Pig Destroyer - Book Burner - Cover
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Pig Destroyer Book Burner


  • Label: Relapse/Rough Trade
  • Laufzeit: 32 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Konventionelle, wenn auch vorzügliche Schnitzeljagd der Prügelknaben aus Virginia.

Pig Destroyer haben vor vier Jahren das letzte Mal von sich hören lassen und dieses Lebenszeichen namens „Natasha“ (11/2008) sorgte bei einigen Fans für haushohe Fragezeichen, warfen J.R. Hayes (Gesang), Scott Hull (Gitarre), Adam Jarvis (Schlagzeug) und Blake Harrison (Elektronik) auf dem Album schließlich nicht mit zerhackten Riffs um sich und schrien sich die Seele aus dem Leib, sondern präsentierten eine atmosphärisch dichte Doom/Sludge-Breitseite, die als 38 Minuten langer Track den Rahmen einer herkömmlichen Platte des Vierers mühelos sprengte.

Auf „Book Burner“ ist jetzt aber wieder alles gut und die unzufriedene Hörerschaft darf den Zeigefinger wieder in der Hosentasche lassen, denn 19 Tracks in 31:42 Minuten sprechen eine deutliche Sprache und diese hört auf den Namen Grindcore. Wie es sich für die Jungs aus den USA gehört, ist das handwerkliche Talent über jeden Zweifel erhaben und sollte ein Riff einmal schief klingen oder dissonant aus den Lautsprechern rumpeln, dann ist das gewollt und keinesfalls zufällig passiert („Burning film“). Ansonsten fühlt man sich wie bei fast jeder Grindcore-Platte wie ein hyperaktives Kind auf dem Jahrmarkt: Alles muss ausprobiert werden, doch die Aufmerksamkeitsspanne ist unterschiedlich hoch.

So gibt es neben 30 Sekunden langen Songfragmenten wie „The underground man“ oder „All seeing eye“, bei denen sich die Frage stellt, ob das überhaupt schon ausgewachsene Kompositionen sind, auch längere Nummern, die ihre ungewöhnlich lange Dauer von mehreren Minuten jedoch nicht immer sinnvoll nutzen und auch schon mal ziellos vor sich hin mäandern („The diplomat“) anstatt Midtempogrooves („Permanent funeral“, „Valley of the geysers“), längere Instrumentalexzesse („Baltimore strangler“) oder überhaupt alles von American Hardcore bis Noise („The bug“) unter einen Hut zu bringen.

Der Großteil der Stücke befasst sich aufgrund der geringen Länge allerdings lieber mit einzelnen Facetten wie deftigem Hardcore Metal („Iron drunk“, „Dirty knife“), punkigen Moshpits („Kamikaze heart“), erholsamen Blastbeatmassagen („White lady“), verbrannter Erde („Totaled“) oder wirrem Gedresche und Gepolter, das auf dem schmalen Grat zwischen kunstvoll und langweilig wandelt („The american´s head“). Ein weitläufiger Blick über den stilistischen Tellerrand oder großartige Überraschungen bleiben dennoch aus, da „Book Burner“ nie den Bogen überspannt oder wie z.B. Napalm Death dieses Jahr mit „Utilitarian“ (02/2012) auch einmal außergewöhnliche Klangebenen beschreiten will.

Anspieltipps:

  • Totaled
  • The Bug
  • Iron Drunk
  • White Lady
  • Baltimore Strangler

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