Cody - Fractures - Cover
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Cody Fractures


  • Label: Nordic/SOULFOOD
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Nur geduldige Geister kommen in den vollen Genuss des siebenköpfigen Gespanns aus Dänemark.

Cody aus Dänemark sind in ihrer Heimat alles andere als aktuell. Schon seit Sommer 2011 geistern die Töne des Albums „Fractures“ aus dänischen Soundsystemen. Im Februar 2013 ist es also auch endlich in Deutschland so weit und die Musik der Dänen ist gut gealtert. Der poplastige Folk mit langem Geduldsfaden wirkt noch so frisch wie im vorletzten Jahr. Die Band hat sich auf dem neuen Album von Lo-Fi-Attitüden verabschiedet und schraubt an angenehm in den Ohren liegenden Melodien. Die fast schon meditative Ausbreitung der jeweiligen Melodie ist hierbei das Credo, welches übliche Dreiminuten-Smash-Hits fürs Radio meist verbietet.

Schon der Opener „Disharmony“ zeigt mit seinem knapp einminütigen Instrumental-Intro, dass man es auf „Fractures“ nicht eilig hat. Langsam gesellen sich das Summen der Co-Musiker und weitere Instrumente zu Frontmann Kaspar Kaaes Stimme. Warme Gitarren, Klaviertöne, Bläser und ein seelenruhiges Schlagzeug erzeugen mit den Stimmen und einigen immer wiederkehrenden Streichern eine der ganz großen Folk-Hymnen des neuen Jahres (jetzt also auch auf internationaler Bühne). Nach sechseinhalb Minuten ist der Zauber vorbei und man schwelgt in der nicht sehr abwechslungsreichen, aber tief wirkenden Melodie, die soeben dieses Album eröffnet hat.

Diese Art von ausschweifender Hymne kommt noch häufiger vor und kann oft an die Qualität des Openers anknüpfen („Caroline“, „August“, „Close The Door“ und „Go Home“). Hier und da machen es die mindestens fünfminütigen Brocken natürlich schwer, bei der Sache zu bleiben. Die Entlohnung ist jedoch fast durchgängig so schön melancholisch und warm ausgefallen, dass man diese Tatsache gerne in Kauf nehmen sollte.

Die Band kann jedoch auch anders. Paradebeispiel dafür ist der Titeltrack, welcher allerdings auch die Schwächen der kürzeren Stücke offenbart. Hier huschen viel kleiner und redundanter wirkende Melodien am Hörer vorbei, die oft erst gegen Schluss ein Stück besonderer Schönheit erfahren, wenn das jeweilige Lied schon vorüber ist. Dies gilt für den Titeltrack wie auch das sich erst gegen Ende entfaltende „Grey Birds“. Cody brauchen für ihre Musik ganz offensichtlich Zeit, in welcher sich die einfachen, doch auch so wirksamen Melodien und Themen entfalten können. Auch die mittellangen Stücke wirken nicht immer überzeugend. Ist „The Ghost Of Today“ eine bewegende Ballade mit Country-Elementen, kann „Mirror“ sich nicht gegen seine repetitive Ader durchsetzen.

So steht man vor einem der vielleicht meist beruhigenden und schönsten Alben der letzten Jahre, das aber vor kleinen Schönheitsfehlern nur so strotzt. Was im Leben Dinge erst interessant erscheinen lässt, ist auf Platte natürlich nicht unbedingt wünschenswert. Die Haare raufen will man sich zwar nicht gleich, doch die Schwächen der Band sind unüberhörbar. Die Radio-Nummer will Cody noch nicht gelingen und nicht wenige Hörer werden diese Limitierung vielleicht als Segen betrachten. Der Qualität „Fractures“' tut das natürlich einen leichten Abbruch. Eine Hörempfehlung für Folk- und Indie-Pop-Fans erhält diese Scheibe aber auch nach so langer Zeit immer noch problemlos.

Anspieltipps:

  • Disharmony
  • August
  • Go Home

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