Tusq - Hailuoto - Cover
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Tusq Hailuoto


  • Label: Strange Ways/INDIGO
  • Laufzeit: 44 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein wilder Mix aus Retro- und modernem Indie-Rock, der es knapp verpasst, dem Sound einen eigenen Stempel aufzudrücken.

Wenn die beiden kreativen Melting Pots Deutschlands, Berlin und Hamburg, sich zusammentun, dann muss dabei doch einfach ein künstlerisches Meisterwerk entstehen. Das sollte man meinen, doch Großstadtflair allein macht noch keine Meister. Die Antithese des letzten Jahres stellten nicht zuletzt Sizarr aus Landau. Mit Indie-Rock und viel Hang zu den 80ern konnten sich Tusq inzwischen ihre eigene Fanbase aufbauen. Jetzt heißt es, mit „Hailuoto“ nachzulegen und das volle Potenzial zu entfalten. Oder stoßen die vier Großstädter an ihre Grenzen?

„Perfect Game“ soll diese Zweifel dem Titel entsprechend gleich im Keim ersticken. Mit tollen Hooklines, treibendem Rhythmus und einer klasse Melodie eröffnen sie das Album mit einem ganz großen Song des Genres. Das ist die Sorte von Musik, nach der man lechzt, wenn man melodiöse Rockmusik hören möchte. Allerdings zeigen Tusq auch gleich ihre Liebe zum psychedelischen Element und ersticken ihre starken Melodien auch gerne in wabernden Klangunfällen („Blocks & Bricks“). Aber sie schaffen es auch, krachende Garagenhärte mit ihrer Melodieverliebtheit zu vereinen, wenn „Drive“ und „Trial By Fire“ an „Madonna“-Zeiten von ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead erinnern.

Wenn die Band diesen Weg gehen würde, könnte man sie als Trail Of Dead-Alternative aus Deutschland anpreisen. So bleiben aber The Smiths-Überbleibsel (z.B. „Cascade“ und „Ring Me Up When You're Dead“), die wieder in ganz andere Tonsphären entführen wollen. Diese Tracks schaffen es jedoch oft nicht, zum Träumen einzuladen, sodass die Beschallung nicht immer überzeugend und durchdringend genug klingt. Die Romantik in einem „Ring Me Up When You're Dead“ wird bei einigen Hörern aufgrund der psychedelisch-verwaschenen Tonspur nicht zünden.

Der Geist der 80er zündet besser, wenn man kühle und raue Arrangements los tritt („Remains“ und „1000 Points Of Light“). So ertappt man sich immer wieder dabei, wie man sich mehr Material der Sorte „Drive“ herbeiwünscht und die ewigen Huldigungen der letzten Jahrzehnte zurückstellen möchte. Die Band verpasst es schlichtweg, ihrer Musik einen Stempel aufzudrücken, und verliert sich in Zitaten anderer Bands, anstatt kompromisslos eine paar Grundlagen für die eigene Musik festzusetzen. Das klingt zwar weiterhin gut, allerdings zu unentschlossen, um nach den Sternen zu greifen.

Anspieltipps:

  • Remains
  • Perfect Game
  • Drive

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