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Soundtrack The Hobbit: An Unexpected Journey


  • Label: Decca/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 108 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Die musikalische Untermalung für den Roadtrip durchs Auenland: Academy-Award-Gewinner Howard Shore entführt den Hörer wieder in sein klingendes Mittelerde.

Als einer der meisterwarteten Filme der letzten Jahre war Peter Jacksons filmische Adaption von Tolkiens „Der Hobbit“ bzw. „Der kleine Hobbit“ von Anfang an eine sichere Sache. Kein Wunder: Sein vielfach ausgezeichnetes Gesamtwerk „Der Herr der Ringe“ ist trotz des durchaus nötigen Muts zur Lücke näher an der Romanvorlage als so manch andere Literaturverfilmung. Ein moderner Klassiker des Monumentalfilms und der Grund warum in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts Fantasy wieder en vogue wurde. Das Prequel, welches ebenfalls als Filmtrilogie konzipiert ist, soll den Erfolg und zweiten Frühling von Tolkiens „High Fantasy“ wiederholen sowie den seit jeher bestehenden Mittelerde-Kult weiter untermauern und verstärken. Der Neuseeländer Jackson baut nicht nur erneut auf bekannte Gesichter, die bereits Figuren in seiner „Der Herr der Ringe“-Trilogie verkörperten, sondern auch auf ein beinahe gleich gebliebenes Team, was sein „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ streng genommen zu ein Familienprojekt macht. Auch hinsichtlich der klanglichen Untermalung geht er auf Nummer sicher. Der Kanadier Howard Shore („Der Herr der Ringe“, „Philadelphia“, „Sieben“), welcher für seine Arbeit bereits drei Academy Awards erhielt, kümmert sich abermals um die musikalische Umsetzung des Stoffs. Zusammen mit dem Londoner Philharmonie Orchester ist Shore für den Soundtrack aller kommenden Hobbit-Teile zuständig.

Viele Leitmotive und Themen sind bereits bekannt und werden erneut benutzt. Einige werden Shore bei einer solchen Resteverwertung vielleicht Inspirationslosigkeit vorwerfen. Die Wahrheit ist, dass er in dieser Hinsicht intelligent vorgeht und die musikalische Identität von Figuren und Orten der Tolkien'schen Fantasie nicht über den Haufen wirft. Shore meistert hier seine Aufgabe mit Erfolg und sorgt für ein weiteres Bindeglied zwischen der ersten und zweiten Trilogie Jacksons. So sind es gerade die bekannten Themen, die dem gesamten Soundtrack einen gewissen Halt geben. Wenn das beliebte Auenland-Thema beispielsweise in „My Dear Frodo“ variiert wird, ist es so, als treffe man alte Freunde („Old Friends“) wieder. Und das Thema des Einen Ringes führt dem Hörer mehr denn je vor Augen, welch schicksalhafte Ausmaße der Fund doch hat. All diese Momente machen direkt am Anfang den größten Zauber des Soundtracks aus und sollten von den Fans mit offenen Armen aufgenommen werden. Shore führt sie nach Hause zurück, bevor die restlichen Kompositionen der zwei CDs eigenständig genug sind, um sich von „Der Herr der Ringe“ zu emanzipieren. So macht man früh genug Halt und verzichtet konsequent darauf, das eigentliche Hauptthema von damals zu zitieren. Stattdessen setzt man darauf, das Bekannte mit Neuem nahtlos zu verbinden. Unabhängig davon, dass Howard Shore seinen eigenen Stil und sein eigenes Vorgehen bei der Komposition eines Film-Soundtracks hat, wird ein roter Faden sicht- bzw. hörbar, der unmissverständlich macht, zu welchem Franchise „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ gehört.

Das renommierte Londoner Philharmonie Orchester kann die Vision der klanglichen Mittelerde natürlich ohne Probleme umsetzen. Shore, der als einer der wichtigsten Vertreter der Leitmotivtechnik gilt, hat für jede Situation die passende Untermalung parat. So bekommt zum Beispiel der kauzige Radagast der Braune sein passendes, verschrobenes Thema („Radagast The Brown“), während die Zwerge in „An Unexpected Party“ ihr Gesicht als würdevolle und tapfere Sonderlinge zeigen dürfen. Eher ruhige Momente („The World Is Ahead“, „Moon Runes“, „Dreaming Of Bag End“) wechseln sich mit bombastischen Tönen („Warg-scouts“, „A Thunder Battle“, „Under Hill“, „Out Of The Frying-Pan“) ab. Auflockerungen findet man in Form von „Misty Mountains“ und „Song Of The Lonely Mountain“, die mit Gesang eine Ausnahme darstellen. Während „Misty Mountains“ vom Schauspieler Richard Armitage („Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung“, „Captain America – The First Avenge“) gesungen wird, geht „Song Of The Lonely Mountain“ einen überaus interessanten Flirt mit Weltmusik und Folk-Pop ein. Neil Finn (Crowded House, The Finn Brothers) leistet hier gute Arbeit, die harmonisch mit dem Orchester-Bombast koexistiert.

Immer wieder erklingen Variationen, welche die einzelnen Kompositionen miteinander verknüpfen und die Atmosphäre verdichten. So schafft es Shore, den Hörer wieder in sein vertrautes Klang-Mittelerde zu entführen und ihn stark an deren Kompositionen zu binden. Er legt den Grundstein, welcher besonders im Kontext eines Gesamtwerkes, d.h. zusammen mit dem Gang ins Kino und natürlich dem kommenden zweiten und dritten Teil der Hobbit-Soundtracks nochmal an Intensität und Tragkraft gewinnen sollte. Fans von Bilbo, Gandalf und Co. müssen dieses randvoll gepackte, beinahe zwei Stunden zählende Doppelalbum selbstverständlich besitzen. Freunde von Filmmusik und/oder dem Schaffen Howard Shores machen ebenfalls nichts falsch, wenn sie sich für eine rein klangliche Entdeckung des Ringes entscheiden.

Anspieltipps:

  • My Dear Frodo
  • Old Friends
  • The Adventure Begins
  • Radagast The Brown
  • Moon Runes
  • The White Council
  • Song Of The Lonely Mountain

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