auch immer behäbig. Dass es auch besser ginge, zeigt der gelungene Auftakt des Albums. Von diesem aus geht es das gesamte Album allerdings langsam, aber sicher abwärts.

Anspieltipps:

  • I Follow You
  • Crystallized
  • Snowcapped Andes Crash

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