Züül - To The Frontlines - Cover
Große Ansicht

Züül To The Frontlines


  • Label: High Roller Records
  • Laufzeit: 44 Minuten
Artikel teilen:
8.5/10 Unsere Wertung Legende
7.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Die einstige Idee des Heavy Metals im modernen Gewand: Züül entführen den Metaller von heute in den Sound von damals.

Die NWoBHM ist tot! Alte Vertreter dieser sehr heterogenen und eher kurzlebigen Welle haben sich entweder weiterentwickelt (Iron Maiden, Saxon, Angel Witch), dümpeln zumindest mit unregelmäßigen Releases vor sich hin (Tigers Of Pan Tang, Praying Mantis) oder waren von Anfang an obskure Totgeburten, die nur aus Notwendigkeit des Hypes bestanden (Virtue, Chateau, Battleaxe). Schließlich ging die NWoBHM als vielzitiertes, aber immer mehr vernachlässigtes Relikt in die Annalen des Metals ein. Bei hunderten von Bands will man den Einfluss der Wave erkennen: Es reichen schon ein oder zwei Riffs, die eine Verbindung bringen sollen. Doch so richtig traut sich keiner wirklich in der Tradition des NWoBHM seinen Shit zu spielen. Bis jetzt! Eine unbeugsame Abspaltung im Underground lässt den alten Stil nach einem kurzlebigen Revival in den frühen Nullerjahren abermals aufleben. Züül ist eine der wenigen Bands, die sich so nahe wie möglich am alten Sound ansiedeln wollen. Nach ihrem Debüt „Out Of Time“ führen die Musiker Brett Batteau (Gesang), Bobby Lungdat (Bass), The Mosquito Hawk (Schlagzeug) sowie die Gitarren-Duellanten Michael Butcher und Jared Mileger ihre Idee fort. Ihr zweites Studiowerk „To The Frontlines“ ist die konsequente Fortführung des Debüts, welche mit purer Leidenschaft und Stilsicherheit die Vergangenheit zurück in den CD-Schacht befördert und in jeglicher Hinsicht das Vorgängeralbum übertrifft.

Wie schon bei diesem fängt die Reise bei dem Coverartwork an: Brad Moore zaubert ein weiteres Mal den absoluten Kitsch- und Klischee-Overkill aus dem Hut und sorgt dafür, dass der Hörer von Kriegern und Dämonen im passenden Höllen-Setting angelacht wird. Klar, das ist heute schon ein wenig komisch. Aber wenn etwas Metal as fuck ist, dann das! Passenderweise klingt „To The Frontlines“ wieder so, als säße man im mit Postern tapezierten Jugendzimmer der 80er-Jahre. Aus den Boxen dröhnen pfeilschnelle Gitarrensoli, eingängige Melodien, eine ordentliche, doch gemäßigte, Portion Härte und galoppierende Riffs. Damals waren es Maiden oder Saxon zu ihren Anfangszeiten, heute können Züül es ihnen gleich machen. Songs wie „In The Cellar“, „Smoldering Nights“ oder „Skullsplitter“ hätten genauso gut auf Iron Maidens „Peace Of Mind“ oder „Powerslave“ gepasst und sind näher am Sound dieser Alben als die Originalband in ihrer aktuellen Situation. „Heavy Lover“ ist der einzige Track, der einen anderen Weg geht. Hier gibt es einen nicht zu überhörenden Motörhead-Einfluss. „Of The Fallen“ und „Bounty Land“ werden schließlich zum Quasi-Longtack im Stile der Songs „Rime Of The Ancient Mariner“ oder „Seventh Son Of A Seventh Son“ - Züül beweisen, dass sie auch zu ruhigen und leicht progressiven Momenten fähig sind, während das abschließende „Waste Of Time“ sich aus einem Metal-Gewitter der Marke „Aces High“ immer mehr zu einem melancholischen Bombast-Feuerwerk mausert.

War das Erstlingswerk hauptsächlich noch ein Gesamtüberblick über die New Wave of British Heavy Metal, so ist „To The Frontlines“ sehr viel fokussierter. Die Jungs haben anscheinend gemerkt, dass die Trademarks der alten Maiden ihre größten Stärken sind und bauen voll und ganz auf diesen Trumpf. Eigene Akzente setzt man keine - das würde das eigentliche Konzept auch ad absurdum führen. Das ist nicht einfach das alte „besser gut kopiert, als schlecht selbst erfunden“, sondern vielmehr der gezielte Fanservice für ewig gestrige Metaller, die back to Basics wollen. Und auch wenn es gewagt klingt: Selten hat eine Band die eiserne Jungfrau so großartig kopiert! Züül bleiben sich selbst treu und liefern erneut einen Geheimtipp ab, den ein Gros der Metal-Welt ignorieren wird, der aber bei seinem Zielpublikum einschlagen wird wie eine Bombe. Prädikat: Besonders wertvoll, vor allem für Langhaarige, die den einstigen Spirit erneut erleben wollen.

Anspieltipps:

  • In The Cellar
  • Smoldering Nights
  • Of The Fallen
  • Bounty Land
  • Waste Of Time

Neue Kritiken im Genre „Heavy Metal“
Diskutiere über „Züül“
comments powered by Disqus