Witchgrave - Witchgrave - Cover
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Witchgrave Witchgrave


  • Label: High Roller Records
  • Laufzeit: 32 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Es rappelt im Retro-Karton! Wird es etwa das uneheliche Kind von Maiden und Venom sein?

Ist es nun ein Hype, möglichst alt zu klingen, oder steckt doch mehr dahinter? Neben Züül oder Screamer sprießen mehr und mehr (meist schwedische) Gruppen wie Pilze aus dem Boden, die die Wiederbelebung der NWoBHM als Alternative anbieten. Witchgrave aus Växjö bilden da keine Ausnahme. Nach ihrer Demo „The Devil's Night“ heben die vier Waldschrate ihr selbstbetiteltes Debütalbum aus dem Hexengrab. Das mit 32 Minuten recht kurze, aber von der Spielzeit fast schon traditionell anmutende „Witchgrave“, peilt das typische Zielpublikum der ewig Gestrigen und Hobby Old-Schooler an und geht im Vergleich zu jüngeren Werken wie „Phoenix“ oder „To The Frontlines“ teilweise ganz andere Wege.

Direkt im Opener „Raising Hell“ wird die Suppe mit einer Prise Motörhead gewürzt. Das obligatorische Iron Maiden-Zitat folgt: man lausche nur einmal den Gitarren und dem „Killers“-Bass in „The Apparition“. Über die „The Number Of The Beast“-Ära kommt man in seiner Zitatwut dann aber nicht heraus. Ob das nun positiv oder negativ sein soll, bleibt jedem Hörer selbst überlassen. Old School as fuck ist das aber auf jeden Fall. Wer weitere Verweise auf Maiden hören will, lässt den Silberling dann einfach durchlaufen und hört mehr oder weniger genau hin. Etwas wird man immer finden. Um fair zu sein, haben Witchgrave aber weitaus weniger mit den Briten zu tun, als vergleichbare Bands.

Generell rumpeln sich die vier Schweden durch ihre acht Kompositionen und fühlen sich wohl eher im frühen Thrash- und sogar Black Metal zu Hause. Der kleine Hinweis auf die Tygers Of Pan Tang und Diamond Head („The Virgin Must Die“) verkommen da fast schon zum NWoBHM-Alibi, der auf den bitterbösen King Diamond-Falsett in „Rites Of The Damned“ oder dem erwähnten „The Apparition“ schon sehr viel weniger, und die Tatsache, dass der Spirit von Venoms Genre-Titanen „Black Metal“ fast durchgängig angestrebt wird, ist unüberhörbar. Frontmann Joakim Norberg ist dabei der authentische Drecksack, der mit seiner kratzbürstigen Stimme dem ruppigen Früh-Black den passenden Anstrich gibt. Eine bessere Stimme hört sich anders an, hätte aber auch definitiv nicht zu der Witchgrave-Idee gepasst.

Diese Idee beinhaltet unter anderem auch, dass das Rad nicht neu erfunden werden soll oder muss. Das komplette Album bedient sich an alten und liebgewonnenen Schablonen. NWoBHM, Thrash, Black - alles wird in einen Topf geworfen und einmal ordentlich umgerührt. Neu oder innovativ ist letztendlich nichts. Puristen und Metaler, die behaupten, dass früher alles besser gewesen sei, werden sich aber trotzdem freuen, während Uneingeweihte abermals nur mit den Achseln zucken werden. Diese werden Witchgrave im Endeffekt aber sowieso völlig egal sein. Was sie machen ist eine Herzensangelegenheit. Alles was sie wollen, ist den Hörer auf eine nette Zeitreise mit zu nehmen. Das haben andere Bands schon sehr viel besser hingekriegt. Aber auch weitaus schlechter.

Anspieltipps:

  • The Virgin Must Die
  • The Apparition
  • The Last Supper

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