Femme Schmidt - Femme Schmidt (Deluxe Edition 2013) - Cover
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Femme Schmidt Femme Schmidt (Deluxe Edition 2013)


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 58 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Frau Schmidt legt nach! Für den jetzigen Re-Release wurde ihr Debütalbum um vier Tracks erweitert.

Der Deal hört sich gut an: Für den ersten Kölner „Tatort“ im Jahr 2013 (Titel: „Scheinwelten“) mit den Kommissaren Max Ballauf und Freddy Schenk, steuert Sängerin Elisa Schmidt (22) mit „Heart shaped gun“ den Titelsong bei, der dann von rund acht Millionen Zusehern gehört werden wird. Eine bessere Promotion – neben einem Auftritt bei „Wetten, daß...?“ – ist im deutschen Fernsehen kaum vorstellbar. Vielleicht wird ja so aus dem Geheimtipp des Jahres 2012 ein Thema für die Charts im Jahr 2013. Denn Schmidts Debütalbum „Femme Schmidt“ wurde eigens für diesen Anlass um vier Songs bzw. mehr als eine Viertelstunde Musik erweitert.

„Heart shaped gun“ (zweimal vertreten), geschrieben von Martin Tingvall und Robin Grubert, kommt atmosphärisch durchaus einem James-Bond-Song nahe und besitzt eine ansteckende Melodie, die den Tatort-Zuschauer am Tag nach der Ausstrahlung direkt in den nächsten Plattenladen führen soll. Der zweite neue Track, „Black roses“, erinnert ein wenig an die düster-barocke Stimmung des aktuellen Albums von Lana Del Rey und mit der Coverversion „I try“ gibt es einen weiteren Neuzugang in einer tollen Live-Version, die nochmals deutlich macht, dass wir es bei Frau Schmidt mit einer Charakterstimme zu tun haben, der zu lauschen deutlich mehr Spaß macht, als dem x-ten Castingshow-Gewinner, der nach drei Monaten schon wieder vergessen ist.

Die ursprüngliche Besprechung: Im Herbst des vergangenen Jahres brachte die 22jährige Sängerin mit dem klassischen deutschen Namen Schmidt einen fünf Songs umfassenden Testballon namens „Above Sin City EP“ in den Umlauf, um das Feld zu bereiten für ihr Debütalbum, das im Laufe des Jahres 2011 zusammen mit den beiden Produzenten Richard Flack (u.a. Melanie C, Eros Ramazzotti, Delta Goodrem) und Guy Chambers (u.a. Robbie Williams, Kylie Minogue, James Blunt) in London entstand. Jetzt ist „Femme Schmidt“ da und knüpft nahtlos an den Sound der Vorab-EP an.

Alles andere war auch nicht zu erwarten, denn schließlich schufen Schmidt und ihr Studioteam eine ganz besondere Atmosphäre für die Songs der Berlinerin, von denen sich vier von fünf der „Above Sin City EP“ auch auf „Femme Schmidt“ wiederfinden. Lediglich die gelungene Coverversion von Velvet Undergrounds „Venus in furs“ wurde kein zweites Mal verwendet. Damit behält die EP einen letzten Rest Exklusivität und der Hörer bekommt ein Dutzend Tracks geboten, die den Geist der 20er Jahre, kombiniert mit dem Sound der 60er Jahre, vereinen.

Natürlich spielt Schmidt mit dieser Art von Musik und den dazu passenden Texten eine Art Rolle. Aber wenn diese Rolle authentisch umgesetzt wird und das Publikum etwas mit der nicht alltäglichen Popmusik anfangen kann, ist alles gut. Und tatsächlich scheint Schmidt von „Above Sin City“ bis „Femme Schmidt“ eine Entwicklung durchgemacht zu haben, die sich positiv auf das Songwriting ausgewirkt hat. Die Lieder haben zwar ihre latente Sperrigkeit nicht verloren, doch aus den anfangs nur spärlich eingebrachten Hooklines („Boom boom“, „Under my heart“) werden auf „Femme Schmidt“ tatsächlich mehr.

Dazu schleichen sich in Songs wie „Stockings & belt“ oder auch „Stay“ richtig klare Melodien ein und es gehören geniale Ideen dazu, wie das Thema der Kult-TV-Serie „Die Zwei“ mit einem Text über Alain Delon zu verknüpfen („Alain Delon“) bzw. in „Sin city“ Elemente des 20er-Jahre-Klassikers „Puttin‘ on the Ritz“ zu verarbeiten. Aus diesen Momenten bezieht das Debütalbum von Schmidt seine Klasse, die es nun in die Welt hinaus zu tragen gilt.

Anspieltipps:

  • Stay
  • I try (Live)
  • Alain Delon
  • Boom boom
  • Remote control
  • Stockings & belt
  • Heart shaped gun
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