Simon Joyner - Ghosts - Cover
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Simon Joyner Ghosts


  • Label: Sing Eunuch
  • Laufzeit: 72 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
8.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Der unterschätzte amerikanische Singer/Songwriter mit einer weiteren Großtat!

Der in New Orleans geborene und in Omaha, Nebraska, lebende 41-jährige begann als Lo-Fi-Singer/Songwriter in den frühen 90ern. Aus seinem umfangreichen Werk ragen „Songs For The New Year“ (1996), „Hotel Lives“ (2001), „Lost With The Lights On“ (2004) und „Skeleton Blues” (2006) heraus.

Brummende Störgeräusche auf „Vertigo” eröffnen ein ausschließlich als Doppel-Vinyl-Album (Download-Code inklusive) erscheinendes Werk, dessen verstörende Wirkung mit monotonen Rhythmen und kratzenden E-Gitarren in ein alptraumhaftes, dennoch vor melancholischer Schönheit triefendes Album einführt. Danach versöhnt die launig gestimmte Beerdigungsparty „Last Will And Testament“ mit einem an Velvet Undergounds „All Tomorrows Parties“ angelehnten Sound, der von einer Green On Red-Gedächtnis-Orgel heimgesucht wird. Der „Red Bandana Blues“ zersplittert, hinterlässt Sternenstaub, der langsam über das traurig-schöne Pedal Steel Motiv von „Sing A Little Lullaby“ weht.

Die Violine auf „The Tyrant“ kreist und kratzt im John Cale Modus, dazu funkelt ein Piano und Simon Joyner singt wiederholt wie ein unter Valium phrasierender Leonard Cohen. Im weiteren Verlauf entwickelt „Ghosts“ eine Sogwirkung, wird zur Droge, die sachte ins Unterbewusstsein dringt. Lärm wird Wohlklang, Worte scheinen zu verfallen, werden abgefedert von sanften Stromgitarrenschwingungen. Oder die im Vic Chesnutt-Stil geklampfte Gitarre auf „Cotes Du Rhone“ und „Swift River, Run“, die wiederholt in die Bedrängnis des gespannten Geigenbogens gerät. Das zweiteilige „If It’s Alright With You (It’s Alright With Me)” ist das Herzstück eines Albums, dem man das Herz herausgerissen hat und nun den verzweifelten Versuch unternimmt, dieses zurück zu verpflanzen. Ob die Operation am offenen Herzen gelingt, liegt in der Wahrnehmung des Betrachters (Hörers).

Gelungen ist „Ghosts“ allemal. Eine Platte, die sich nur scheinbar mühsam bis zum Ende schleppt. Hier werden Mühsal und Last in die Schönheit der Melancholie (man höre z.B. „If I Left Tomorrow“ und „The Last Parade“) überführt, das Vage und Ungefähre nehmen nach und nach Kontur an, Simon Joyner ist ein wahrhaftiger Sänger und Liederschreiber. Um die einleitenden Sätze zu bestätigen, bleibt zu sagen, dass Simon Joyner tatsächlich zu den besten zeitgenössischen Singer/Songwritern zählt, auch wenn es sich nicht an Verkaufszahlen und der ihm eigentlich gebührenden Wertschätzung messen lässt.

Anspieltipps:

  • Last Will And Testament
  • Sing A Little Lullaby
  • Cotes Du Rhone
  • If It’s Alright With You (It’s Alright With Me) Pt.1, Pt.2
  • If I Left Tomorrow
  • The Last Parade

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