The Soft Moon - Zeros - Cover
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The Soft Moon Zeros


  • Label: Captured Tracks/CARGO
  • Laufzeit: 34 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Besser geht’s immer, schlechter aber eben auch. So ist das Leben.

Wir sind die neue Jugend. Perspektivlos, aber verträumt. Wir gehen nur nachts auf die Straßen, damit uns niemand sieht. Wir sind die Hipster, die Atzen, die Junkies, die depressiven Kids. Wir lieben uns, wir hassen euch. Oder andersrum. Der Klub ist voll. Ein bisschen zu voll, wenn man bedenkt, dass wir lieber alleine wären, aber das hält uns nicht vom Tanzen ab. Aus den Boxen tönt Gestöhne, schwarze Musik, wenig Text, irgendwie industriell, metallisch, kalt. Das neue Album von The Soft Moon fühlt sich in den Ohren an wie ein Fünf-Cent-Stück auf der Zunge. Ziemlich gut.

Ein Zusammenspiel aus Melancholie, Aggression, Sex, Enttäuschung und Hoffnung – so könnte man die Musik von Luis Vasquez und seiner fast unsichtbaren, vierköpfigen Truppe bezeichnen. Vasquez ist eigentlich Solokünstler, der Kreativkopf dieses Projektes, er hat’s nicht so mit anderen Menschen, macht lieber sein eigenes Ding. Im Vergleich zum Debütalbum wirkt „Zeros“ strukturierter, als stecke dahinter ein Konzept, ein sich durchziehender roter Faden, der gerade wegen der so düsteren Attitüde dieser Band durch seine Grelligkeit ziemlich hervorsticht. Spätestens der Blick auf die Tracklist lüftet dann das Geheimnis. „Zeros“ ist das Leben, beginnend mit der Geburt und ausklingend mit dem Tod. „It Ends“, verspricht uns der erste Song, und mit demselben Titel, nur rückwärts abgespielt, wird dieses Versprechen gehalten. Dann ist die Musik aus. Der erste und letzte Titel umklammern das Album, scheinen wie eine Art Begrenzung, die sagt: Bis hierhin und nicht weiter. Dazwischen ist alles möglich, aber das hier bleibt, wie es ist.

Wie auch unsere Existenz muss man diese Platte als Gesamtwerk betrachten. Alles baut aufeinander auf. Irgendwie klingen die Stücke ähnlich, gehen nahtlos ineinander über, trotzdem kann man sie von einander unterscheiden. Das ist Post-Punk, der an alte Zeiten erinnert. The Soft Moon knüpfen da an, wo Joy Division aufgehört haben und schneiden Ian Curtis einfach raus. Hier geht es nicht sonderlich um Lyrik, nicht um Hype und auch nicht um Nachahmung. Hier geht es um Musik, die das Lebensgefühl der heutigen Jugend genauso widerspiegelt wie das der Heranwachsenden vor dreißig Jahren. Düsterer, depressiver Scheiß ist das. Nicht verwunderlich, dass alle in diesem Raum am meisten zu „Machines“, „Zeros“ und „Insides“ abgehen. Das ist das, was wir unmittelbar erlebt haben. Unsere Kindheit, unsere Jugend. Vergangenheit und Gegenwart. Ab „Remembering The Future“ verlässt die ersten Tanzwütigen die Kraft, bei „Want“ stampfen dann nur noch zwanzig Leute zu dem Beat, meine Wenigkeit inbegriffen. Vielleicht, weil wir Angst vor dem Ende haben, vielleicht aber auch, weil wir das alles voll und ganz genießen wollen.

Es wird der Mix aus beidem sein, der uns daran hindert, dieses Konzert frühzeitig zu beenden und The Soft Moon das Gefühl zu geben, als bräuchten wir sie nicht. „Zeros“ wird wahrscheinlich das letzte Album von dieser Band sein, das beinahe ausschließlich dem Können von Vasquez zuzuschreiben ist. Mal sehen. Gespannt sind wir nicht, es ist uns gleichgültig, was kommen wird. Wir nehmen es hin, wir beschweren uns nicht. Oder andersrum. Verständnislos, aber kritikfreudig. Wir sind die neue Jugend.

Anspieltipps:

  • Machines
  • Zeros
  • Insides

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