Wintersun - Wintersun - Cover
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Wintersun Wintersun


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 54 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Melodie und Härte in einer beinahe perfekten Symbiose machen dieses Album zu einem modernen Klassiker des Viking Metals.

Jari Mäenpää, ehemaliger Gitarrist und Sänger der Viking Metal-Heroen um Ensiferum, hätte sich wohl nie erträumt, welchen Impact sein Projekt Wintersun haben würde. Vorerst als Befreiungsschlag geplant, um sich von seiner ehemaligen Band unabhängig zu machen, mauserte sich das schlicht als „Wintersun“ titulierte Debüt zu einem Kritiker- und Fanliebling, der in den Augen und Ohren Vieler Ensiferum mit Leichtigkeit überflügeln konnte. Für den einen oder anderen von Mäenpääs Kollegen muss „Wintersun“ wohl ein besonders harter Schlag in die Magengrube gewesen sein. Plötzlich gehörte Ensiferum (zumindest im Vergleich mit dem Erstling des Ex-Mitglieds) zum alten Eisen, während der Genrefan Wintersun feierte. Nicht ohne Grund, denn was Mäenpää als Projekt aufgezogen hat, ist schlicht, ergreifend und auch ohne Relation zu seiner Ex-Band eine großartige Melange aus mitreißendstem Bombast-Metal und wahnwitziger musikalischer Virtuosität, die sich hinter den Outputs der großen Talente (z.B. Steve Vai, Yngwie Malmsteen) der Szene nicht zu verstecken braucht.

„Wintersun“ knüpft nahtlos an das 2004er Werk „Iron“ von Ensiferum an und bringt das musikalische Konzept auf ein neues Level. Gleichzeitig erbaut Mastermind Mäenpää einen Eckpfeiler des modernen Viking Metals, der sich in seiner Präsentation weniger an der harten, rohen Interpretation von Bands wie Darkthrone oder Bathory orientiert, sondern die Idee von Mithotyn, Thyrfing und eben Ensiferum mit eigenen Ideen bereichert. Da wäre zum Bespiel der Einfluss vom Manowarschen True Metal, dem opulenten Bombast von Rhapsody Of Fire oder Luca Turilli, dem aberwitzigen, schnellen Gitarrenspiel von den Children Of Bodom und einer Prise Folk Metal. Von der ersten Minute an fährt Wintersun dicke Geschütze auf und bombardiert den Hörer mit Härte, Melodie und euphorisch stimmender Hymnenhaftigkeit. „Beyond The Dark Sun“ ist als Opener und gleichzeitig kürzester Song des Albums noch etwas unscheinbar und mehr als Intro zu sehen ist, bis schließlich „Winter Madness“ als ein wahrhaftes Metal-Gewitter die Karten auf den Tisch legt und die Richtung der noch folgenden Songs prophezeit.

Songs wie „Battle Against Time”, „Starchild” oder „Beautiful Death” vereinen das Gespür für großartige Melodien mit einer absolut mitreißenden Härte und Kompromisslosigkeit. Während so manches Output einer anderen Band bei zu viel Melodielastigkeit sehr schnell ins Kitschige abdriftet, kriegen die Kompositionen auf „Wintersun” immer rechtzeitig die Kurve und präsentieren sich als geschickt komponierte Metal-Kracher, die als kleinster gemeinsamer Nenner fungieren und so Anhänger verschiedener Subgenres – egal ob nun Power, Death oder auch Thrash, Shred oder Prog – abholen und zufrieden stellen können. Bei solchen Songs wird schnell klar, dass das einfache Viking Metal-Schema lediglich ein Grundgerüst ist, um das eine Fassade verschiedener Stilrichtungen gebaut wird, welche tatsächlich zusammen passen und sich ergänzen.

„Sleeping Stars“, „Sadness And Hate“ und ganz besonders „Death And The Healing“ nehmen schließlich den Fuß vom Gaspedal und kommen als überaus atmosphärische Epic Metaler daher. Die Härte bewegt sich ein wenig in den Hintergrund und macht Platz für das eine oder andere progressive Arrangement, welches die mitunter langen Tracks abwechslungsreich gestaltet, zu keiner Zeit aber zur Last fällt. Trotz Komplexität bleiben die Kompositionen greifbar, eingängig und auf Kurs. Es grenzt insgesamt an Ironie, dass Jari Mäenpääs Vision von Wintersun, das Album hervorgerufen hat, welches er bei Ensiferum nie machen konnte oder durfte. Mäenpää, der außer dem Schlagzeug alle Instrumente selbst eingespielt hat, wurde in seiner ehemaligen Band stets bei Songwriting-Sessions ausgeschlossen und veröffentlicht mit seinem Projekt ein Werk, welches über die Jahre zu einem späten Klassiker des Viking Metals geworden ist. Durchzogen mit niederschmetternder Härte, Melodie und einer schier wahnsinnigen Musikalität ist „Wintersun“ ein Album, welches sich kein Fan von extremem aber auch melodischem Metal entgehen lassen darf.

Anspieltipps:

  • Winter Madness
  • Sleeping Stars
  • Battle Against Time
  • Death And The Healing
  • Starchild

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