Wintersun - Time I - Cover
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Wintersun Time I


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 40 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Das „Chinese Democracy“ des Viking Metals wird von der Wucht der Erwartungshaltungen regelrecht erdrückt.

Acht Jahre. Acht qualvolle Jahre voller Verschiebungen, Terminänderungen, Vertröstungen und einem Aufbau von Erwartungshaltungen, der das neue Output von Jari Mäenpääs Wintersun zu einer Legende in der Szene des Viking Metals machte. Und kurz bevor so mancher Fan die von einem Projekt zu einer vollwertigen Band gereiften Wintersun komplett abschreibt, ziehen die Finnen die Notbremse und kommen mit ihrem neuen Werk „Time I“ um die Ecke. Dieses ist seit Anfang 2006 angekündigt und erscheint letztendlich sechs Jahre zu spät. Richtig böse kann man Herrn Mäenpää dann aber doch nicht sein. Dieser beweist mit seinen Mitmusikern besser spät als nie, dass die Wintersonne doch noch ihre Strahlen in die Winterlandschaften schicken will. „Time I“ - ein Schelm, wer nach der gefühlten Ewigkeit Böses bei diesem Albentitel denkt – ist der erste Teil eines zweiteiligen Zyklus, welcher mit dem passenden „Time II“ fortgesetzt wird und den Siegeszug des Überraschungshits „Wintersun“ wiederholen soll.

Über die Jahre hat sich ein Hype aufgebaut, den man in gewisser Hinsicht, wenn auch auf die jeweilige(n) Zielgruppe(n) limitiert, mit „Chinese Democracy“ von Guns N´ Roses vergleichen kann. Zwar kann man den Einspruch erheben, dass der Vergleich stellenweise hinkt (denn das tut er in der Tat), doch wird die nicht gerade kleine Fangemeinde von Wintersun das ein wenig anders sehen. „Time I“ ist vielleicht eines der am sehnlichsten erwarteten Alben in der Geschichte des Metals. Somit ist es fast keine Überraschung, dass es definitiv ein gutes Album geworden ist, von seiner Hochstilisierung zum Messias des Viking Metals aber in fast jeder Sekunde der ca. 40-minütigen Spielzeit erdrückt wird. Dadurch wird das Werk nicht partout schwach oder schlecht. Vielmehr trägt es den Ballast in Form des Vorgängers „Wintersun“ sowie der fast eine Dekade währenden Wartezeit mit sich und kann zumindest von den Anhängern von Jari Mäenpää nicht ohne Vorbelastung genossen werden. Auffallend ist besonders, dass „Time I“ gerade mal fünf Kompositionen zählt, von denen zwei als Intro bzw. Interludium fungieren. Die restlichen drei Songs sind schließlich Longtracks, die die musikalische Idee von Songs wie „Sleeping Stars“, „Death And The Healing“ und „Sadness And Hate“ (alle auf dem Vorgängeralbum) fortführen.

Das große Problem, welches „Time I“ hat, ist, dass die Stärken, welche das Debütalbum so großartig machten, kaum zu finden sind. Während Jari Mäenpää 2004 noch bemüht war, seinem Projekt Eigenständigkeit und Unabhängigkeit von Ensiferum zu verleihen, hört sich seine Musik im Jahre 2012 wie die einen x-beliebigen Viking Metal-Band mit Orchesterunterstützung an und bietet zu den genannten Ensiferum oder auch Turisas keine wirkliche Alternative mehr. Die treibende Härte von damals ist nur noch Geschichte. Zwar findet sich doch noch die eine oder andere Stelle, welche mit Druck und Schmackes begeistert, aber am Ende sind es der Symphonic Metal und der Orchesterbombast, welche die Dominanz auf „Time I“ an sich reißen. Besonders in „Land Of Snow And Sorrow” und dem Quasi-Titeltrack „Time“ werden die ausufernden Arrangements, das Geklotze und der Anspruch, das sehnlich gewünschte Mammutwerk abzuliefern, eher zur Last als zur Lust. Dabei ist das Songwriting an sich nicht einmal schlecht. Im Gegenteil: Im Sektor des epischen Metals, kann „Time I“ ganz oben mitspielen und mal so richtig auf die Pauke hauen. Der eine oder andere Fan wird so das seit Ewigkeiten erwartete Album als den großen Wurf ansehen und sich von der Wucht wegblasen lassen.

Wenn man aber „Time I“ in der Relation zu seinem Vorgänger betrachtet, verpuffen die Bemühungen, ein Magnum Opus komponiert zu haben, im Angesicht der Virtuosität, Härte und dem dennoch vorhandenen Bombast von „Wintersun“. Summa summarum: „Time I“ ist ein gutes Album, aber kein großartiges und schon gar nicht der große Wurf, welcher es hätte werden sollen. Fanboys behalten einen kühlen Kopf, legen die rosarote Brille ab und fragen sich, ob es genau das ist, was sie wirklich erwartet haben. Um ein Ausnahmewerk handelt es sich trotz des großen Namens und der Mystifizierung in den vergangenen acht Jahren nämlich keinesfalls!

Anspieltipps:

  • When Time Fades Away
  • Sons Of Winter And Stars

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