Bad Brains - Into The Future - Cover
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Bad Brains Into The Future


  • Label: Megaforce Records
  • Laufzeit: 37 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
8.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Schlecht ist „Into The Future“ nicht geworden, aber auch kein großer Wurf. Das können die Bad Brains eigentlich besser.

„Let’s have fun / let’s have fun / we all need fun / and this music is fun / school is fun / love is fun”, säuselt Paul D. Hudson alias H.R. („Human Rights”) im Song mit dem treffenden Titel „Fun” ins Mikrofon. Ok, das ist wahrlich kein lyrischer Hochgenuss und auch die Musik dazu ist eher mittelmäßig, sowohl qualitativ als auch in Sachen Geschwindigkeit. Dass die Bad Brains es an und für sich besser können, haben sie bis zu diesem Moment fast durchgängig unter Beweis gestellt. Warum dann dieser Zwischenfall? Vielleicht nur, um zu verdeutlichen, dass man sich selbst als Fan der Band niemals sicher sein kann, was im nächsten Moment passieren wird. Lädt ein gesmoofter Reggae-Beat zum Entspannen ein? Pusten einem die vier Herren in bester Hardcore-Manier den Gehörgang durch? Oder könnte das nächste Stück eventuell sogar eine Tanzfläche füllen? Alles ist ungewiss auf „Into The Future“, nur eines deutet sich ziemlich schnell an: Langweilig wird auch das neunte Studioalbum der Washingtoner garantiert nicht.

Das Abenteuer beginnt mit dem Titeltrack, einem Song, der mehrere Tempowechsel mit sich bringt und von der unverkennbaren Stimme H.R.s fast völlig eingenommen wird. Gleiches gilt für den etwas langsameren, doomig angehauchten Nachfolger „Popcorn“, bevor mit „We Belong Together“ die erste Hardcore-lastige Nummer aus den Boxen peitscht. Aggressiv wird dabei allerdings trotz des fast durchgetretenen Gaspedals so schnell niemand, vor allem nicht H.R., der über die gesamte Albumlänge völlig entspannt bleibt und sich wie schon beim 2007er Vorgänger „Build A Nation“ durch nichts so schnell aus der Ruhe bringen lässt.

Muss er auch nicht, schließlich wird es mit dem fortgeschrittenen „Youth Of Today“ und dem anschließenden „Rub A Dub Love“ auch erst mal etwas ruhiger, da nun die ersten Reggae-Parts Einzug erhalten. Und gerade, wenn es für einen Augenblick fast schon in Vergessenheit gerät, dass die Bad Brains auch anders können, kommen mit „Yes I“ und „Suck Sess“ zwei fiese Hardcore-Granaten um die Ecke, bereit, den Hörer aus der Hängematte zu reißen und ihn direkt in den nächsten Moshpit zu werfen.

Und auch die zweite Hälfte der Platte bleibt unvorhersehbar: Auf harmonische Melodien („Jah Love“) folgt ein dicker Groover („Earnest Love“), darauf das obligatorische, wenn auch in diesem Fall instrumentale Geholze („Come Down“), das wiederum von dem bereits erwähnten, hoffentlich scherzhaft gemeinten „Fun“ abgelöst wird. Der Rest ist mit einer weiteren Reggae-Nummer („Maybe A Joyful Noise“) und dem Ska-inspirierten „MCA Dub“ (eine Hommage an ihren verstorbenen Produzenten Adam „MCA“ Yauch von den Beastie Boys) leider nur noch ein einziger großer Rausschmeißer, von dem lediglich „MCA Dub“ aufgrund des rührenden Hintergrundes in Erinnerung bleiben wird.

Halten wir also fest: Die Bad Brains bieten auf „Into The Future“ ihre gewohnt bunte Mischung aus Hardcore und Reggae, laut und leise, aber auch, und das lässt sich kaum leugnen, ein qualitatives Auf und Ab. Nicht wenige der ruhigeren Stücke wirken reichlich einfallslos und haben eher den Charakter von Zwischenspielen und nicht den von ausgereiften Songs. Und wäre es nicht prinzipiell auch viel interessanter gewesen, schnelle und langsame Elemente häufiger innerhalb eines Tracks miteinander zu verbinden und sie nicht nur stur aneinanderzureihen? Was beispielsweise bei „Youth Of Today“ ganz gut funktioniert, hätte einseitigen Nummern wie „Come Down“ und „Maybe A Joyful Noise“ keinesfalls geschadet. So ist „Into The Future“ am Ende eine ordentliche, aber ausbaufähige Scheibe geworden, die nicht bei allen Fans uneingeschränkte Liebesbekundungen hervorrufen wird. Auch wenn alles nur fun ist.

Anspieltipps:

  • Popcorn
  • Youth Of Today
  • Yes I
  • Jah Love

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