Eros Ramazzotti - Noi - Cover
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Eros Ramazzotti Noi


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 52 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Italiener erweitert sein Klangbild um Rap und Electro-Pop. Und wir fragen uns: Warum?

Sichtlich ergraut ist er, der Eros. Und die Haare werden auch immer weniger. Dafür werden jetzt die immer zahlreicher werdenden Tattoos in die Kamera gehalten. Typisch Mann eben. Aber okay, schließlich wird der immer-jugendliche Schmusesänger im nächsten Jahr 50 Jahre alt, sodass Otto Normalbürger erleichtert feststellen kann, dass der Zahn der Zeit eben auch nicht vor einem ewigen Stenz wie dem römischen Popstar Halt macht. Und der scheint diesen Umstand auf für Männer ganz gewöhnliche Art mit jungen Frauen, schnellen Autos und bedeutungsschwangeren Körperbemalungen zu kompensieren.

Auch musikalisch will der 49-Jährige mit seinem neuen Album „Noi“ („Wir“) – dem ersten für seinen neuen Vertragspartner Universal Music – eine Zäsur einläuten, wobei diese eher minimal ausfällt. Was soll ein Künstler nach 50 Millionen verkauften Alben in 30 Jahren auch noch groß verändern? Demnach fällt auf, dass eigentlich nichts auffällt! Lediglich die Gästeschar lässt kurz aufhorchen. Denn mit der TripHop-Band Hooverphonic („Solamente Uno“), den italienischen Rappern Club Dogo („Testa O Cuore“), Ex-Pussycat-Doll Nicole Scherzinger („Fino All' Estasi“), Schauspieler Andy Garcia („Io Sono Te“), den Pop-Opernsängern von Il Volo („Cosí“) sowie seiner einjährigen Tochter Raffaela Maria („Una Tempesta Di Stelle“) wird fast die Hälfte der Songs auf „Noi“ mit freundlicher Unterstützung dargeboten.

So weit, so gut. Doch unterm Strich besteht die einzige Zäsur im Sound und Songwriting des Eros Ramazzotti in dem Versuch, etwas internationaler zu klingen und nicht mehr so sehr wie der nette Schlageronkel aus Italien. Daran arbeitet Ramazzotti allerdings jetzt schon seit ein paar Jahren. Aber sei’s drum! Da der Ex-Mann von Michelle Hunziker das Schreiben eingängiger Melodien nach wie vor nicht verlernt hat, fällt es ihm leicht, seine Songs mit etwas Coldplay-Pathos („Questa Nostra Stagione“), tanzbaren Beats („Un Angelo Disteso Al Sole“, „Polaroid“) und dezenten Electro-Pop-Anleihen („Abbracciami“) anzureichern. Die Frage ist nur, wollen wir das auch hören?

Was soll also dieser Drang nach Modernisierung? Und warum die vielen Gäste? Sind wir ehrlich, fällt eine Antwort schwer. Fakt ist, dass der typisch italienische Charme der Songs darunter leidet und dass wohl niemand Rap-Parts oder einen amerikanischen Schauspieler in Eros-Ramazzotti-Songs sprechsingen hören möchte. Darüber hinaus ist zu bezweifeln, ob es den Fans tatsächlich gefällt, wenn sich der gute Eros laufend englischsprachige Duettpartnerinnen wie Cher, Tina Turner, Anastacia und jetzt Nicole Scherzinger ins Studio holt. Da hören wir doch lieber einen schmachtenden, balzenden und in Landessprache singenden Italiener, bis sich die Klischeebalken biegen und keine an den Haaren herbeigezogene international taugliche Konsensmusik.

Anspieltipps:

  • Cosi
  • Infinitamente
  • Io Sono Te (I am you)
  • Un Angelo Disteso Al Sole

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