The Weeknd - Trilogy - Cover
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The Weeknd Trilogy


  • Label: Republic/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 165 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
7.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein dreiteiliges Konzeptwerk, das ursprünglich als kostenloser Download angeboten wurde, erscheint nun als fein aufgemachtes CD-Box-Set.

Der Kanadier Abel Berihun Tesfaye alias The Weeknd (22) ist neben Frank Ocean, Kendrick Lamar und Meek Mill der Hotspot Nummer vier im aktuellen HipHop/Rap/R&B-Jahr, obwohl der 22-Jährige bereits in 2011 mit seiner Mixtape-Trilogie „House Of Balloons” (03/2011), „Thursday“ (08/2011) und „Echoes Of Silence“ (12/2011) debütierte. Damals konnten Interessierte die Alben auf der Homepage des Musikers kostenlos downloaden, doch nun steht The Weeknd beim Major Republic Records/Universal Music unter Vertrag und dieser ließ die drei Werke neu mastern, abmischen und um drei Bonus Tracks erweitern. Als kleines Box-Set sind die drei Konzeptalben nun zusammen käuflich zu erwerben und fein in das CD-Regal einzusortieren. Versuch das mal jemand mit einem schnöden Download!

Grundsätzlich ist die Tatsache, dass eine kommerziell orientierte Plattenfirma wie Republic Records ein Albumbündel, das seit Monaten kostenlos im Internet verfügbar ist, nochmals in – jetzt aber bitteschön! – käuflich erwerblicher CD-Form in die Läden stellt. Hier geht es also scheinbar nicht nur darum, sich die Dienste eines Künstlers zu sichern, der als größtes Talent seit Michael Jackson bezeichnet wird und als Feature-Gast bzw. Songschreiber auf dem Zettel der halben Pop-Elite steht, sondern darum, dass die Kunst des Abel Berihun Tesfaye eine adäquatere Erscheinungsform erhält. Zudem soll es noch Menschen geben, die Musik nicht als komprimierten Klangmatsch konsumieren mögen, sondern in einigermaßen audiophiler Form. Zuletzt möchte sicher auch der Künstler von seiner Kunst leben können, womit wir wieder bei herkömmlichen Vertriebswegen über Plattenfirmen wäre, ohne die es scheinbar doch (noch) nicht geht.

The Weeknd bricht mit seiner Melange aus R&B, Dubstep, Electro und Pop noch am ehesten aus der HipHop-lastigen Phalanx seiner eingangs genannten Mitstreiter aus, kommt dem minimalistischen Soul mit R&B-Einschlag eines Frank Ocean dabei aber sehr nahe. Ähnlich wie Ocean entwirft auch The Weeknd zumeist düstere Klangbilder, zu denen seine engelsgleiche Stimme auf den ersten Blick bzw. Ton so gar nicht passen mag und in der Tat eine Affinität zum King of Pop, Michael Jackson, offenbart.

In seinen Songs geht es The Weeknd überwiegend um Frauen, Sex, Party und Alkohol – also alles, was ein gelungenes, ähem, Wochenende aus der Sicht eines Mannes ausmacht, wobei sexuelle Ertüchtigungen durchaus im Vordergrund zu stehen scheinen, wie Tracks der Marke „The party and the after party“, „Coming down“ oder auch „Loft music“ verdeutlichen (alle Stücke stammen von der „House Of Balloons”-CD), in denen The Weeknd in bester R.-Kelly-Manier sexuelle Höhepunkte bzw. das Danach simuliert. Damit wandelt der Kanadier durchaus auf einem schmalen Grat, denn den schmierig-schmachtenden Songs eines R. Kelly hat das Publikum schon seit langer Zeit Ade gesagt.

Was The Weeknd dennoch von R. Kelly unterscheidet, ist die Gänsehautatmosphäre, die er in Stücken wie „The zone“ oder „Gone“ verbreitet. So gleiten die Songs nicht in die peinlich-schlüpfrigen Gefilde eines balzenden R&B-Gockels ab, sondern bewahren sich etwas Geheimnisvolles und Fragendes wie in „The birds pt. 1 & 2“, in dem The Weeknd seine Eroberung des Wochenendes hinaus komplementiert: „Don’t make me make you fall in love with a nigga like me. Nobody needs to fall in love”.

„Echoes Of Silence“ wird mit einer magisch pluckernden Coverversion von Michael Jacksons „Dirty Diana“ eröffnet und gibt damit den Reigen der wohl poppigsten bzw. eingängigsten Stücke auf „Trilogy“ frei. Zwar ändert sich die Gesamtatmosphäre nicht grundlegend, auch wenn sich hier und da freundlichere Dur-Akkorde eingeschlichen haben, doch die Songs wirken nun auf einmal fordernder („Same old song“), hastiger („Initiation“) und am Ende gar unversöhnlich („Next“) bis hin zu leicht verbittert („Echoes of silence“).

So räumt The Weeknd in letztgenannten Tracks mit den Frauen auf, die ihn nur wegen seines Erfolgs und seiner Bekanntheit ins Bett zerren wollen, auch wenn es The Weeknd durchaus Spaß zu machen scheint, sich mit seinen weiblichen Fans im „California King Bed“ zu vergnügen. Aber irgendwann muss eben auch mal Schluss sein, selbst wenn es schwerfällt, diese „Trilogy“ nach fast drei Stunden Kopfkino aus der Hand zu legen. Man fragt sich nur, was nach diesem – im positiven Sinn – Monster von einem Album jetzt noch für The Weeknd kommen soll? Es kann doch nicht sein, dass dieser erst 22jährige Bursche aus Toronto bereits auf dem Zenit seines Schaffens angekommen ist.

Anspieltipps:

  • Next
  • The zone
  • Montreal
  • Loft music
  • Lonely star
  • The morning
  • Same old song
  • What you need
  • The birds pt. 1 & 2

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