Jason Collett - Reckon - Cover
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Jason Collett Reckon


  • Label: Arts & Crafts/Rough Trade
  • Laufzeit: 83 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Aktuelles und Essentielles von Jason Collett: Anspruchsvoller Songwriter-Pop auf hohem Niveau!

Jason Collett war einst Mitglied der viel gerühmten Broken Social Scene und sein bisheriges Solowerk lässt sich dem anspruchsvollen Songwriter-Pop zuordnen. Dabei hat er klassische Pop-Kompositionen mit stil- und kunstvollen Mitteln gepaart, bewegte sich zwischen Wilco, The Beatles, Tom Petty, Brian Wilson und den Pernice Brothers, ohne direkt nach den Genannten zu klingen. Vielmehr war und ist die Herangehensweise relativ ähnlich. Nun legt der Kanadier ein Doppel-Album vor, das zum einen 15 nagelneue Songs unter dem Titel „Reckon“ und zum anderen 11 auf seine Karriere rückblickende Songs versammelt.

Beginnen wir mit den aktuellen Songs auf „Reckon“, die einen bereits mit den ersten Takten in den Bann ziehen. Mit „Pacific Blue“ nimmt er uns mit auf eine musikalische Reise, die schöner und besser als alles von ihm bisher veröffentlichte daherkommt. Der Opener hat eindringliches Acoustic Guitar picking, Colletts sanft eindringliche Stimme, eine George Harrison Gedächtnis Stromgitarre und überirdisch arrangierte Streicher. Das von Cello, Bass und Drums rhythmisierte „Jasper John’s Flag“ ist ein melodischer Strom. Dagegen ist „King James Rag“ ein Collett-Song, der auch auf einer seiner früheren Platten gepasst hätte. Sehnsüchtig und mit Wehmut werden „Sailor Boy“ und „Ask No Questions“ dargeboten, letzterer mit melodieseligen Streichern und Roy Orbison Reminiszenzen.

Die Kunst, Melodie und Rhythmus adäquat zu verknüpfen, offenbart „You’re Not The One And Only Lonely One“. Auf „Miss Canada“ mahnt er an seinen großen Landsmann Neil Young zu Harvest-Zeiten und auf „Talk Radio“ schlängelt eine Orgel ins Gemüt. „I Wanna Rob A Bank“ nimmt Bezug auf die zu Recht in Verruf geratenen Banken: „Even Jesus would say it’s Ok / To want to rob a bank“, gibt Collett hier zum Besten, um sogleich wieder die Kehrtwende zum sehnsuchtsvollen Song „Where Things Go Wrong“ zu nehmen. „My Daddy Was A Rocknroller“ klingt, als hätten die Traveling Wilburys eine Ballade eingespielt. Die beiden letzten Songs „Don’t Let The Truth Get To You“ und vor allem „When The War Came Home” sind wieder ganz nah an der Empathie eines Neil Young.

Wer danach „Essential Cuts“ auflegt, wird spüren, wie sich Jason Collett weiterentwickelt hat und wie gut „Reckon“ ist, ohne jetzt die Leistungen seines bisherigen Schaffens schmälern zu wollen. Diese essentiellen Songs sind überzeugend zusammengestellt und bieten Einsteigern wie Kennern einen sehr guten Überblick. Überhaupt wird dieses Doppelalbum beiden Zielgruppen gerecht und sei hiermit wärmstens anempfohlen.

Anspieltipps:

  • Pacific Blue
  • Ask No Questions
  • Miss Canada
  • My Daddy Was A Rocknroller
  • When The War Came Home

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