Screamer - Phoenix - Cover
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Screamer Phoenix


  • Label: High Roller Records
  • Laufzeit: 46 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Metallische Flashbacks, gezielte Obsoleszenzen und bedingungsloser Fanservice.

NWoBHM und kein Ende! Jetzt mal ohne Scheiß: Versucht man da mit Struktur den guten, alten Heavy Metal aus Großbritannien wiederzubeleben? Ouijabeard und Züül - das sind die NWoBHM-Heroen des neuen Jahrtausends, auch wenn sie gar nicht aus England stammen und somit der Begriff ad absurdum geführt wird. Fans frohlocken trotzdem, dass die ganzen Genremutanten „very british“ klingen und die alten Zeiten ohne Schnörkel und Modernität aufleben lassen. Screamer bilden da keine Ausnahme. Die Schweden aus Ljungby (der Unfallort des tragischen und viel zu frühen Todes von Metallicas Cliff Burton) gehen einen Schritt weiter. Während andere Bands sich zumindest in Ansätzen anmerken lassen, aus welchem Jahrhundert sie stammen, legen Screamer anscheinend absoluten Wert darauf, so anachronistisch wie möglich zu klingen. Die vier Musiker wollen gar nicht erst eigene Einflüsse in den Sound ihrer Band einbringen. Stattdessen ist es ihr Ziel, die Musik so nah wie möglich an den Sound der NWoBHM zu befördern. Wären Screamer Regisseure, wäre ihr „Phoenix“ ein Stummfilm. Wären sie Spielentwickler, dann wäre der Feuervogel in 8 Bit. Neu ist gar nichts, aber als Dienstleistung für den Liebhaber sind Screamer erfolgreicher als alle vergleichbaren Bands zusammen!

Nach ihrem 2011er Erstling „Adrenaline Distractions“ ist „Phoenix“ somit das zweite Album, mit dem Screamer den 80er Jahren ein Denkmal setzen. Referenzen wie Iron Maiden, Saxon und Diamond Head sind im Gegensatz zu der Musik anderer Bands nicht einfach aus der Luft gegriffen, sondern klar und deutlich. Das Quartett arbeitet mit den Trademarks, die die NWoBHM damals schon ausgemacht haben: Die Refrains sind eingängig und melodisch, aber trotzdem schnell und mit einer gewissen Portion Härte. Die Rhythmusfraktion arbeitet Hand in Hand - jedenfalls so lange, bis der Bass sich nicht in Steve Harris'sche Sphären begibt und für die bekannte Maiden-Melancholie sorgt. Sänger Christoffer Svensson orientiert sich an Paul Di'Anno - warum nicht ein Mal jemand Kollege Dickinson als Idol nimmt, wird wohl ein ewiges Geheimnis bleiben. Vielleicht ist sein Stil einfach zu schwer zu kopieren oder vielleicht ist Di'Anno mehr retro. Wie dem auch sei, Svensson macht seine Arbeit wie der Rest seiner Mannen so oder so gut. Songs wie „No Regrets“, „Far Away From Home“, „Mr. Norman“ oder „Red Moon Rising“ sind astrein eingespielt und schaffen es tatsächlich, den einstigen Spirit einzufangen.

Lediglich die Halb-Ballade „Lady Of The River“ ist als eher modernere Nummer eine kleine Überraschung. Gegen Ende begibt man sich gesanglich sogar in Italo Power Metal-Gefilde, die verzerrten Gitarren hingegen erinnern an das Debütwerk „Die And Let Live“ von den Landsmännern Ouijabeard, was an und für sich kein Problem wäre, aber im Vergleich zu den restlichen Songs ein wenig heterogen wirkt. Der Gesamteindruck bleibt aber herrlich oldschoolig. Der moderne Metalhead von heute braucht dieses Release wohl eher weniger. Zu groß ist die sonstige Auswahl, zu vielfältig und nicht enden wollend das Angebot. „Phoenix“ von Screamer peilt ohne Hintergedanken einen kleinen Hörerkreis an und macht keinen Hehl daraus. „Alles schon mal da gewesen“, sagen die einen. „Endlich wieder da!“, sagen die anderen.

Anspieltipps:

  • Slavegrinder
  • Far Away From Home
  • No Sleep 'Til Hamilton
  • Phoenix
  • Red Moon Rising

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