Three Chord Society - Days Of Grace - Cover
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Three Chord Society Days Of Grace


  • Label: 141 Records/New Music Distribution
  • Laufzeit: 40 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
7.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Unglaublich, aber wahr: Aus Bad Segeberg in Schleswig-Holstein kommt das Punkrock-Album des Jahres!

Neben üblichen Verdächtigen wie Green Day („Uno“ aus September), The Offspring („Days Go By“ aus Juni) oder Anti-Flag („The General Strike“ aus März) gab es dieses Jahr auch mit Alben von Die Toten Hosen („Ballast der Republik“ enterte im Mai die Musikläden) und Die Ärzte („Auch“ gab sich im April die Ehre) frisches Material aus deutschen Landen in Sachen Punkrock. So bunt, einfallsreich, spannend oder hervorragend das eine oder andere Werk auch war, am neuen Output von Ben Braun (Gesang), Nils Müller (Gitarre), Manuel Endtricht (Gitarre), Jan Reimers (Bass) und Felix Henker (Schlagzeug) kommt dieses Jahr wohl so schnell niemand mehr vorbei. Die Three Chord Society hat ihre gesamte Bühnen- und Studioerfahrung des letzten Jahrzehnts in einen großen Topf geworfen, kräftig umgerührt und serviert mit „Days Of Grace“ nun die zupackendste, wenn auch in gleichen Maßen nachdenklichste Punkrock-Platte der letzten Jahre.

Im Vergleich zum optimistischen Vorgänger „Sanguinity“ (01/2011) heißt die Devise dieses Mal erwachsener, düsterer, aber auch wütender zu werden. Die vier Schleswig-Holsteiner hacken sich „rücksichtslos durch den Vorurteilsdschungel des Desinteresses“ und eröffnen mit „Inhale“ gekonnt das beste Album ihrer Karriere. Die stark ausgeprägte, melodische Seite des Quartetts kommt in knalligen Tracks wie „Siren call“, „Bullshit boulevard“, „As long as there is a light“ oder „The flipside“ noch stärker zur Geltung. Nicht mitzupfeifen oder -singen ist beinahe ein Ding der Unmöglichkeit. Doch wo die bereits genannten Songs lediglich auf dem Fundament von Three Chord Society aufbauen und dieses perfektionieren, spielen geniale Kompositionen wie das aufbegehrende „Into the wild“ oder der donnernd-stampfende Titeltrack in einer ganz anderen Liga und lassen als energische Kraftbündel sämtliche Konkurrenz hinter sich.

Unnötige Verschnaufpausen sind Geschichte (man erinnere sich an das belanglose „Home“ des Vorgängers), Ben Braun & Co. jagen einen zackigen Ohrwurm nach dem nächsten aus den Boxen, der nicht nur dynamisch seine Aufwartung macht (bestes Beispiel ist hierfür das anfänglich zurückhaltende „On the brink“, welches seinen Widerhaken in einem unbeachteten Moment mit ordentlich Nachdruck in das Gehör des Hörers versenkt), sondern sich auch als gut geölte Dampfwalze wuchtig in Szene zu setzen weiß und einfach alles mitreißt, was sich ihm in den Weg stellt („Settle for the storm“, „Procrastinate and die“). Als passende Draufgabe spannen Three Chord Society, bevor „Ad nauseam“ ein letztes Mal als kräftiges Punkrock-Gemisch das Wohnzimmer zerlegt oder „Deadman´s gun“ einen kleinen Drum&Bass-Ausflug tätigt, mit dem Beginn („Inhale“) und dem Schluss des Albums („Exhale“) einen thematischen und musikalischen Bogen, der zum immer und immer wieder hören einlädt.

Kurzum: „Days Of Grace“ ist ein Quell voll sprudelnder Ideen, Melodien und Harmonien ohne dass Härte, Wucht oder Druck zu kurz kommen. Die Bad Segeberger geben sich wesentlich kompakter und direkter als noch vor 1½ Jahren und wer sich das nicht entgehen lassen will, sollte sich den 2. November 2012 ganz dick und rot in seinem Kalender anstreichen.

Anspieltipps:

  • On The Brink
  • Into The Wild
  • Days Of Grace
  • Settle For The Storm

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