Selig - Magma - Cover
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Selig Magma


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 53 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit Blur-Produzent Steve Power in England auf Tuchfühlung.

Nach drei Studioalben in den 90er Jahren und einer darauffolgenden zehnjährigen Pause, liegt nun mit „Magma“ das dritte Werk nach der Selig-Re-Union im Sommer 2008 vor. Auch wenn Kritiker das damalige Comeback der Band eher differenziert beäugten, war der kommerzielle Erfolg nie größer. Das lag zum einen daran, dass Selig es verstanden, ihren ureigenen Sound beizubehalten, ohne sich als Selbstplagiatoren zu schädigen und zum anderen war es der Tatsache geschuldet, dass das Hamburger Quintett so frisch klang, dass es sofort wieder einen festen Platz in der aktuellen Rockszene einnehmen konnte.

Auf „Magma“ arbeiteten Selig zum ersten Mal seit ihrer Wiedervereinigung wieder mit einem externen Produzenten zusammen. Die Wahl fiel auf den Liverpooler Steve Power (Blur, Robbie Williams, Feeder, Nerina Pallot), der die Aufnahmen in den „The Chapel Studios“ (eine umgebaute Kirche) im englischen Lincolnshire betreute, wo z.B. auch das aktuelle Debütalbum von The Virginmarys entstand. Dem geschuldet ist ein warmer Analog-Sound („Ich lüge nie“), der Einsatz einer Kirchenorgel („Alles auf einmal“) und eine deutlich hörbare Affinität zum britischen Rave-Rock der frühen 90er Jahre („Sie scheint“).

Nachwievor beherrschen Selig die Kunst, plakative Texte und eingängige Melodien zu entwerfen, die der eine oder andere weiterhin als schlagerartig verurteilen wird, die aber aufgrund ihrer Machart einzigartig in Deutschland sind, wobei ein Song wie „Wenn ich an dich denke“ tatsächlich verdächtig nahe an Pur-Gefilden vorbeischippert. Doch das sind zum Glück Ausnahmen, die im krassen Gegensatz zu atmosphärisch wabernden Stücken wie „433“ oder Seligs Antwort auf Trains „Hey, soul sister“ („Schwester Schwermut“) stehen. Und überhaupt: Wer beherrscht schon so perfekt 60er Jahre Hippie-Kram („Der Tag wird kommen“) wie Selig?

Weiterhin findet Billy Joels „We didn’t start the fire“ seinen deutschen Ableger im Song „Love & Peace“, „Zeit” glänzt ebenso mit Atmosphäre wie mit einer herrlichen Hookline und „Bring mich heim“ galoppiert mit ansteckender Rhythmik dem Album-Ende entgegen, das durch den wundervoll psychedelischen Titeltrack (inkl. Deep-Purple-Gedächtnis-Schweineorgel!)ein cooles Finale hat.

Fazit: Selig untermauern auch mit „Magma“ ihre besondere Stellung in der deutschen Musikszene, die sie auf nunmehr sechs Longplayern zementiert haben. Denn es gibt nachwievor nur wenige Bands, die für sich einen Sound erschaffen haben, der sie auf Anhieb von anderen Gruppen – positiv! – unterscheiden lässt. Selig waren schon in den 90er Jahren auf dieser Stufe und haben diese bis heute erfolgreich verteidigt.

Anspieltipps:

  • 433
  • Zeit
  • Sie scheint
  • Ich lüge nie
  • Der Tag wird kommen

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