Leviathan - Aeons Torn: Beyond The Gates Of Imagination Part II - Cover
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Leviathan Aeons Torn: Beyond The Gates Of Imagination Part II


  • Label: Bret Hard/H'ART
  • Laufzeit: 49 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Fünf Death Metaler aus Bonn jonglieren mit Experimenten und traditioneller Härte.

Aus Bonn kommen fünf junge Herren, die sich voll und ganz dem Melo Death verschrieben haben. Jonas Reisenauer (Gitarre und Gesang), Tobias Dahs (Gitarre), Tom Heinz (Bass), Fabian Gocht (Keyboards und Gesang) sowie Tobias Parke (Schießbude) sind Leviathan. Klingt unspektakulär, schließlich gibt es unzählige Genrevertreter, aus denen der Fan wählen kann. Neulinge haben es da sichtlich schwer. Bei Leviathan kann aber Entwarnung gegeben werden: Das Quintett bringt nicht nur eine gewaltige Ladung Talent mit, sondern weiß auch, wie man mit gutem Melodic Death Metal experimentiert, ohne aber dessen Grundzüge komplett zu ignorieren. Es wäre also ein Fehler, die Jungs als weitere, mittelmäßige Kombo abzustempeln. Denn was sie auf ihrem Zweitwerk „The Aeons Torn - Beyond The Gates Of Imagination Pt.2“ abziehen, kann sich ohne falsche Bescheidenheit mit den ganz Großen des Genres messen.

Musikalisch gehen Leviathan sicherlich keine komplett neuen Wege, bieten ihre Interpretation von Melo-Death aber absolut rund und attraktiv. Ihr Metal befindet sich irgendwo in der Mitte zwischen Bands wie Kalmah, Eternal Tears Of Sorrow, den Children Of Bodom der frühen Nullerjahre sowie modernem Viking Metal mit seiner oft gehörten symphonischen Ausrichtung (z.B. aktuelle Ensiferum). Alle Kompositionen auf „The Aeons Torn - Beyond The Gates Of Imagination Pt.2“ folgen genau diesem Muster und werden durch dezente progressive Arrangements aufgelockert. Dabei bemühen sich die Bonner um Kontraste: Für brachiale und harte Momente wird durchgängig gesorgt, während die melodischen Elemente glücklicherweise nicht ausschließlich auf Orchesterbombast basieren. Die technische Raffinesse, besonders was die Arbeit der Axtmänner Dahs und Reisenauer betrifft, sorgt für eine Dynamik und Melodik, die stark an das phänomenale Wintersun-Debüt erinnert und in einer Zeit, in der ausufernde Orchesterarrangements das Schmachtfetzen-Allheilmittel darstellen, für eine angenehme Ausnahme sorgt, die sich so manch alteingesessene Band als Beispiel nehmen sollte. Besonders in Songs wie „The Sacred Fire“, „The Restless Wind“ und den sehr treibenden, großartigen „When Only Despair Remains“ sowie „A Symphony For No Tomorrow“ (ob das Thema „Eternity -Memory Of Lightwaves-“ aus dem JRPG Final Fantasy X-2 gezielt gewählt wurde oder nicht, bleibt ein Geheimnis) wird dies deutlich. Ebenfalls spannend sind Leviathan, wenn sie sich in die experimentelle (und dann auch explizit nicht progressive) Ecke bewegen und in Songs wie „The Rising Darkness“ und besonders „Elysium“ einen Ausflug in folkige Gefilde wagen. Im Gegensatz zu diversen Vertretern des Viking Metals, wählt man einen beinahe an Vittorio Vandelli, Sieben oder Alcest erinnernden atmosphärischen Neo-Folk, was „The Aeons Torn - Beyond The Gates Of Imagination Pt.2“ ein weiteres Mal von ähnlichen Machwerken abhebt.

Somit ist das zweite Album der fünf Bonner extrem vielseitig ausgefallen und weiß sowohl mit seiner traditionellen Härte (Growling, Doublebass, Speed), einem intelligent eingeflochtenen Hang für Melodie, aber auch dem einen oder anderen Experiment zu überzeugen. Das alles macht „The Aeons Torn - Beyond The Gates Of Imagination Pt.2“ zu einer sehr runden Angelegenheit, die Freunde des Genres unbedingt berücksichtigen sollten. Wie es mit Leviathan weiter geht, wird die Zeit zeigen. Es wäre ihnen aber zu wünschen, dass sie ihr Ding weiterhin so gut durchziehen können. Denn wenn sie dies tun, kommt etwas wahrhaft Großes auf uns zu!

Anspieltipps:

  • The Rising Darkness
  • Elysium
  • When Only Despair Remains
  • A Symphony For No Tomorrow

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