Holy Grail - Ride The Void - Cover
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Holy Grail Ride The Void


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 53 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Das fehlende Bindeglied zwischen Metalcore-Kiddies und traditionellen Mattenträgern.

Der Name Holy Grail ist einer der größten Blender, die man in den letzten Jahren der Metal-Welt vernommen hat. Kein Wunder, schließlich arbeitet das Genre eng mit Stereotypen. Bei Holy Grail erwartet man genau das, was der Name verspricht: Pfeilschneller Power Metal, nicht unbedingt für die AD&D-Spieler im Kämmerchen, sondern eher für die härtere Fraktion von Iced Earth-, Jag Panzer- und eventuell auch Jacob's Dream-Hörer gedacht, aber im Endeffekt immer noch Power Metal mit all den jeweiligen Trademarks versehen. Die Erfahrung lehrt uns, wie man ein Album dank Cover, Bandname und Tracklist blitzschnell einzuordnen hat. Und dann kommen Holy Grail aus Los Angeles und machen (fast) alles anders. Die 2008 in Pasadena, Kalifornien, gegründete Band spielte bereits auf ihrem Debüt „Crisis in Utopia“ munter mit verschiedenen Gangarten des Metals. Mit „Ride The Void“ sind sie schließlich beim Major Nuclear Blast zurück und kochen getreu nach ihrem Erfolgsrezept ihr eigenes Süppchen weiter.

„Ride The Void“ will abermals traditionellen Heavy Metal mit Metalcore unter einen Hut bringen. Argwöhnische Metaler rümpfen da wahrscheinlich bereits die Nase, aber tatsächlich gelingt der Spagat im Großen und Ganzen ganz ordentlich, wenn auch nicht immer zu 100% sinnvoll und homogen. Der Opener „Bestial Triumphans“ gibt einen sehr guten Überblick darüber, was man in den folgenden 50 Minuten zu erwarten hat. Die meisten Songs sind ähnlich aufgebaut, was den ersten Überraschungseffekt sehr schnell abklingen lässt und „Ride The Void“ zu einer eher vorhersehbaren Angelegenheit macht. Riffing aus der US-Power-Ecke der Marke Iced Earth oder Manilla Road, mal herrlich galoppierend, dann so technikorientiert, dass man sich fast den Mathcore-Elementen der frühen Watchtower oder Sieges Even annähert, findet sich überall. Selten erreicht die Gitarrenarbeit europäische Gefilde (z.B. bei den Songs „Bleeding Stone“, „Too Decayed To Wait“, „Take It To The Grave“), dann aber unüberhörbar und primär bei Gitarrensoli. Frontmann James-Paul Luna nähert sich dagegen ganz klar europäischen Power Metal-Frontmännern an, erinnert dann und wann aber auch frappierend an einen Matthew Tuck von Bullet For My Valentine. Des Weiteren sind es die melodischen Momente des Metalcore, ganz besonders im Bezug auf den Gesang, die einen Löwenanteil im Songwriting bekommen haben. Im Vergleich zu einer Gruppe wie Trivium ist man aber sehr viel vorsichtiger, was das Einarbeiten der Core-Elemente betrifft. Ob Holy Grail dagegen ähnlich subtil vorgehen, ist aber zu bezweifeln.

Und hier ist der springende Punkt: Traditionalisten haben eine schier unendlich erscheinende und sich konsequent erweiternde Auswahl an Bands, die genau auf sie abgestimmt sind, bzw. nicht mit Elementen jonglieren, welche die jeweilige Zielgruppe klar abschrecken. Freunde von Metalcore dagegen werden trotz der so oft klar betonten Einflüsse (Maiden, Priest, Purple, Sabbath) ihrer Lieblingsbands, höchstwahrscheinlich keinen Bock auf das haben, was Holy Grail neben ihrem Core abziehen. Die Band selbst steht letztendlich zwischen den Stühlen und liefert ein mehr als ordentliches Stück Musik ab, welches zwar stellenweise noch etwas uninspiriert erscheinen mag, aber im Großen und Ganzen solide und technisch sogar großartig (!) ist. Aufgeschlossene Hörer beider Lager sollten sich „Ride The Void“ durchaus mal genauer anhören - komplett überzeugt werden aber wohl die Wenigsten sein.

Anspieltipps:

  • Bestial Triumphans
  • Bleeding Stone
  • Ride The Void
  • Too Decayed To Wait
  • Rains Of Sorrow

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