Scooter - Music For A Big Night Out - Cover
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Scooter Music For A Big Night Out


  • Label: Sheffield Tunes/EDEL
  • Laufzeit: 44 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Scooter finden wieder zu alter Form zurück und langweilen mit einem Mix aus „altbekannt“ und „vorhersehbar“.

In den letzten Jahren lief es alles andere als schlecht für das deutsche Technotrio Scooter. In England heimste man völlig unerwartet mit „Jumping All Over The World“ (11/2007) eine Platin-Auszeichnung ein und verdrängte zusätzlich noch Madonna von der Pole Position. Das sukzessive Werk „Under The Radar Over The Top“ (10/2009) darf sich rühmen, die erste Scooter-Platte zu sein, die es in die Top 3 der deutschen Albumcharts geschafft hat und mit H.P. Baxxters Juryplatz in der Castingshow X-Factor dürfte es ein leichtes sein, genügend Presserummel zu veranstalten, um zumindest die nächste größer angelegte Tour als ausverkauft deklarieren zu lassen. Da es den Fans aber nicht genügt, ständig die alten Kamellen aufgetischt zu bekommen, bringen Blondel und seine beiden fahrenden Mitstreiter Rick J. Jordan und Michael Simon eben schnell ein neues Album raus. Der Chicks Terminator und seine Crew halten ja schließlich erst bei Platte Nummer 16.

Wer nun aber hofft, dass der positive Gesamteindruck des vorangegangenen „The Big Mash Up“ (10/2011) eine Fortsetzung findet, der hat die Rechnung ohne Geerdes & Co. gemacht, denn „Music For A Big Night Out“ beginnt zwar passend zum Albumtitel mit einem verheißungsvollen Intro („Full moon“), bricht im Anschluss mit der Beck-Verunglimpfung von „Loser“ im stumpfen Hardcore Techno-Gewand und dem pumpenden Neophyte-Cover „Army of hardcore“, das solch grandiose Zeilen wie „Start the war / Hit the floor / We need more“ besitzt, erst einmal bravourös ein. Zum Glück funktioniert der Versuch Otto Knows „Million voices“ mit Lazards “4 o´clock in the morning“ als Guetta/Avicii-Klon samt normaler, weiblicher Singstimme (also ohne gepitchte Vocals, Autotune-Geplärre oder Vocoder) zu paaren, selbst wenn hinter der Komposition so gut wie keine eigenen Ideen stecken.

Im Handumdrehen wird der Bogen dann gleich wieder überspannt und „No way to hide“ nervt mit nölendem Frauengesang und altbekanntem Kirmestechno, während die KLF-Neufassung „What time is love?“ schaurige Reminiszenzen an „We are the greatest“-Zeiten weckt, „Overdose (Frazy)“ Technoheads „I wanna be a hippie“ zu einem mit 8 bit-Samples angereichertem Partytrack mit neuem Schwachsinnstext umfunktioniert, Mike Oldfields „Talk about your love“ sich am 1000-fach gehörten Rezept für einen basslastigen Technostampfer des Trios orientiert und „I wish I was“ mit der gnadenlos eingängigen Zeile „I wish I was a raver with neon colored hair / With techno, house and acid sounds, revolution in the air“ die Ohrwurmregionen des Gehörganges attackiert, bis die hymnenhafte Fassade im nächsten Moment gegen ein weniger subtiles Bollerbeatfeuerwerk getauscht wird und die Sandy Thom-Neufassung (das Original nennt sich übrigens „I wish I was a punkrocker (with flowers in my hair)“) den Hafen der Durchschnittlichkeit ansteuert.

Unerwartet mitreißend gestaltet sich dafür das fetzige Cover des Folksongs „Black Betty“. Wie die Faust aufs Auge passt der durchgeknallte Text des Originals zur Dummdödellyrik von Wasserstoffhyäne Geerdes und wer nach 3 ½ Minuten voll von „Blem blem“ keinen Nachschlag will, der ist eindeutig im falschen Film. Die anschließende Hard Trance-Nummer „Too much silence“ zählt dann ebenfalls zu den Stärken von „Music For A Big Night Out“, da weder Mr. Baxxter ins Mikrophon plärrt, noch piepsende Stimmchen ihre Aufwartung machen und den träumerischen Flair des Songs ruinieren könnten. Den Abschluss versemmeln Deutschlands liebste Technoproleten jedoch völlig, denn „Last hippie standing“ kommt in seinen 6 ½ Minuten nicht vom Fleck und pluckert schulterzuckend vor sich hin.

„Diamonds are made under pressure“ lässt uns Hans Peter am Schluss von „Overdose (Frazy)“ wissen. Legt man diese Bauernweisheit auf das 16. Album von Scooter um, so lässt sich vorrangig feststellen: Druck hatten H.P. und Co. offensichtlich keinen, als sie „Music For A Big Night Out“ im stillen Kämmerchen zusammen gezimmert haben, denn nach fast 20 Jahren im Musikgeschäft, weit mehr als 30 Millionen verkaufter Platten und über 80 Gold- und Platinauszeichnungen sind Scooter die eierlegende Wollmilchsau, die nur ein paar nette Songs benötigt, um unter dem Radar wieder an die Spitze zu kommen.

Anspieltipps:

  • 4 AM
  • Black Betty
  • Too Much Silence

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