Etecc - Volition - Cover
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Etecc Volition


  • Label: Saol/H'ART
  • Laufzeit: 58 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Hochprofessionelle Gratwanderung zwischen Tradition und Moderne, aber kaum eigenständig.

Das Subgenre des Thrash Metals ist schon eine Sache für sich. Zwischen Tradition und Moderne versucht eine junge Band stets ihre eigene Nische zu finden. Referenzen finden sich an allen Ecken und Enden. Egal ob nun Bands wie Anthrax, Slayer, deutsche Helden wie Kreator und Destruction oder mehr oder weniger moderne Genrehelden der Marke Machine Head und Pantera herhalten müssen – als Neueinsteiger des Knüppelmetalls hat man eine wahnwitzig große Bibliothek an der man sich bedienen kann. Etecc aus Wolfsburg haben scheinbar den Thrash verschiedener Dekaden gründlich studiert und analysiert. Sie bringen ihre eigene Musik somit voll auf den Punkt. Rouven Rapp (Gesang und Bass), Souhaieb El Azizi (Gitarre), Marc Schulz (Gitarre) und Timo Mönnecke (Schießbude) gehen beinahe gezielt den Mittelweg und veröffentlichen nach drei Demos und vielen Live-Erfahrungen mit „Volition“ endlich ihr erstes Studioalbum.

Dabei ist das Debüt genau das Album, welches dem Thrash Metaler gehörig Spaß machen sollte: Fette Riffs, massig Aggression, ein sauberer Groove, virtuose Soli und das Potential, die Nackenwirbel ordentlich leiden zu lassen, machen „Volition“ zu einem Gewinner! Das einzige Problem ist, dass die vier Wolfsburger kaum Eigenständigkeit besitzen und sich ihr Erstlingswerk nicht nur einmal ganz offensichtlich bei Genregrößen bedient. Dabei dienen die von Vorneherein angepriesenen Metallica-, Pantera- und Lamb Of God-Referenzen als klare Verkaufsargumente, werden aber gleichzeitig zum größten Fluch von „Volition“. Die Band spielt großartig und beherrscht ihr Handwerk besser als so manch anderer junge Genrevertreter, findet jedoch kaum ihre eigene Identität. Anstatt zu fast jeder Minute an die Inspirationen erinnert zu werden, hätte man doch viel lieber Etecc selbst als ein wildes Thrash-Potpourri gehört.

Auch wenn das Quartett gezielt zwischen zwei Generationen des Thrashs spielt, ordnet es sich sehr den bestehenden Regeln unter. Die galoppierenden Gitarren früher Metallica treffen auf die Rhythmus-Auslegung von Sepultura („A Valuable Insight“, „Abso-Motherfuckin'-Lutely“), wenn es mal hart werden soll, gibt es fiese Slayer-Riffs („On Standard's Leash“, „The Roof Of Nonsense“), die allerdings eher im Hintergrund bleiben. Als Auflockerung dient schließlich das schwermütige „Arctic Shroud“, welches zähflüssig und hypnotisch zwischen Doom-orientierten Thrash Metal und düsterem Modern Metal vollends begeistern kann und sicherlich die eigenständigste Komposition auf „Volition“ darstellt. Mehr davon hätte bestimmt nicht geschadet, doch leider bleibt der Song eine Ausnahme.

Um Missverständnisse zu vermeiden: „Volition“ ist alles andere als ein schwaches Album. Etecc spielen höchst professionell und haben den Thrash definitiv im Blut. Anders würden ihre musikalischen Hommagen auch gar nicht funktionieren. Aber eben jene sind es, die die Mucke Eteccs am meisten ausbremst. Einen eigenen Stempel drücken die Wolfsburger ihrem Album viel zu selten auf und verlassen sich lieber auf bewährte Muster. Schade! Genrefreunde sollten sich „Volition“ dennoch zu Gemüte führen. Wenn Etecc jetzt nämlich noch eine Schippe Eigenständigkeit draufsetzen, erwartet uns künftig eine Band, die international durchaus mitreden kann. Live haben sie sich bereits in die Herzen ihrer Fans spielen können. Der nächste Schritt ist nur noch eine Frage der Zeit.

Anspieltipps:

  • I Am The Light
  • Creed On Demand
  • Arctic Shroud
  • Shifting Sands

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