Cradle Of Filth - The Manticore And Other Horrors - Cover
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Cradle Of Filth The Manticore And Other Horrors


  • Label: Peaceville/EDEL
  • Laufzeit: 62 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Cradle Of Filths Dauerpräsenz macht sich langsam als Kreativitätsbremse bemerkbar.

Kreaturen aus der Hölle, Lykanthropie, Vampirismus, düstere Märchen und H.P. Lovecraft – die Zutaten für ein neues Album der Black/Death/Gothic Metalband Cradle Of Filth könnten einfacher nicht sein und trotzdem wünscht man sich bei jeder neuen Veröffentlichung der englischen Satansbraten etwas Gewagteres als die logische Fortführung des bisherigen Themenkreises. Doch sei´s drum, die Protagonisten hinter dem 10. Longplayer „The Manticore And Other Horrors“, Quietscheentchen Dani Filth, Gitarrist Paul Allender und Drummer Marthus, verstehen ihr Handwerk eben am besten, wenn es um irgendwelche dunklen Gestalten vergangener Jahrzehnte (z.B. Gilles de Rais in „Godspeed On The Devil´s Thunder“ (10/2008) oder Gräfin Elizabeth Bathory in „Cruelty And The Beast“ ) oder böse Charaktere aus den Schriften eines Clive Barker („Midian“ ) oder John Milton („Damnation And A Day“ ) geht.

Fragwürdig ist allerdings die Vehemenz, mit der Filth und seine Mannen die Anhängerschaft mit neuen Outputs beglücken, denn nach dem letzten Studioalbum „ Darkly Venus Aversa“ (10/2010) enterte nicht nur eine prall gefüllte EP namens „Evermore Darkly“ (10/2011) die Musikläden, sondern auch das verheißungsvolle Orchesteralbum „Midnight In The Labyrinth“ (05/2012) folgte kurz darauf, selbst wenn diese Platte für immer in irgendeinem Giftschrank hätte verschwinden sollen. So steht der Cradle Of Filth-Fan vor dem vierten Album in zwei Jahren und hofft auf mehr als ein Dutzend guter Gründe, um sich erneut in die dunklen Katakomben der „Wiege des Schmutzes“ hinab zu wagen. Leider macht es einem „The Manticore And Other Horrors“ nicht ganz leicht, diese zu finden, obwohl es mit dem instrumentalen Opener „The unveiling of O“ in typischer Manier einen vorzüglichen, roten Teppich ausrollt und auch das anschließende „The abhorrent“ eine vergnügliche Achterbahnfahrt aus orchestralem Bombast, rasanten Black Metal-Riffs und Filths unvergleichlichem Gekrächze darstellt.

Mit dem mit rockigen Einschlüssen versetzten „For your vulgar delectation“ und der gruseligen Horrorshow „Illicitus“ lehnen sich Cradle Of Filth nämlich bequem zurück und präsentieren nicht mehr als das bekannte Wechselspiel aus Tempo, Text und Tragik, das bereits auf vorangegangenen Alben zur Genüge ausgeschöpft wurde. Dafür jagt „Manticore“ als donnerndes Spektakel aus den Boxen, während „Frost on her pillow“ wieder den Extreme Metal-Bausatz hervor kramt und ein nettes, aber vergleichsweise unauffälliges Nümmerchen zimmert. Unbarmherziges Schwarzmetall und ungewöhnliches Synthiegeplucker eröffnen dann „Huge onyx wings behind despair“. Wieso Dani & Co. der zackigen Melodie jedoch nicht mehr Raum zusprechen und diese lediglich unter saftigem Geprügel begraben, bleibt ein Rätsel, ist doch gerade eine starke harmonische Bindung das A und O der Filth´schen Kompositionen, wie das sukzessive „Pallid reflection“ beweist.

Als Meister seines Fachs darf sich Mr. Allender in „Siding with the titans“ hervor kehren, wenn er inmitten der dichten Atmosphäre ein geniales Leadriff vom Stapel fallen lässt, das sich sofort in den Gehörgang fräst, bis „Succumb to this“ mit weiblicher Unterstützung als dämonisches Blutgericht auftritt und „Nightmares of an ether drinker“ wie von der Tarantel gestochen mit prächtigen Chören ausgestattet an einem vorbei rasen darf. Zum Abschluss holzen Cradle Of Filth dann etwas zu ungestüm durch die Botanik („Death, the great adventure“), was immerhin durch das orchestrale Finale „Sinfonia“ etwas abgefedert wird. Nach über einer Stunde voll von zünftigen Black Metal-Riffs, fiesem Gekreische, symphonischer Eleganz und der Gewissheit, die wohl härteste Cradle Of Filth-Platte überhaupt in den Händen zu halten, macht sich allerdings still und heimlich Ernüchterung breit. „The Manticore And Other Horrors“ ist einfach nicht teuflisch genug, um mit vorangegangenen Großtaten mitzuhalten. Ideen sind zwar zur Genüge vorhanden, ihr volles Potential wird aber nicht ansatzweise genutzt, sondern im besten Falle als aufblitzender Lichtblick wahr genommen. Vielleicht würde ein Entstehungsprozess von mehr als zwei Jahren für ein reguläres Studioalbum dem Schaffen von Cradle Of Filth zugute kommen. Was hältst du davon, Dani?

Anspieltipps:

  • Manticore
  • The Abhorrent
  • Pallid Reflection
  • Succumb To This
  • Nightmares Of An Ether Drinker

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