Arkells - Michigan Left - Cover
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Arkells Michigan Left


  • Label: The Organisation
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Arkells gibt es jetzt auch fürs Radio!

„Oohs“, „Aaahs“ und jede Menge Background Vocals begleiten den Umschwung der Band Arkells. Was sich letztes Jahr noch nach einer amerikanischen Variante der jüngeren Beatsteaks anhörte, hat den sauberen Radioklang für sich entdeckt. Keine heißen Riffs mehr, die „Oh, The Boss Is Coming“ und den genialen Opener „Deadlines“ ausgemacht haben. In diesem „Deadlines“ wurde noch von den Männern im Anzug berichtet, die immer auf Punkt liefern müssen. Aus der Persiflage könnte traurige Realität geworden sein, da - so viel sei im Voraus verraten - Arkells ihre Kanten an der Garderobe abgegeben haben.

Anstatt Angriffsfläche für diese Entscheidung zu bieten, versuchen die fünf Kanadier allerdings zu zeigen, dass ihre Qualität nicht in erster Linie aus der Mischung aus Härte und Hooklines bestand, sondern aus Melodien und Hooklines. Von der ersten Sekunde an macht das Album mit „Book Club“, Where U Going?“ und dem Titeltrack „Michigan Left“ deutlich, dass hier saubere und hymnische Töne angeschlagen werden sollen. Keine Spur mehr von rauen Gitarrenspuren und Foo Fighter-Gedächtnis-Schrei-Einlagen. Aber meine Herren, sind die Melodien gut. Das Auftakttrio bohrt sich geradezu in die Gehörgänge und spielt mit Pop-Einschlägen der letzten 30 Jahre, ohne dabei altmodisch zu wirken. So schaffen Arkells wieder eine ganz eigene Grundlage, um erfolgreich sein zu können.

Selbst wenn das Album schwächer wird und der Schmalz ein wenig überhandnimmt („Coffee“ und „Kiss Cam“), schafft es der Fünfer immer wieder, einen Chorus auf Platte zu zaubern, der nicht aus dem Kopf gehen will. „Michigan Left“ ist ein Pool aus Eingängigkeit, der eiskalt mit seiner Stärke spielt, um etwaige Schwächen überspielen zu können. Das gelingt im Mittelteil nicht immer, da man nur so viel Oberflächlichkeit in langsameren Stücken überspielen kann. Dass Hymnen mit nachdenklicher Note auch noch textlich und musikalisch gehaltvoll gehen, zeigt die Band schließlich selbst in „One Foot Out The Door“. Hier weicht sie endlich wieder aus und verlässt sich nicht nur auf 08/15-Struktur und Mega-Refrain. Dieser kleine Ausflug bleibt mit „Whistleblower“ allerdings die Ausnahme, wenn es um ein paar lautere und ausschweifende Töne geht.

Arkells scheinen sich in einer Findungsphase zu befinden. Nach einem wilden Debüt zeigt das neue Album den Willen, große Stadionhymnen zu schreiben. Dass das funktionieren kann, beweisen das mitreißende Auftakttrio sowie die traumhafte Closer-Ballade „Agent Zero“. Im Mittelteil zeigt sich dagegen aber auch die Gefahr, dass man im Mittelmaß versinken könnte und das wäre nach dem gelungenen Debüt und den Sternmomenten des neuen Outputs eine traurige Verschwendung von Potenzial. Als Schritt zur großen Bühne hin seien die Schwächen auf „Michigan Left“ vergeben, doch auf Album Nummer drei werden sich die Kanadier vom Sympathie- und Talent-Bonus verabschieden müssen.

Anspieltipps:

  • Michigan Left
  • One Foot Out The Door
  • Agent Zero

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