Max Raabe - Für Frauen Ist Das Kein Problem - Cover
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Max Raabe Für Frauen Ist Das Kein Problem


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 37 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Bügeln, putzen, kochen und Musik zur Hintergrundbeschallung degradieren: Für Frauen ist das kein Problem.

Es ist erstaunlich, dass Max Raabe auch in der vermutlich nicht eben warmen Havel die Gesichtszüge nicht entgleiten. Noch bemerkenswerter als die stoische Ausstrahlung des Barden ist jedoch die Ente auf dem Bild, welches das Artwork seines neuen Werkes „Für Frauen ist das kein Problem“ darstellt. Denn auch diese wirkt vollkommen unbeeindruckt von dem Umstand, dass da ein Mensch im Wasser herumsteht und so tut, als wenn nichts wär‘. Ente gut, alles gut? Eher nicht.

So tun als ob: Den Habitus der 1920er-Jahre imitiert Max Raabe seit jeher auf musikalisch höchst charmante Weise. Wundervoll blasiert klingt seine Stimme stets, wenn er Geschichten - meist solche über die Liebe - erzählt. Seit Annette Humpe diese für ihn schreibt, ist es mit der Eigentümlichkeit indes nicht mehr weit her. Die Einzigartigkeit des Baritons speist sich mittlerweile allein aus den Eigenheiten seines Gesangsstils, die Musik dazu ist vollständig austauschbar.

Der Erfolg des platinveredelten Vorgängers „Küssen kann man nicht alleine“ wird auf dem vorliegenden Werk wiedergekäut: Überraschend ist hier nichts mehr. Außer vielleicht die Tatsache, dass es Humpe erneut gelungen ist, ihre Begeisterung für Streicher aus der Konserve gegen alle Widerstände durchzusetzen. Da hat in dieser Geschäftsbeziehung wohl die Frau die Hosen an, denn wer wie Raabe Zeit seines Musiklebens mit einem (Palast-) Orchester gearbeitet hat, der dürfte eigentlich nur unter Protest noch zu elektronischer Begleitung singen.

Neben Raabe versinkt hier so auch manches Lied, nur nicht in der Havel, sondern im orchestralen Brei: „Kleine Lügen“ etwa taugt hierfür als prächtiges Beispiel. Was möglich gewesen wäre, zeigt „Ich bin nur gut, wenn keiner guckt“ auf: Zu einem brillant ironischen Text nimmt sich die musikalische Untermalung angenehm zurück. Raabes Gesang ist Melodie genug. Und von Zeilen wie „Sie sollten mich hören, wie laut ich singen kann /allein im Bad - ich schwöre / Bis zum hohen ‚C‘, sie wären sicher platt / Das klingt wie drei Tenöre“ bleibt auch mal etwas hängen - und wenn es nur ein Lacher ist.

Der Rest erschöpft sich in der ewigen Wiederholung des immergleichen Musters. Die Musik plätschert dahin, ein weiterer Aspekt dafür, die Covergestaltung als gelungen zu bezeichnen. Wirklich schlimm ist das alles nicht: Was nicht berührt, kann auch nicht wehtun. Max Raabe vorzuwerfen, seinen eigenen Anspruch für diesen massenkompatiblen Gleichklang geopfert zu haben, wäre jedoch nicht fair: Es ist immerhin seine selbstgeschaffene Marke, die er hier verkauft. Dass dieses durch und durch kalkuliert wirkende Produkt es nicht pünktlich zum Weihnachtsgeschäft in die Plattenläden geschafft hat, verwundert derweil schon ein wenig: Eine passendere Dreingabe zum neuen Bügeleisen hätte man der Zielgruppe kaum unter den Tannenbaum legen können.

Anspieltipps:

  • Ich bin nur gut wenn keiner guckt
  • Am Ende kommt immer der Schluss

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