Mando Diao - Infruset - Cover
Große Ansicht

Mando Diao Infruset


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 37 Minuten
Artikel teilen:
5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Inspiriert von den Texten des Dichters Gustaf Fröding spielen Mando Diao ihr neuestes Werk auf Schwedisch ein.

Wer hätte das gedacht: Mehr als dreieinhalb Jahre nach ihrem Erfolgsalbum „Give Me Fire“ veröffentlichen Mando Diao keine weiteren rockigen Tanzflächenfüller à la „Dance With Somebody“, sondern lassen sich stattdessen von dem schwedischen Dichter Gustaf Fröding (1860-1911) zu einem melancholischen Album voller Balladen und Folkstücke inspirieren, das - Überraschung - komplett auf Schwedisch eingesungen ist. Es ist nicht schwer, sich den Gesichtsausdruck der verantwortlichen Mitarbeiter von Universal Music vorzustellen, als sie von dieser aus kommerzieller Sicht doch recht fragwürdigen Idee erfahren haben. In der Tat wird „Infruset“ vermutlich kein Chartstürmer werden. Da kann es jetzt nur noch der künstlerische Anspruch herausreißen, immerhin wird hier hohe Literatur vertont.

Aber Moment, gab es nicht vor kurzem erst ein paar tollkühne Herren, die sich an die musikalische Aufarbeitung eines literarischen Textes wagten und dafür, möglicherweise zu Unrecht, mehr Kritik als Lob kassierten? Richtig, Metallica & Lou Reed. Fast auf den Tag ein Jahr später versuchen Mando Diao ein ähnliches Kunststück, allerdings mit einer fast komplett entgegengesetzten Herangehensweise. Die zehn Stücke auf „Infruset“ sind durchgängig sehr ruhig gehalten, oftmals nur durch Klavier und Streicher begleitet, was dem Album manchmal eine düstere, gelegentlich auch eine besänftigende Atmosphäre verleiht. Nicht selten wird mehrstimmig gesungen, im vorletzten Song „Titania“ übernimmt sogar die Schwester des Frontmanns Björn Dixgård einen Teil der Vocals.

Dass Mando Diao dabei ausschließlich schwedische Texte präsentieren, ist zweifellos mutig, baut aber eine gewisse Distanz zu all den Hörern auf, die diese Sprache nicht beherrschen. „Infruset“ ist aber nicht nur aus diesem Grund schwere Kost geworden, auch die recht eigensinnigen Titel an sich erschweren den Zugang zu dieser LP. Es ist zwar im ersten Moment interessant, mal etwas ganz anderes von Mando Diao zu hören und es ist auch nicht schwer, sich auf dieser Welle der Experimentierfreude und der ungewöhnlichen Songstrukturen eine Weile treiben zu lassen, aber auf Albumlänge werden die musikgewordenen Gedichte irgendwann nur noch anstrengend, so schön und gehaltvoll sie auch sein mögen.

Was in fünf Jahren rückblickend von „Infruset“ übrigbleiben wird, ist äußerst fraglich. Möglicherweise das minimalistische Eröffnungsstück „Den Självslagne“? Oder das kraftvolle, allerdings etwas zu lange „En Sångarsaga“? Auch das folkige, mit Streicher-Arrangements versehene „Strövtåg I Hembygden“ kann durchaus als ein Höhepunkt des Albums verstanden werden. Vielleicht bleibt am Ende aber auch einfach nur die Erkenntnis, dass es doch keine so gute Idee war, Gustaf Frödings Texte, die gelegentlich Themen wie Alkohol und Sex verhandeln, auf diese ruhige Art zu verarbeiten. Wer weiß das schon. Sicher ist lediglich, dass es für die Mando Diao-Fans, die sich gerne überraschen lassen, diesmal eine richtig große und unter Umständen auch ungewollte Überraschung gibt.

Anspieltipps:

  • Den Självslagne
  • Strövtåg I Hembygden
  • En Sångarsaga

Neue Kritiken im Genre „Rock“
Diskutiere über „Mando Diao“
comments powered by Disqus